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Der lange Abschied vom Jugendwahn. (49)

Autor: WolfgangSchwalm | Erstellt am: 30.08.2010 | Gelesen: 607
Kategorie: Beruf - Bildung & Karriere | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Wie wir Milliarden Euro an Human-Kapital vernichten.

Mitsu tomoe: Sonne, Himmel, Erde, Mensch
Mitsu tomoe: Sonne, Himmel, Erde, Mensch
In kaum einem Bereich ist unser Wunsch-Denken so ausgeprägt wie beim Um-Welt-Schutz (Ökologie) und der künftigen Welt-Wirtschaft (Ökonomie). Dabei scheint es doch ziemlich sicher das wir a) unsere Lebensbedingungen weiter verschlechtern werden – bis zum Krieg um die letzten Roh-Stoffe, und wir b) weiter an heute schon veralteten gesellschaftlichen Arbeits-Modellen festhalten werden – bis wir keine Wahlmöglichkeiten mehr haben. Wir veränderungswilligen und lernresistenten Bürger machen bekanntlich solange linear so weiter wie bisher – Immer-mehr-Desselben-Prinzip nach Arthur B. Laffer – bis wir etwas verändern müssen (last exit strategy). Dafür sorgen 80 % Traditionalisten. Leben ist aber ständige Veränderung!

Bekanntlich hat in den letzten Jahrzehnten unsere deutsche Industrie, in Zusammenarbeit mit den Politikern, Milliarden € an Human-Kapital vernichtet, indem Millionen von Arbeits-Spezialisten zwangsweise aussortiert wurden. Ihr einziger Fehler: Sie waren angeblich zu alt …

Nicht 100 Meter Läufer werden hier mit 40 Jahren aussortiert. NEIN! Menschen mit know do und know how! Sie hätten, bei altersgemäßer Arbeitsmarkt- und Arbeitsplatz-Strategie noch bis 65 Jahre arbeiten können. Aber warum überhaupt eine Alters-Begrenzung? Die Idee von dumpfen voll-alimentierter Beamtengehirne (Altersdiskriminierung)? Aber für eine kreative Arbeits-Markt-Politik bedarf es Gestalter, nicht Verwalter.

Die Aufgaben alter Menschen in den Klan-Gesellschaften: Sie geben ihr Wissen (Riten, Rollen, Moralen, …) an die nächste Generation weiter und halten ihre Groß-Familien zusammen.

In unseren modernen Individual-Gesellschaften wurde unser Wissen in Datenbanken verlagert – für alte Menschen gibt es scheinbar (k)einen (veränderten) Bedarf!

Wir müssen zunächst einmal erinnern, das die Welt-Wirtschaft durch folgende Faktoren beeinflusst wird:

  • Globalisierung: Die einfachen Arbeiten wandern Richtung Asien (low tech).
  • Die qualifizierte Arbeit wandert Richtung Asien (high tech, Universitäten).
  • Deutsche Arbeit wandert nach Europa. Übrigens. Deutschland ist nicht der Welt-Mittelpunkt! Wir sind langfristig nur noch eine Marginalie mit Historie ...
  • Europäische Arbeit wandert nach Asien usw. aus.

Die Welt-Wirtschaft hat sich längst differenziert ...

  1. in einen produzierenden Bereich (Real-Ebene) und
  2. in einen spekulierenden Bereich (Symbol-Ebene).
  3. in einen prekären Bereich (70 % Armut) und einen monetären Bereich (30 % Reichtum).

Die Bereiche (1. und 2.) sind über die Banken und deren Kapital miteinander verwoben!

Sven Astheimer, 26. August 2010 Text: F.A.Z. NET, Auszüge, [Autor]

Bald stellen Mitarbeiter über 50 Jahre das Gros in deutschen Unternehmen. Ältere werden vermehrt wertgeschätzt, aber nicht gezielt eingestellt. Die Herausforderung ist riesig, denn in vielen Personalabteilungen herrscht noch immer Jugendwahn.

Aufgrund weltweiter ökonomischer Veränderungen werden bis zu 1/3 der deutschen Arbeitsplätze im Primären Ökonomie-Bereich künftig wahrscheinlich nicht mehr benötigt. Sie wandern Richtung Asien.

… Personalkosten senken, indem ältere Mitarbeiter durch Abfindungen und staatliche Zuschüsse in den vorzeitigen Ruhestand gelockt werden. So wie nach dem Platzen der Internetblase zu Beginn des Jahrzehnts. Jedes Jahr subventioniert die Bundesagentur für Arbeit diese Politik mit mehr als einer Milliarde Euro. Ende 2009 lief das Gesetz zwar aus, zahlen muss der Staat jedoch noch lange.

In der jüngsten Krise ... kam es anders. Viele Unternehmen horteten trotz Auftragseinbruchs ihr Personal in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Zeitweise befanden sich rund 1,5 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. Nun, da die Konjunktur wieder anzieht, rechnet sich diese Investition.

... Gründe für ihr vorausschauendes Krisenmanagement hätten viele den „demographischen Wandel" und „Fachkräftemangel" genannt. Das Problembewusstsein sei also vorhanden, sagt Rump. In die betriebliche Managementpraxis hätten diese Themen jedoch noch lange nicht überall Eingang gefunden. In vielen Konzernen und Großunternehmen gebe es zwar Personalexperten, die sich mit den Veränderungen durch alternde Belegschaften auseinandersetzten. Aber je kleiner der Betrieb sei, so Rumps Erfahrung, desto weniger wisse man, wie man das Problem anpacken könne. „Dem Mittelstand fehlen oft die Ideen."

In den klassischen Industrieländern ändert sich das Verhältnis von Erwerbstätigen und Rentnern derzeit drastisch. Kamen in Deutschland 1951 noch auf einen Ruheständler sieben Erwerbstätige, werden es hundert Jahre später den Prognosen zufolge noch zwei sein. Um den Kollaps des umlagefinanzierten Sozialsystems zu verhindern, hat die Regierung die Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters um zwei auf 67 Jahre beschlossen.

… Seit Jahren wird deshalb der Notwendigkeit eines Altersmanagements in den Unternehmen das Wort geredet, damit Mitarbeiter tatsächlich lange im Beruf bleiben können und nicht, weil sie physisch oder psychisch den Anforderungen nicht mehr gewachsen sind, mit Abschlägen vorzeitig in Rente gehen müssen.

... dass in den Unternehmen das Thema Demographie am ehesten als Aufgabe des Gesundheits-Managements eingestuft wird:

Eine deutlich geringere Rolle spielt laut Lenze dagegen das Wissensmanagement. Dabei geht es zum einen darum, die Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiter möglichst lange zu erhalten. Nur durch gezielte Qualifizierung könnten Mitarbeiter den Anforderungen eines längeren Erwerbslebens gerecht werden, sagt Ursula Staudinger vom Zentrum für lebenslanges Lernen an der Jacobs University Bremen.

Die Realität sieht jedoch anders aus: Mit zunehmendem Alter nimmt die Weiterbildungsbeteiligung deutlich ab.

Zum anderen wird nach Wegen gesucht, wie das Wissen innerhalb der Belegschaft von einer Generation an die nächste weitergegeben werden kann. Dabei haben sich IT-Datenbanken in der Praxis oft als umständlich und untauglich erwiesen. Häufiger kommen dagegen Mentorenprogramme oder gemischte Teams aus älteren und jüngeren Mitarbeitern zum Einsatz, die auf den direkten Austausch setzen. Dass solche Kombinationen auch produktiver sein können, zeigen Untersuchungen aus Forschung und Entwicklung. Demnach produzieren ausschließlich junge Teams zwar mehr Ideen, die Innovationen von Generationen übergreifenden Einheiten sind dagegen nachhaltiger und marktnäher.

Dass sich mit dem Wissen der Älteren ordentlich Geld verdienen lässt, zeigt auch das Beispiel Erfahrung Deutschland. Der Vermittler für Fach- und Führungskräfte im Ruhestand ging vor vier Jahren an den Markt. Mittlerweile befinden sich in der Datenbank rund 5000 Aushilfsmanager, die sich nur zum Rosenzüchten noch zu jung fühlen und stattdessen bei Bedarf den Aufbau eines Werks in Brasilien organisieren, über die Zollbestimmungen für Einfuhren aus Nicht-EU-Ländern aufklären oder den neuen Einkaufsleiter coachen.

Der Jugendwahn in den Personalabteilungen, ..., ist noch nicht zu Ende. Zwar würde er heute einen 55 Jahre alten Kandidaten schon zum Vorstellungsgespräch eingeladen. „Wenn da noch ein jüngerer Konkurrent im Rennen ist, wird der aber immer noch den Job kriegen." Allerdings räumt er ein, dass die Bevorzugung der Jungen auch mit den gängigen Vergütungsstrukturen zusammenhänge. Am Senioritätsprinzip, wonach das Gehalt mit zunehmendem Alter automatisch steige, könne in Zukunft immer seltener festgehalten werden.

Personalexpertin Jutta Rump spricht von einer Übergangsphase, in der zwar die Wertschätzung von vorhandenen älteren Mitarbeitern steige, solche Leute aber nur ganz selten auch gezielt eingestellt werden. Diese Erfahrung müssten viele ältere, qualifizierte Arbeitssuchende derzeit noch machen. Das ändere sich erst, wenn sich der ökonomische Druck bei der Personalsuche weiter erhöhe. Oder deutlicher: „Es muss erst richtig weh tun."

Der Welt-Konsumenten Markt hat sich vom Angebots- zum Nachfrage-Markt verändert. Der Welt-Arbeits-Markt befindet sich in einer Nachfrage-Situation (Millionen Arbeitslose suchen Arbeit.). Nur Im High tech Bereich haben wir es mit einer Nachfrage-Markt zu tun (Firmen bieten Arbeitsplätze).

Der Jugendwahn und die 3-Monats Strategien, wurde hier von den USA kopiert, verbunden mit einem alles und jedes gesetzlich steuernden Staat. Dabei hatte der US-Arbeitsmarkt nie unsere 2-Säulen-Ausbildung (Theorie und Praxis). Dort sammelt man praktische Berufserfahrung und wird so lange angeheuert wie man Praktiker benötigt (hire and fire) wird. Die Theorie wird durch zusätzliche Spezialisten abgedeckt. Während bei uns zeugnissüchtige (Angst vor Verantwortung) Chefs am liebsten monatelange Probezeiten vereinbaren. Dabei ist der USA-Arbeitsmarkt ungeheuer flexibel: räumlich und demografisch Jeder darf arbeiten solange er will (Probezeit 1 Tag bis 1 Woche). Unsere Manager und Politiker ersuchen beide Systeme zwangsweise zu vereinen: G8-Abiturienten zu Hungerlöhnen (Hartz 4) als Tagelöhner ihren ´Fließbändern´ für 20 Jahre anzupassen.

Es wird künftig auf 2 Wegen mit der bezahlten Arbeit in unserer Gesellschaft weiter gehen:

  1. Wir werden in Zukunft weiter die jetzige weltwirtschaftliche Rolle (high tech) spielen: das bedeutet Arbeitskräftemangel aufgrund der Altersentwicklung. Wir müssen Spezialisten importieren oder unsere Arbeit in die EU verlagern.
  2. Oder es wird deutlich mehr Arbeit (low tech) auf den Rest der 6,3 Milliarden Menschen weltweit verteilt.

Die EU-Kommission sagt dazu über die EU:

… Ein Wachstum der durchschnittlichen Beschäftigung von 69 auf 75 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung, Hochschulabschlüsse für 40 statt wie bisher 30 Prozent der Schulabgänger bei einem Rückgang der Schulabbrecher-Quote auf unter zehn Prozent, ein Anstieg der Forschungsausgaben von Staat und Unternehmen auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts …Quelle: DW-WORLD.DE, Auszug

Zu Erinnerung:

  • Die Araber haben NOCH das Öl.
  • Die Russen haben das Gas.
  • Die Chinesen haben die Erden, Roh-Stoffe (Rhodium, Germanium, Tantal, ...)
  • Wir haben NOCH das Wissen – und das Wasser.

Auch künftig werden weltweit die Firmen

  • rationalisieren
  • automatisieren
  • digitalisieren

Viele Länder werden eigene Industrien entwickeln. Aufgrund von Rohstoff-Interessen kooperieren schon heute China und afrikanische Länder um eigene Wertschöpfungsketten zu installieren. Wir werden dann vermehrt deutlich teurere Vorprodukte importieren müssen, und die low tech Produkte werden sie vermehrt selbst herstellen. Noch verhindern westliche Egoisten durch steuernde Zölle einen fairen Handels-Wettbewerb.

Allerdings wird weltweit die Anzahl der Menschen ab-nehmen. Natur-Veränderungen werden Länder unter Wasser setzen. Hunger und Krankheiten etc. werden zunehmen.

Wir werden, EU weit, da unsere low tech Arbeit weiter auswandert, unseren Rest-Arbeits-Markt neu orientieren müssen:

  • Bezahlte Arbeit (high tech) denen weltweit Käufer gegenüber stehen sorgen für unsere Staats-Einnahmen.
  • Bezahlte Arbeit für den EU-Markt.
  • Unbezahlte soziale Arbeit (Bürgerarbeit, Geldersatz, …) denen ein Inlands-Grund-Bedarf (Bürgergeld) gegenüber steht.
  • Zuviel Menschen (Einwanderer) und Organisationen werden vom Staat, in riesigen Um-Verteilungsaktionen, alimentiert (nicht inländische Hartz 4- Empfänger sind gemeint).

Merke:Es gibt bei uns genug Geld! Es ist nur falsch verteilt. Zu viele der Ober- und Mittel-Schicht leben zu Lasten er breiten Masse (Steuerhinterzieheung, Wirtschafts-Betrug, usw.).

So sollte sich unsere künftige Ökonomie entwickeln, mit der wir im Export unser National- und EU-Einkommen verdienen müssen:

  1. Der SCHLANKE Staat (Tertiär-Sektor) muss eine soziale Marktwirtschaft werden und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vorgeben (L. Erhardt, J. A. Schumpeter): Hier muss die doppelte Buchführung und das Leistungs-Prinzip eingeführt werden. Die Staatsausgaben müssen massiv gesenkt werden.
  2. Die deutschen Export-Firmen (Primär-Sektor) müssen sich enger mit den Forschungs-Instituten und Universitäten austauschen (high tech).
  3. Der Sekundär-Bereich unserer Volkswirtschaft muss sich, ebenso wie der Tertiär-Sektor, deutlich zweckmäßiger orientieren.
  4. Der Spieler-Bereich mit ihren Zocker-Buden (Börsen etc.) muss massiv mit Steuern belastet werden. Das weltweite Spekulieren mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen muss verboten werden!
  5. Mit Steuern müssen auch alle Formen der Rationalisierung, z. B. EDV/Digitalisierung, belegt werden: Wenn Maschinen Arbeitslosigkeit bewirken, dann müssen für diese Maschinen Steuern erhoben werden!
  6. Als Einwanderungs-Land und -Gemeinschaft werden wir zwangsläufig weiter verarmen: amerikanische Massen-Armuts-Verhältnisse bei gleichzeitig wachsendem Elite-Reichtum. Schon 1965 gab es den Vorschlag, die Arbeit zu exportieren statt die Menschen zu importieren!
  7. Die basis-demokratische Säkularisierung (Wertedefinition, Leitkultur) sollte endlich konsequenter praktiziert werden!

Zuerst kommt der Mensch mit einem Mindestmaß an Lebens-Qualität, erst dann die ökonomischen Interessen der Lobbyisten durch Klientel-Politik. Die Frage wird immer mehr sein, sollen wir unsere eigenen Bürger bevorzugen ...

(C) by Wolfgang Schwalm 2010 (WSchwalm@gmx.de)
 
 
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