Staatstheater Oldenburg ist das älteste Theater in Niedersachsen.
Sowohl bei „Death Knocks" als auch in „Der Kaiser von Atlantis" steht der Tod im Mittelpunkt des Geschehens. Beide Einakter verbindet das Staatstheater Oldenburg zu einem abendfüllenden Programm. Die beiden Opern beleuchten den Tod aus zwei ganz unterschiedlichen Blickwinkeln.
Für das „Kleine Makabre" in „Death Knocks" sorgt niemand anderes als Woody Allen. Sein „Death Knocks" ist die Vorlage für Christian Josts gleichnamige Oper aus dem Jahr 2001: ein groteskes Zweipersonenstück, prall gefüllt mit Situationskomik und musikalischen Überraschungen. Das unübersetzbare Wortspiel des Titels ist eine zusätzliche Pointe: „Death knocks" bedeutet nicht nur, dass der Tod „anklopft", sondern auch, dass er im Kartenspiel „Sticht".
In Death knocks will ein attraktiver weiblicher Tod den Textilfabrikanten Nat Ackermann abholen: Nat Ackermann kommt nach Hause, will den Feierabend genießen. „Let it snow" summend liegt er auf der Couch, als plötzlich der Tod in Form einer sehr attraktiven Dame durchs Fenster fällt. Es ist ihr erster Auftrag und Ackermanns fällt es leicht, sie zu einem Spiel Gin Rummy zu überreden. Bei Schnaps und Schokonüssen verliert sie ein Spiel nach dem andern und erkennt nicht, dass Ackermann sie über den Tisch zieht.
Das bringt natürlich knisternde Erotik ein. Und die Sympathiewerte werden auch auf den Kopf gestellt: der Tod tut einem fast Leid, während sein Opfer ein mit allen Wassern gewaschener Geschäftsmann ist. Angeheitert durch die Erkenntnis, dass er auch das nächste Spiel gewinnen wird, wirft er den Tod hinaus.
Eine typische Woody-Allen-Situation. Doch auch der amerikanische Komiker hatte hier sein Vorbild ist die Situation doch eigentlich eine Parodie auf einen Film von Ingmar Bergman, den Lieblingsregisseur von Woody Allen: „Da spielt der Tod Schach mit seinem Opfer". Das Motiv gibt es aber auch in vielen Kulturen. Das Spiel ist ein Ritual, der Begleiter der ständigen Frage: „Was passiert danach?"
In „Der Kaiser von Atlantis" verweigert der Tod dem die Welt beherrschenden Kaiser Overall den Dienst – just in dem Moment, als dieser den „großen, segensreichen Krieg aller gegen alle" verkünden lässt. Doch der Tod will sich nicht länger von Overall, der aus ihm ein Massenphänomen gemacht hat, zum „kleinen Handwerker des Sterbens" degradieren lassen. Overalls apokalyptisches Vernichtungswerk verliert seinen Sinn und er selbst seine Macht. Denn was ist ein Krieg ohne Tote?
In dieser Kurzoper werden die Figuren des Todes und des Harlekins (das Leben), des Lautsprechers (ein unberührter Kommentator) und des Trommlers (die ironisch verfremdete Stimme der Macht), des Soldaten und seines Mädchens „Bubikopf" sowie des „Kaisers Overall" zu Trägern der Handlung.
Viktor Ullmann schrieb „Der Kaiser von Atlantis" 1943/44 als Häftling im Konzentrationslager Theresienstadt. 1944 wurden er und sein Librettist Peter Kien in Auschwitz noch vor der Uraufführung ermordet, die so erst 1975 in Amsterdam erfolgte. Auch heute noch ist das spannungsvolle Werk eindrucksvoll, und doch ist es bei den Opernaufführungen unserer Zeit kaum mehr zu hören. Grund genug für Staatstheater Oldenburg es neu aufzuführen.
Das Bühnenbild unterstützt Ullmanns Frage nach Sinn und Würde des Sterbens in einer Zeit grausamer menschlicher Unterdrückung und Verachtung. In einem Land, in dem die Menschen das Lachen verlernt haben, ehrt auch niemand mehr den Tod.
So unterschiedlich die Stimmungen der zwei Kurzopern, so verschieden ist deren Musik, die das Staatsorchester unter Leitung von Karl Prokopetz intoniert. Sie reicht von Weill und Puccini über Jazz bis in die Moderne. Linda Sommerhage stellt sich in den Rollen von Tod und Trommler erstmals dem Oldenburger Publikum vor. Ebenfalls neu im Ensemble sind Peter Felix Bauer und Michael Pegher. Zu den weiteren Mitwirkenden zählen Paul Brady, Henry Kiichli, Daniel Ohlmann und Ingela Onstad.