Seit längerem verzeichnen wir einen Ausstieg der westlichen Industriestaaten aus der Entwicklungspolitik. Nachdem Zahlungen (von durch die UNO ursprünglich festgelegten 0,7% des BIP der „reichen" Staaten) bis Anfang der 1960er Jahre stetig stiegen, sinken sie seither wieder. Auch in den neokolonialen Staaten selbst werden Maßnahmen zur Armutsbekämpfung vor allem auf Druck von IWF und Weltbank abgeschafft. Die Subventionierung von Grundnahrungsmittel zum Beispiel, um nur eine zu benennen. Die Idee bzw. der Vorsatz, Armut durch Entwicklungshilfe durch maßgebliche Ausbeutung der neokolonialen Staaten durch die Industriekonzerne zu ersetzen, kann und soll hinterfragt werden.
Hierbei benutzen wir die Methode der Dialektik (These + Antithese = Synthese), bei der es, um dies zu tun, erst einmal einer grundlegenden Betrachtung des vorherrschenden Weltwirtschaftssystems bedarf. Das neoliberale Konzept des Kapitalismus beruht auf der Theorie, dass der Mensch von grundauf rational und egoistisch denkt. Diese Individuen denken zuerst daran ihren materiellen Wohlstand zu maximalisieren und danach erst – wenn überhaupt – an die Gesellschaft. Es ist nicht nur gestattet sich egoistisch zu verhalten, es wird sogar erwünscht. Eigennutz und rationales Denken, wird behauptet, erhöht die Wirtschaftseffizienz. Somit ist die Wirtschaft konsumorientiert und die „Kultur des Gebens" wird vernachlässigt. Deshalb verzeichnet man vor allem in der Konsum- und Vermögensgesellschaft starke Entwicklungen. Wirtschaftswissenschaftler nennen diesen Zustand auch Neodarwinismus – das Überleben nach den Rechten und Gesetzen des Stärkeren, nach den Regeln des Lebensspiels. Mit der Geburt der Bretton-Woods-Zwillinge IWF (engl. IMF = International Monetary Fund) und Weltbank 1944, wurde das Ziel, Strömungen von Waren und Kapital zu kontrollieren, immer deutlicher. Der IWF ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Zu seinen Aufgaben zählen z. B. die Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Währungspolitik, Ausweitung des Welthandels, Stabilisierung von Wechselkursen, Kreditvergabe, Überwachung der Geldpolitik und Technische Hilfe. Mit z. Z. 187 Mitgliedern, deren Stimmrecht sich nach Kapitalanteil orientiert, ist er eines der größten Organisationen der Welt. Wenn ein Mitglied in Finanzschwierigkeiten gerät, kann beim Internationalen Währungsfond um Hilfe durch unter Auflagen befristete Kredite erbeten werden. Darüber hinaus scheint es, als ob die IWF Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Südamerika unterstützt bei der Erarbeitung von Wachstums- und Entwicklungskonzepten, auch Geldhilfen werden durch den IWF gefördert. Aber ebenso wie die Kreditvergabe an Mitgliedern ist auch diese Maßnahme an Bedingungen (wie Korruptionsabbau, Einführung der Demokratie etc.) und vor allem der wirtschaftlichen Liberalisierung des Landes gekoppelt. Auch die Weltbank vergibt allerdings nur zu marktüblichen Bedingungen Kredite an Staaten. Für die Vergabe von Vorzugskrediten ist die Tochtergesellschaft der Weltbank zuständig – die IDA (International Development Association). Auch die IFC, eine weitere Tochtergesellschaft der Weltbank vergibt speziell für private Projekte in den Entwicklungsländer Kredite. Sowohl die IWF als auch die Weltbank befürworten den Standpunkt, dass der einzige Entwicklungsweg für die Armen vollständiges Öffnen ihrer Märkte ist. Die Organisationen bestehen auf Privatisierung von öffentlichen Unternehmen und sie handeln leider des Öfteren nach den Bedürfnissen der Länder ihrer Hauptaktieninhaber.
Durch die verschiedensten NGOs (Non-Government-Organisations) wird ihnen das Fehlen an Demokratie und Transparenz, das Ausgleichen von allen ohne Rücksicht auf die Unterschiede, das Verursachen von Finanzkrisen anstatt ihrer Bekämpfung, das neoliberale Konzept beim Treffen von Entscheidungen und vor allem das Verschließen der Türen für die Öffentlichkeit sowie das Missbeachten von Opponenten als auch die fehlende Neigung zu lokalen Programmen, vorgeworfen. Zum Beispiel gibt es vor allem in armen afrikanischen Ländern den Eindruck, diese Nationen seien nur Provinzbüros für eine übernationale Weltinstitution. Die vollständige Ignoranz der Kritiken der Länder, welche Nutzer des IWF-Arrangements sind, werden in ihrem Benehmen, die Wirtschaft der Gewalt ohne Recht auf Auswahl und Verschiedenheit zuzulassen, deutlich. Dadurch, dass die Verschuldungen der Entwicklungsländer progressiv wachsen, kann man erkennen, dass die IWF den Weg für die westlichen Körperschaften bereitete, die Wirtschaft in diesen Ländern, ihr Finanz und Bankensystem und die Naturrohstoffe sowie deren Verarbeitung zu kontrollieren. Ein ausgeklügeltes System, welches sich „strukturelle Anpassungsprogramme" nennt, stellt weitestgehend eine Lockspeise zur neuen Verschuldung dar. Die im Jahre 1995 als Nachfolger des Zollabkommens GATT gegründete WTO (World Trade Organisation, dt. Welthandels - Organisation) hatte die Aufgabe den internationalen Handel zu regulieren. Die WTO kann heute stolz 134 Mitgliedsstaaten verzeichnen lassen, u. a Kanada, die USA, Japan und die gesamte EU sowie 33 Länder mit Beobachterstatus. Auch die WTO steht zusammen mit dem IWF und der Weltbank in der Kritik, die neue nicht gewählte Weltregierung darzustellen. Es mag verschwörungstheoretisch klingen, dennoch scheint es nicht abwägig, wenn wir uns die Strukturen dieser „globalen Körperschaften" bzw. dieser „Verwalter der Welt", wie sie von einigen Organisationen wie ATTAC genannt werden, ansehen.
Wie vorhin schon angedeutet wird vor allem durch die WTO hoch gepokert und vor allem im Agrarbereich. Die Industriestaaten haben in der heutigen Zeit Agrarüberschüsse, die sie nicht etwa verschenken – nein – sondern in der „3. Welt" (um es verständlich entgegen meiner Überzeugung für alle auszudrücken) absetzen möchten. Durch die allgemeine Industrialisierung, auch der Agrarwirtschaft, kommt es vor allem in den vermeintlich ärmeren Ländern zu Landverlust der Kleinbauern/-bäuerinnen. Das Hybridsaatgut z. B. beschleunigt diesen Prozess, da es immens teuer ist und die Schuldenfalle vorprogrammiert ist. Da die armen Länder auf exportorientierte Produktion umgestellt haben(Kaffee, Tee, Tabak, etc.), sind sie natürlich auf diese Importe angewiesen. Hierbei kommt die WTO ins Spiel. Während in den Industriestaaten die Agrarproduktion teilweise hoch subventioniert wird, ist die Subvention in den neokolonialen Staaten durch Einzelverträge oder Beschlüsse dieser „unheimlichen" Organisation verboten. Auch IWF und Weltbank tragen ihren Teil zu diesem Eklat bei. Hier sind wie schon erwähnt Kreditvergaben an weitreichende Zugeständnisse gekoppelt. So wurden z. B. Subventionen von lebensnotwendigen Gütern wie Grundnahrungsmitteln und Heizmaterial stark reduziert bzw. abgeschafft, was deren Preise in die Höhe trieb und somit den Lebensstandard der Bevölkerung absinken ließ. Der revolutionäre Aufstand in Indonesien 1998 war das Spiegelbild eines solchen IWF-Diktats. Dies sind nur einige aussagekräftige Beispiele für die Politik dieser Organisationen. So können wir verzeichnen, dass es seit 1995 wieder eine Zunahme der weltweiten Unterernährung gibt.
Warum sind diese Länder so arm? Das werden sich wohl einige fragen. Die Armut der sogenannten „3. Welt" ist das Resultat einer jahrhundertelangen kolonialistischen und imperialistischen Ausbeutung. Es wurden systematisch Rohstoffe gestohlen, ihre Bevölkerung wurde brutalst ausgebeutet und unterdrückt und eine eigenständige industrielle Entwicklung mit Gewalt verhindert. WTO, IWF und die Weltbank haben daran nicht nur nichts geändert, sondern betreiben diese Politik in differenzierter Form weiter. Durch das vorherrschende neoliberale System, wurde die Kluft zwischen Arm und Reich nicht nur innerhalb der einzelnen Staaten, sondern auch zwischen „armen" und „reichen" Ländern immer größer. In den 1970er Jahren erhielten die neokolonialen Staaten Kredite aus den Industrieländern. In den 1980er Jahren zogen die Zinsen an. Die Schuldenfalle war aufgestellt. Es kam zu einer Umkehrung des Nettokapitalstroms, d. h. die neokolonialen Staaten finanzierten die Gewinne der Imperialkonzerne der „1. Welt". Die Subsahara-Region transferiert seit 1995 1,5 Milliarden Dollar mehr in die westliche Welt als sie erhält. In den 1990er Jahren war es dann schwer für die ärmeren Länder an Kredite zu kommen. Dies führte zu hohem Kapitalmangel und zu einer neuen Epoche der inoffiziellen Kolonialzeit. Doch was wären diese Organisationen ohne die Konzerne, die diesen immer länger werdenden „Arm des Kolonialismus" nutzen. Diese wohl sehr mächtigen Zeitgenossen in Form von juristischen Personen haben den größten Nutzen dieser Globalisierungsform. Man behauptet, manche unter ihnen seien mächtiger als demokratisch gewählte Regierungen. Doch hätten sie nicht die Grenze des Nationalstaates überschritten, würde es nicht unterstützt oder gestattet. Auch in den armen Ländern sind so manche lokale Regierungen, wiederum der „verlängerte Arm" dieser Konzerne. Das Ziel ist natürlich den größten Profit zu den niedrigsten Kosten zu erlangen. Die Mittel zum Erreichen des Ziels sind skrupellos, wie z. B. Beschäftigung von Kindern in den armen Ländern, Arbeitstage mit 12 – 16 Stunden, zum Überleben ungenügende Tageslöhne, unmenschliche Bedingungen, schlechte hygienische Arbeitsbedingungen und hohes Arbeitsverletzungsrisiko. Im Mittelpunkt steht der Profit, keinesfalls der Mensch. Auch ökologisch benehmen sich diese zivilisierten westlichen Konzerne wie Rüpel und Ausbeuter. Sie verlassen Standorte verschmutzt und lassen die Menschen alleine mit ihren Problemen. Forschungen zeigen, dass die zehn größten transnationalen Körperschaften (TNK) größere Gesamteinnahmen als die 100 ärmsten Länder der Welt haben.
Als Schlussfolgerung sei festgehalten, dass aufgrund dieser empirischen Erkenntnisse, die Existenz der IWF, der Weltbank und sogar der WTO in Frage gestellt werden muss und sogar dringend. Auch wirft sich hier der Gedanke des bewussten Ausbeutens bestimmter menschlicher Ethnien durch bestimmte Organisationen bzw. Konzerne auf und die Frage, warum man immer noch nicht nach all unserer geschichtsträchtigen Vergangenheit bemerkt, dass man glückliche und nicht gutverdienende Menschen braucht, um Wohlstand zu erreichen.