Der Sonne hinterher – mit im Gepäck, der Strassstein mit Swarovskiglanz
Das Leben kann manchmal ganz schön ungerecht sein. Im Hochsommer, als die Tage heiß waren und die Nächte wenig Abkühlung brachten, schrieb ich in sechs Wochen fast ein Dutzend Klausuren. Da meine Genialität leider limitiert, aber mein Ehrgeiz dafür umso stärker ausgeprägt ist, kam ich in dieser Zeit zu wenig anderen Dingen als zum Lernen, Essen und Schlafen. Jetzt allerdings, wo mein Pensum für die Uni mäßig und die Auslastung weit entfernt vom roten Drehzahlbereich ist, spielt das Wetter nicht mehr mit. Es ist unbeständig, dauernd regnet es und die Temperaturen steigen selten über zwanzig Grad. Da bricht man wahrlich nicht in Jubel aus. Und wir befinden uns kalendarisch gesehen noch immer im Sommer, das muss man sich mal vorstellen. Und da reden die Menschen immer von globaler Erderwärmung. Wo ist sie denn, wenn man sie mal braucht?!
Da ich ein Kind des Sommers bin, und ich für die Kombination aus Kalt und Nass nichts, aber auch nicht das Geringste übrig habe, werde ich drei Wochen in den Urlaub fahren. Und zwar dahin wo es warm ist. Wo es nur dreißig Tage im Jahr regnet. Und nicht wie bei uns dreißig Tage nicht regnet. Zur Auswahl stehen Mallorca, Sevilla und Gran Canaria.
Da ich zwar Willens bin, einen dreiwöchigen Urlaub zu genießen, der mir alle Vorzüge eines Sommers beschert, aber ich, abgesehen von der Zeit, nicht die finanziellen Mittel habe, mir einfach etwas aussuchen zu können und mal eben in das Flugzeug zu steigen, kann man sich vorstellen. Ich bin Studentin, und wenn man nicht gerade von den Eltern monatlich einen dicken Scheck als Unterstützung bekommt, muss man eben Abstriche in Kauf nehmen.
Da ich in der glücklichen Lage bin, eine Handvoll guter Freunde zu haben, die über halb Spanien verstreut leben, werde ich für die Logis keinen Cent aufwenden müssen. Und da einem Flugreisen heutzutage keine breiten Schneisen mehr ins Konto schlagen, wird die Verpflegung der einzige ernstzunehmende Kostenfaktor sein, der zu erwarten ist.
Ich habe mich entschieden. Mein Reiseziel fällt auf Gran Canaria. Das hat mehrere Gründe. Mallorca wird es diesmal nicht, da ich die Baleareninsel mittlerweile so gut kenne, dass ich Touristen schon die Sehenswürdigkeiten zeigen kann. Außerdem ist das Wetter Ende Oktober auch nicht mehr so warm, dass ein Badeurlaub garantiert werden kann. Aus diesem Grund fällt auch Sevilla aus. Denn das schöne Andalusien hat zwar einen langen Küstenstreifen, aber Sevilla liegt leider nicht am Meer, sondern circa einhundert Kilometer im Landesinneren. Für einen Tagesausflug ans Mittelmeer hätte es sicher gereicht, aber ein Badeurlaub sieht anders aus, und der soll es unbedingt werden.
Somit werde ich heute den Flug nach Grand Canaria buchen. Denn auf Grand Canaria ist es fast das ganze Jahr über sonnig warm und das Meer lädt einen jeden Tag ein, ein paar schöne Stunden darin zu verbringen. Ich sehe mich schon am Strand liegen. Zentimeterdick mit Sonnenmilch eingecremt, mit meiner bei
www.gogoritas.com neu gekauften Fußkette aus Swarovski Strasssteinen ums Gelenk und dösend den Wellen des Mittelmeeres lauschend.
Damit ich am Strand eine gute Figur abgebe, werde ich den nächsten Monat dazu nutzen, mein Trainingspensum zu steigern. Zum Glück bietet die Uni genügend Sportkurse an, die mir zum einen die lange Zeit bis zum Urlaub ein wenig verkürzen und gleichzeitig meine Figur auf Vordermann bringen. Zwei Mal die Woche gehe ich zum Volleyball. Das dieser Kurs eigentlich Beachvolleyball heißt, aber dieses Jahr noch nicht einmal im Freien stattgefunden hat, unterstreicht meine Misere. Aber glücklicher Weise hat das bald ein Ende. In einem Monat wird gepritscht und gebaggert und das vielleicht nicht nur auf dem Volleyballspielfeld.