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Denis Scheck durchstreift die Gegenwartsliteratur

Autor: RMS-Scriptorin | Erstellt am: 29.10.2011 | Gelesen: 383
Kategorie: Kunst - Kultur & Religion | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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Es gibt Menschen, die Bücher schreiben.
Es gibt Menschen, die Bücher lesen.

Es gibt Menschen, die Bücher be- und entwerten. Zu letzteren zählt Denis Scheck, Gast der Stadtbibliothek Aachen. Zum fünften Mal in Folge gab der Literaturkritiker sein Gutachten über die Neuerscheinungen des Bücherherbstes zum Besten. 60 Werke standen auf dem Programm. Die Bücher waren teils von den Bibliothekaren herausgesucht, teils vom Redner per Koffer mitgebracht worden. Mit ihm erschienen Frau Schenk und Hund Stubs, der es sich auf seiner Reisedecke gemütlich machte.

Auch auf dem Programm stand Hundelektüre mit der hoffnungsvollen literarischen Äußerung eines prominenten Artgenossen: „Tote Katzen! Tote Katzen!" und dem Werk „Dir zu Füßen!"

Erfreut über den Dank eines Weltenbürgers, lauschte ich gespannt den unterhaltsamen Vorträgen. Gleich einer Weinprobe standen am Anfang die Bücher von Schecks „Doofenregal", die kaum als Literatur zu bezeichnen sind. Sie hatten die Schleusen der Marktwirtschaft passiert und fielen nun seiner Kritik zum Opfer.

Natürlich durfte Island, als Land der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, einer ansprechend offerierten Darbietung und einer „Gebrauchsanweisung für Island" nicht fehlen. Statt Edda hatten sie in einem gigantischen Schnellprojekt ihre Saga's publiziert, nicht nur auf Papier, nein auch als Hördisk's . Zum Erstaunen des Lesers wurden Tabuthemen wiederholt angesprochen. Die Geduldigkeit des Papiers strapazierte auch eine andere Autorin mit ihrer unerklärlich positiven Einstellung zu Inzest, wovon sie den Leser überzeugen wollte.

Ein Jäger von über 800 Gämsen wird der Gejagte eines greisen und weisen Gamsbocks, der verständliche Rache nimmt. Auf dem Podium verwundert sich der Redner über das wiederholte Auftauchen dieser Spezies. Auch der Feder eines weiteren Autors entfloss ein Gamsbild. Der Protagonist Putzi  beobachtet als kleiner Junge eine hilflose Gams, die verhungernd auf einem Felsvorsprung steht. „Wird sie in den Tod springen oder ausharren?" Als Erwachsener wiederholt Putzi das Experiment mit Menschen. Offensichtlich hatte Putzi die geeignete Grundausbildung zum doktrinen Führer erhalten.

Scheck ging auf das Design der neuesten Comics ein. Ebenfalls wurden Science Fiction angesprochen und die Namensgebung von Perry Rhodan. Natürlich durften der schwer zu lesende Umberto Eco: „Friedhof in Prag", der Jubilar Ernest Hemingway  und „Deadwood" nicht fehlen. Gleich seines TV-Auftritts stellte Scheck diese Werke vor. Auch Jean Pauls Wunsiedel kam an die Reihe. "Wenn ich den Band Tunnel in meinem Regal sah, wünschte ich mir immer: Gäbe es ihn nur in Deutsch." Der Wunsch des Kritikers wurde nun erfüllt.

Dass die beiden Punkte der Seitenkanten nicht versehentlich von seinem Kuli stammten, erkannte der Leser in der Mitte des Buches. Das Buch war zweigeteilt. Während im oberen Teil das Mobbing stattfand, raste im unteren der Suizidzug unaufhörlich dem bitteren Ende entgegen. Eine innovative Darstellungsform der Extraklasse.

Das Leben einer Kleinstadt und die Auswüchse eines Platzhirsches sind ebenfalls zwischen zwei Buchdeckeln erfasst inklusive dem Niedergang des Einzelhandels.

Total satt hat er die lästigen Nachhilfestunden in Geschichte. Dies ist Vermessenheit und  reine Blasphemie! „Charakter ist nur Eigensinn" lautet eine offensichtliche Masseeinstellung gegen Individualität.

Ein Lieblinsgautor von Scheck Flann O'Brien wurde angesprochen. Ebenso kamen „Nemesis", „Der Name des Windes" und „Rumba, Rumba, Rumba ist modern" zur Sprache. Die Autorin und Verlegerin Daniela Seel fasste in Gedichtform „Ich kann diese Stelle nicht wiederfinden." Engagiert klappert Seel mit Rucksack bewaffnet die Messen ab. Das Zeitgeschehen wurde aufgefangen in Werken wie „Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen", „Gegen die Welt", „Schläft ein Lied in allen Dingen" und „Niedertracht". Das Pendant zu der musikalischen Zugabe „Haifisch" lautete von Heinrich Steinfest „Die Haischwimmerin". Ein weiteres Buch behandelte das Thema, es gibt Menschen, für die eine Neujahrsnacht einmalig ist und für andere alltäglich.

DeLuca Eri: „Das Gewicht des Schmetterlings" scheint kurz und lesenswert zu sein.

Bravourös meisterte der Podiumsstar die bekannten Schwierigkeiten eines kabellosen Mikrophons. Bei der Technik sollte man eben immer eine Reserve parat haben.

Der Vortrag von Denis Scheck gehörte mit dem Ohrenschmaus des Quartetts Jasstango zu den Highlights der Bundesweiten Bibliothekswoche 2011. Er fand Freitag, den 28. Oktober statt.

©RMS-Scriptorin, alias: Rosa-Marita Schrouff.
 
 
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