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Der österreichische Heimatblock der 1. Republik

Autor: emgo1 | Erstellt am: 07.12.2010 | Gelesen: 708
Kategorie: Geschichten & Anekdoten | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Keine Traditionspflege für historische Fraktion im Nationalrat

Parlament - ©Gerd Altmann geralt/pixelio.de
Parlament - ©Gerd Altmann geralt/pixelio.de
Während in allen politischen Lagern mehr oder weniger die Tradition bis zu den Wurzeln der jeweiligen Partei zurückverfolgt und gepflegt wird, gilt dies für eine Parlamentspartei der Ersten Republik nicht - den Heimatblock. Die Sozialdemokraten feiern den Gründungsparteitag zur Jahreswende 1888/1889 in Hainfeld, die ÖVP führt ihre Wurzeln auf die Gründungsideologen Karl von Vogelsang und Dr. Karl Lueger zurück und das Dritte Lager, die Freiheitlichen, knüpfen an 1848 an, verschweigen aber auch die Großdeutsche Volkspartei und den Landbund der 1. Republik nicht als historische Vorgänger. Und auch die KPÖ als „alte" Partei führt ihren Ursprung bis zur Gründung der Kommunistische Partei Deutsch-Österreich (KPDÖ) im Jahr 1918 zurück.

Heimatblock-rechter Flügelstürmer mit Ablaufdatum

Allein an den Heimatblock will sich niemand mehr aus der politischen Gegenwart erinnern, schon gar nicht als einer Parlamentspartei, die in der Ahnenlinie des eigenen politischen Lagers angesiedelt war. Dabei hat diese Partei, vor allem aber ihr „außerparlamentarisches Umfeld" die 20iger und 30iger Jahre des 20.Jahrhunderts in der österreichischen Innenpolitik ganz wesentlich geprägt. Ohne die Heimwehren und deren parlamentarischen Arm, den Heimatblock wäre es nicht zu dem Grad der politischen Radikalisierung auf „bürgerlicher" bzw. „nicht-marxistischer" Seite gekommen, die nach 1933 den „Austrofaschismus" und letztendlich den Anschluss an das Deutsche Reich unter dem Zeichen des Hakenkreuzes möglich gemacht hätten.

Heimwehr und Heimatblock

In Österreich hatten sich nach dem Ende des 1.Weltkriegs in den Bundesländern Selbstschutzverbände vor allem aus ehemaligen Kriegsteilnehmern gebildet. Ursprünglich als bewaffnete Macht gegen den Feind von außen, wie etwa im Kärntner Abwehrkampf 1920 eingesetzt, eigneten sich diese Selbstschutzverbände als Heimwehren bald auch innenpolitisch die Funktion einer bewaffneten Ordnungsmacht zu. Parallel zum Schutzbund der Sozialdemokraten wurden die Heimwehren zum paramilitärischen Arm des bürgerlichen, d.h. nichtsozialistischen Lagers. In der 2. Hälfte der 20iger Jahre bildete sich in der Heimwehrbewegung ein christlich-sozialer und ein deutschnationaler Flügel heraus, die sich in einem organisatorisch-politischen Konkurrenzverhältnis zueinander befanden.

Radikalisierung nach Schattendorf und Justizpalastbrand

Nach Schattendorf-Affäre Brand des Justizpalastes radikalisierte sich die Heimwehrbewegung und suchte jenseits des bürgerlichen Lagers nach einer politischen Alternative. Ernst Rüdiger von Starhemberg, im Jahre 1923 Teilnehmer des Hitlerputsches in München, und damit ursprünglich im Naheverhältnis zur aufstrebenden nationalsozialistischen Bewegung in der Weimarer Republik, war hier die treibende Kraft. Starhemberg konkurrierte in seinen Bestrebungen mit dem Steirischen Heimwehrführer Pfrimer, dem Wiener Fey und dem Tiroler Steidle. In Niederösterreich führte der nachmalige ÖVP-Bundeskanzler und Wirtschaftskammerpräsident Ing. Julius Raab die Heimwehrbewegung an, und verfolgte seine eigenen Ziele. Zu keinem Zeitpunkt gelang es eine wirklich einheitliche Bewegung zu werden, zu stark waren die regionalen Unterschiede und die Pläne der jeweiligen Führungsfunktionäre. Von monarchistisch, über christlich-sozial bis hin zu deutschnational waren alle Strömungen vertreten, einig waren sie sich nur in ihrer militanten Abwehrhaltung gegen Marxismus und Republik.

Korneuburger Programm als Wendepunkt

Zentraler Wendepunkt war die Verabschiedung des Korneuburger Programms der Heimwehr am 18.05.1930. Als Antwort auf das Austromarxistische Salzburger Programm der Sozialdemokraten bekannte sich die Heimwehrbewegung zu den Ideen Ständestaats, Antiparlamentarismus, Führerprinzip und Machtergreifung. Man suchte sowohl in Italien bei Mussolini als auch in der Weimarer Republik beim aufstrebenden Nationalsozialismus und Hitler Vorbilder, betonte aber bewusst den eigenständigen „österreichischen Weg" der Heimwehrbewegung. Die Begrifflichkeit des Austrofaschismus wurde geboren.

Der Heimatblock als eigene wahlwerbender Gruppe

Nach dem Korneuburger Eid blieb die strategische Frage, ob man weiterhin im Rahmen der nichtsozialistischen Parteien, d.h. vor allem der Christlich-Sozialen und der Großdeutschen Volkspartei tätig sein sollte, oder als eigenständige wahlwerbende Gruppe antreten sollte. Bei der Nationalratswahl 1927 waren Christlich-Soziale, Großdeutsche Volkspartei und eine kleinere Gruppe der Nationalsozialisten als Einheitsliste angetreten. Schlussendlich kandidierte ein Teil der Heimwehrbewegung als Wahlgruppe Heimatblock für die Nationalratswahlen am 9. November 1930 selbständig, andere Heimwehrexponenten, wie etwa Raab und Steidle verblieben bei den Christlich-Sozialen. Das Wahlergebnis war mit 6,2% und 8 Mandaten kein Erdrutschsieg, ging prozentuell ausschließlich zu Lasten der Christlich-Sozialen und des Nationalen Wirtschaftsblocks(Großdeutsche/Landbund). Im Unterschied zur Weimarer Republik schaffte die NSDAP den Einzug in den Nationalrat 1930 aber nicht, was im Ergebnis aus dem Antreten des Heimatblocks als Konkurrenz resultierte. Im Bundesland Kärnten kandidierte man in weiterer Folge am 9.Dezember 1930 ebenfalls als Heimatblock eigenständig und erzielte mit 8,8% immerhin 3 von 36 Mandaten. In den anderen Bundesländern fanden keine erfolgreichen Kandidaturen bei Landtagswahlen statt.

Heimatblock und Lagerbildung im politischen Alltag

Von der „Lagertheorie" Adam Wandruskas ausgehend, ist die Zuordnung schwer: Eine ideologisch-organisatorische Ausdifferenzierung des Rechten Flügel der Christlich-Sozialen oder doch ein eigenständigen Austrofaschismus, der (noch) nicht wusste, welchen Weg er gehen sollte?Die praktische Politik der folgenden Jahre kann hier wertvolles Material zum Versuch einer Antwort beisteuern. Nach der Nationalratswahl 1930 blieb dem Heimatblock eine Einbindung in eine Regierung vorerst versagt. Weder in der Regierung Bundeskanzler Ender, noch in der Regierung Bundeskanzler Buresch, beides Christlich-Soziale, wurden Heimatblock-Minister in die Regierung aufgenommen. Es dauerte bis zum Antritt der Regierung Dollfuß im Mai 1932, bis mit Vizekanzler Emil Fey und Odo Neustädter- Stürmer zwei Vertreter des Heimatblocks bzw. der Heimwehren in die Regierung kamen. Bis zu diesem Zeitpunkt regierten die Christlich-Sozialen weiterhin mit dem Nationalen Wirtschaftsblock(Großdeutsche Volkspartei/Landbund). Durch den sogenannten „Pfrimer-Putsch" 1931 und dem Erstarken der NSDAP bei den Landtagswahlen in Salzburg 1932 (6 Mandate), Niederösterreich 1932( 8 Mandate), Vorarlberg 1932(2 ) und Wien 1932(15) und einer ganzen Reihe von Gemeinderatswahlen in den Bundesländern dramatisierte sich die Lage innenpolitisch noch mehr. Dies führte schlussendlich auch zur Ausschaltung der parlamentarischen Republik und zur Errichtung eines autoritären Regimes durch Bundeskanzler Dollfuss.

Regierungsbeteiligung und Verlust der Eigenständigkeit

Als Konsequenz wurde der Heimatblock bzw. wurden Vertreter der Heimwehren in die christlich-soziale Bundesregierung eingebunden. Vizekanzler aus dem Heimatblock/der Heimwehr regierten schlussendlich bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich mit, - Emil Fey(1933-1934), Ernst Rüdiger Strahemberg(1934-1936), Eduard Baar-Baarenfels(1936), Ludwig Hülgerth(1936-1938). Daneben waren mit Odo Neustädter-Stürmer, Emil Fey und Ernst Rüdiger Strahemberg auch Fachminister in diesen Regierungen vertreten.

Autor: Dr. Fritz Simhandl, Autor Fleedstreet

 
 
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