Der erste ausgefallene Milchzahn eines Kindes ist etwas ganz Besonderes. Schön, wenn man ihn erwischt und er nicht beim Toben, auf der Wiese oder im Sandkasten, verloren geht. Schöner allerdings, wenn er von alleine raus fällt und Eltern nicht, um einem Verlust vorzubeugen, durch Wackeln an dem Selben oder gar mit dem Ziehen an Schnüren und Türen nachhelfen. In Deutschland gebräuchlich ist es, hat der Zahn erst mal die Mundhöhle verlassen, ihn über Nacht unter das Kopfkissen des Kindes zu legen. Und dann kommt sie, die Zahnfee, die große Schwester der Schnullerfee. Was im allgemeinen so aussieht, dass sich ein Elternteil nachts heimlich in das Kinderzimmer schleicht, um den Zahn gegen ein Eurostück auszutauschen. Und wieder ein Beweis, dass das Leben zu D-Mark-Zeiten billiger war. Allerdings ist die Freude der Kinder darüber nicht grundsätzlich groß, denn manch ein Zwerg hat schlicht und ergreifend Angst vor der Zahnfee. Anscheinend ist der Glaube das Feen generell etwas Gutes sind, unter Kindern nicht zwingend verbreitet. Da bedarf es eventuell einer gezielten Vorbereitung durch die Eltern.
Wenn dann aber der Besuch der Zahnfee überstanden ist, was tun, mit dem Zahn?
Aufheben, ja klar. Einfassen lassen und der Tochter den Silberschmuck zum 18. Geburtstag schenken. Sehr schön. Wenn man aber mit einem Sohn gesegnet ist, wird es schwierig. Welcher gerade zum Mann heran gereifte 18 jährige würde sich freiwillig sein Babyzähnchen um den Hals hängen?
Ich kenne einige Mütter, die das Recht auf dieses Schmuckstück, für sich selbst beansprucht haben und den Zahn auf der stolzgeschwellten Brust tragen. Aber wirft das bei den Kindern nicht Fragen auf? Wie bloß, ist die Mutter denn mit der Zahnfee in Verhandlungen getreten? Kostete das Ganze einen Euro, oder macht die Zahnfee gar Geschäfte mit den Zähnen?
Wie dem auch sei, sollten sie einen Sohn haben oder unliebsamen Fragen über das Verhandlungsgeschick von Feen aus dem Weg gehen wollen, bleibt noch ein Riesenangebot an Döschen, Schächtelchen und kleinen Schmuckkästchen mit oder ohne Begleitbuch zum Verstauen des ersten bis zwanzigsten Zähnchens.
Sid Kroker