Unternehmen, die wie selbstverständlich ihren Berichts- und Rechnungslegungspflichten nachzukommen haben, sollten ihrerseits darauf bestehen, dass auch Standorte ihnen von Zeit zu Zeit ihre fortbestehende Eignung in Form eines Rechenschaftsberichtes nachweisen. Eine mögliche Form hierfür könnte aus dem Konzept einer Standortbilanz abgeleitet werden.
Die Kommunalverwaltung mit ihren verschiedenen Funktionen der Wirtschaftsförderung wird im Normalfall immer darum bemüht sein, diesen Wünschen eines Gewerbesteuerzahlers zu entsprechen. Das Unternehmen muss aber genau prüfen, ob die ihm zur Verfügung gestellten Informationen auch wirklich alle erfolgsrelevanten Aspekte und Faktoren des Standortes abdecken, welche Informationslücken gegebenenfalls mit eigenen Aktivitäten zu schließen sind und ob es Hinweise gibt, die diesen Standort zwar grundsätzlich geeignet, im Vergleich dazu andere Standorte aber als noch besser geeignet erscheinen lassen. Hierbei spielt eine wesentliche Rolle, welche besonderen Geschäftsprozesse und Sachverhalte von Einzelfall zu Einzelfall die individuellen Standortanforderungen des Unternehmens bestimmen.
Vgl. hierzu Becker, Jörg: Die Vermessung der Standorte, ISBN 9783837067248
Vgl. hierzu Becker, Jörg: Strategischer Potential-Check des Standortes, ISBN 9783837049787Es reicht somit nicht aus, Standortbewertungen nur von anderen anfertigen zu lassen oder ausschließlich auf Standortinformationen und Monitore der hierfür zuständigen Stellen bzw. der Kommunalverwaltung zu schauen. Die Frage des Standortes ist zu wichtig, als dass ein Unternehmen auf eigene Bewertungen und Vermessungen der Standortfaktoren verzichten dürfte oder könnte. Letztlich entscheidet immer nur das eigene Urteil mit den hierfür detailliert und umfassend zugrunde gelegten Vermessungsdaten des Standortes. Dabei ist die Standortbilanz eine zentrale Studie, die eine ganzheitlich ausgerichtete Positionsbestimmung erlaubt.
Vgl. Becker, Jörg: Standortindikatoren I., ISBN 9783839118238Die Standortbilanz ist ein Instrument, mit dessen Hilfe der Standort eine
Schärfung seines Profils (sowohl in der Breite als auch in der Tiefe der Darstellung) im Wettbewerb um Investoren und Unternehmen bewirken kann. Die Standortbilanz funktioniert als
360-Grad-Radarschirm für verschiedene Beobachtungszwecke und -ebenen, mit dem insbesondere auch „weiche" Standortfaktoren umfassend identifiziert, differenziert abgebildet sowie systematisch bewertet werden können.Aus den Ergebnissen der Standortbilanz (beispielsweise einem Potenzial-Portfolio) kann der Standort für sich fundierte, abstimmungsfähige
Maßnahmen- und Handlungsempfehlungen ableiten. Die Standortbilanz unterstützt die Früherkennung künftiger Chancen und Risiken. Da eine reine Status-quo-Bewerbung auf Dauer nicht ausreicht, kann diese hinsichtlich
künftiger Perspektiven des Standortes erweitert werden. Die Standortbilanz ist auf einer auch in der Wirtschaft gängigen Systematik aufgebaut und kommt daher der
Denkweise von potenziellen Investoren entgegen. Die Standortbilanz kann als
breite Kommunikationsplattform für individuelle Entwicklungsmaßnahmen des Standortes eingesetzt werden.
Dipl.Kfm. Jörg Becker (www.beckinfo.de)