Der Flug des Swarovski Schmetterlings
So schön eine Urlaubsfahrt durchs grüne Niemandsland auch sein mag, einen riesigen Nachteil hat das Ganze. Es gibt dort einfach keine öffentlichen Toiletten. Auf der Autobahn fährt man alle zehn Kilometer an einer Raststätte vorbei und irgendwie nervt dieses Gebuhle um die chronisch Blasenschwachen. Aber bei Fahrten über Landstraßen, auf denen der Staub liegen bleibt und sich die Igel des Nachts sorglos zur Ruhe betten können, wäre ein öffentliches Klo ein wahrer Segen. Aber wenn dem nicht so ist, muss es auch anders gehen.
Es gibt zwei Kategorien von Freiluftpinklern. Es gibt die, denen es egal ist, wo sie Pinkeln und wer dabei zuguckt. Zu dieser Kategorie gehören neunundneunzig Prozent der Männer. Männer zeichnen sich darin aus, dass es ihnen komplett wurscht ist, welchen Baum oder Strauch sie begießen. Sogar auf dem Weg ins Fußballstadion ist keine Mauer vor ihnen sicher. Angst vor Öffentlichkeit? Keine Spur. Schamgefühl? Gott bewahre. Allein die Sorge vor einem Bußgeld durch die Polizei, treibt sie zur Eile. Mit Abstrichen sind auch die meisten Frauen zu dieser Gruppe zuzurechnen. Der größte Teil würde sicher gerne den Weg ins Gebüsch vermeiden, aber wenn die Blase drückt, dann ist das eben höhere Gewalt. Sich im Rudel an eine Mauer zu hocken, liegt ihnen allerdings fern.
Die zweite Gruppe sind im Grunde genommen gar keine Freiluftpinkler, denn ihnen fehlt das Verhalten der ersten Gruppe. Bei der zweiten Gruppe hat die Privatssphäre oberste Priorität. Dabei spielt wohl die Angst vor Entdeckung die entscheidende Rolle, sich nicht im Grünen erleichtern zu wollen. Diese Sorge führt dazu, dass sie daher eher bei fremden Menschen klingeln und sie zur Frage genötigt sind, ob sie wohl mal das stille Örtchen aufsuchen dürfen.
Und warum auch nicht?! So lernt man Leute kennen, sagt Jacqueline. Und sie muss es wissen. Sie ist ein offener und feinfühliger Mensch, aber ihre Komplettverweigerung sich bei Harndrang in die Büsche zu schlagen, macht unsere Reise nach Wien zu einer wahren Marathonfahrt. Gerade Jacqueline, die alle zwei Stunden auf Klo rennen muss, hat diesen Spleen, ausschließlich auf´s Töpfchen zu wollen.
Dabei war das nicht immer so. Vor einigen Jahren waren Jacqueline, ich und ein paar Freunde in den Bergen zum Wandern. Da Jacqueline es nicht mehr bis zur Berghütte aushalten konnte, ging sie ins Gebüsch. Ohne Bedenken. Leider übersah sie dabei einen Jäger, der auf seinem Hochsitz saß und hockte sich quasi direkt unter ihn. Ohne ihn registriert zu haben, kehrte sie zu uns zurück. Da wir alle rasten wollten, setzten wir uns auf ein paar Baumstämme, die am Wegesrand lagen. Nach kurzer Zeit stapfte der Jäger aus dem Gebüsch und sagte im Vorbeigehen die verhängnisvollen Worte, die Jacquelines Einstellung zum Freiluftpinkeln für immer verändern sollte. Er sagte: Ich habe noch nie einen Schmetterling so furzen hören. Alle verstanden die Anspielung an Jacquelines Schmetterlingstattoo auf ihrem Hintern. Die Jungen fingen derart an zu grölen, dass Jacqueline die Schamesröte ins Gesicht schoss. Auf die Spitze trieben es aber die unsensiblen Kerle, als sie Jaqueline später einen Schmetterling schenkten, den sie selber aus Swarovski Strasssteinen bastelten, die man unter anderem unter www.gogoritas.com/12086_deu.html bestellen kann. Auf die Geschenkkarte schrieben sie: Ich liebe Bohnen. Ganz schön gemein.