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Demografischer Wandel - Erfolge durch Ältere sichern

Autor: FSchulte1957 | Erstellt am: 09.07.2012 | Gelesen: 1492
Kategorie: Handel - Business & Wirtschaft | Bewertung: rateArateBrateBrateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Der Führungsstil ist bei älteren Arbeitnehmern besonders wichtig.

Thomas Schmidtke (Name geändert), ein 52-jähriger Mitarbeiter im kaufmännischen Bereich, arbeitet seit 25 Jahren im selben Unternehmen. Bis vor einem halben Jahr fühlte er sich leistungsfähig, belastbar und er ging mit Freude zur Arbeit. Inzwischen gab es im Betrieb strukturelle und personelle Veränderungen und er hat das Gefühl, dass seine Kompetenzen nicht mehr zählen. Seine Motivation sinkt kontinuierlich, weil er sich als älterer Arbeitnehmer zurückgesetzt fühlt.

Thomas Schmidtke bezieht die Veränderung seines Aufgabenbereiches auf sein Alter und spricht damit eine weit verbreitete Einstellung aus.

Gesellschaftliche Vorurteile unterstellen älteren Arbeitnehmern höhere Krankenstände, eine geringere Belastbarkeit, mangelnde Flexibilität und ein langsames Arbeitstempo.

Das Problem ist, ältere Arbeitnehmer verinnerlichen diese Vorurteile und dadurch kann es zu einer realen Kompetenzminderung kommen. Menschen, die davon überzeugt sind, aufgrund ihres Alters bestimmte Dinge nicht mehr tun zu können und es auch nicht mehr versuchen, bauen langfristig ab.

Das muss nicht so sein: In Kulturen, in denen Alter mit Weisheit und Erfahrungswissen gleichgesetzt wird, kommt es durch die entgegengebrachte Wertschätzung zu einer Steigerung der Fähigkeiten (Bosch-Stiftung, 2009).

Ein positives Beispiel für ein aktives Altwerden ist die von 1875 – 1997 lebende Französin Jeanne Calmont, die im Alter von 85 Jahren mit dem Fechten begann und mit 100 Jahren noch Fahrrad fuhr. Sie lebte bis zum Alter von 110 Jahren in ihrem eigenen Haushalt und versuchte, sich mit 117 Jahren das Rauchen abzugewöhnen. Es gelang erst, als sie zwei Jahre später erblindete und sich nicht mehr selbständig eine Zigarette anzünden konnte. Frau Calmont führte ihr hohes Alter auf den Genuss von Olivenöl, Knoblauch und Portwein zurück. Sie gilt als der Mensch, der weltweit das höchste Alter erreicht hat.

Potenzial wird gebraucht

Die Bevölkerung Deutschlands sinkt bis zum Jahr 2030 voraussichtlich um 5 Millionen Menschen. Geburtenstarke Jahrgänge wachsen aus dem Erwerbsalter heraus und die Altersgruppe der 20 – 65-Jährigen schrumpft um 7,5 Millionen Menschen. Aufgefangen wird diese Entwicklung zum Teil durch die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre.

Schon heute wird über Fachkräftemangel geklagt. Das Bundesarbeitsministerium hat ermittelt, dass die Quote der Erwerbstätigen im Alter von 60 – 64 Jahren 2010 auf 40,8 Prozent gestiegen ist (2009: 38,4 Prozent). Eine Ursache liegt im Wegfallen der Vorruhestandsregelungen, und es wird inzwischen von einem Aufbruch in eine altersgerechte Arbeitswelt gesprochen. Deutsche Unternehmen können nur konkurrenzfähig bleiben, wenn sie das Potenzial älterer Arbeitnehmer verstärkt nutzen.

Forschungsergebnisse

Wie steht es denn um die Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmern in der zweiten Lebenshälfte?

Der Alterungsprozess ist genetisch und somatisch bedingt, aber Lebens- und Arbeitsbedingungen können das Altern beschleunigen und im Idealfall sogar verzögern. Forschungen haben ergeben, dass es mehrheitlich keine Verschlechterung der Leistungsfähigkeit mit steigendem Lebensalter gibt.

Nur 10 Prozent der individuellen Unterschiede konnten darauf zurückgeführt werden (Aronsson/Kelbom, 2001).

Wenn es zu Leistungsminderungen kommt, sind diese auf Zeitdruck, fehlenden Tätigkeitsspielraum und mangelnde Lernangebote zurückzuführen und betreffen alle Arbeitnehmer. Die Leistungsabnahme ist also organisatorisch bedingt. Eine gesundheitsfördernde Arbeitsplatz-gestaltung hat deshalb eine hohe Bedeutung (Hacker, 2003).

Ermittelte Unterschiede im Leistungsvermögen Älterer finden sich bei der Stressbelastbarkeit, dem Ehrgeiz und der Schnelligkeit bei der Aufnahme neuer Informationen. Diese Faktoren werden durch eine hohe Loyalität, Erfahrungswissen und eine gute Arbeitsmoral sehr gut kompensiert.

Neuere Forschungsergebnisse belegen das Ansteigen der Produktivität eines Betriebes, wenn der Anteil der älteren Beschäftigten wächst. Sind Arbeitsplätze zudem altersgerecht, beträgt der Zuwachs 2 Prozent. (Fortschrittsreport „Altersgerechte Arbeitswelt" 2012)

Konsequenzen

Für die Sicherung von Unternehmenserfolgen ist die Weiterbildung aller Mitarbeiterein wichtiger Faktor. Ältere Arbeitnehmer sollten wie alle anderen an Fortbildungen teilhaben können.

Menschen lernen am leichtesten, wenn sie während ihres Arbeitslebens kontinuierlich die Möglichkeit zur Weiterbildung hatten und wenn Lerninhalte an ihrem Erfahrungswissen anknüpfen. Weitere förderliche Bedingungen sind Motivation und Begeisterung. Diese Haltungen können durch die Wertschätzung, die ein Mensch am Arbeitsplatz erfährt, entstehen.

Der renommierte Gehirnforscher Gerald Hüther (2009) dazu: „Begeisterung ist Doping für Geist und Gehirn". Fazit: Ein begeisterter Mitarbeiter ist motiviert, leistungsfähig, identifiziert sich mit seinem Unternehmen und seinen Aufgaben und wird seltener krank.

Einer repräsentativen Umfragezufolge steht für die Deutschen und ihre Zufriedenheit im Job das Arbeitsklima an erster Stelle, gefolgt von „eigenen Aufgaben" (TNS Emnid 2012).

Das Arbeitsklima wird maßgeblich durch die Unternehmenskultur und den Führungsstil geprägt.

Die Forscher Ilmarinen und Tempel haben in ihrem Buch „Arbeitsfähigkeit 2010" über eine über 11 Jahre stattfindende Längsschnittstudie berichtet. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass gutes Führungsverhalten der einzige hochsignifikante Faktor ist, für den eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zwischen dem 51. Und 62. Lebensjahr nachgewiesen wurde.

Ein Zitat dazu: „Fehlende Wertschätzung durch den unmittelbaren Vorgesetzten erschwert es älteren Arbeitnehmern erheblich, an ihr eigenes Potenzial und die Qualität ihrer Arbeit zu glauben." (2002). Sie stellten fest, das Bedürfnis nach Anerkennung nimmt mit steigendem Alter zu.

Wertschätzung drückt sich dadurch aus, dass Mitarbeitern Kompetenz zugesprochen wird. Sie bearbeiten ihre Aufgaben selbständig und eigenverantwortlich. Transparenz bei Unternehmenszielen und Erfolgen und dem Anteil der Mitarbeiter daran, fördert die Corporate Identity. Der Vorgesetzte steht im persönlichen Kontakt zu seinen Mitarbeitern.

Mitarbeiter, die keine Wertschätzung erfahren, bekommen Angst Fehler zu machen. Dadurch geraten sie in Stress und eine Erhöhung des Krankenstandes ist wahrscheinlich.

Forderungen an die gesellschaftliche Entwicklung

Das Bild vom Altern muss sich im Interesse Aller wandeln. Das Potenzial älterer Arbeitnehmer ist eine wertvolle Ressource beim demografischen Wandel.

Menschen in der zweiten Lebenshälfte sollten sich ihres eigenen Wertes bewusst sein und damit dazu beitragen, das Bild vom Älterwerden in der Öffentlichkeit positiv zu verändern. Erste Ansätze gibt es schon.

Die Aufgabe von Unternehmen ist eine betriebliche Gesundheitsförderung, die einen altersgerechten Arbeitseinsatz und den Abbau arbeitsbedingter Belastungen beinhaltet. Die Kompetenzen aller Arbeitnehmer sollten genutzt werden, in altersgemischten Teams erfolgt ein Wissensaustausch und alle Mitarbeiter profitieren voneinander.

Führungskräfte haben durch den Wegfall der Vorruhestandsregelungen schon jetzt verstärkt mit älteren Mitarbeitern zu tun. Sie müssen neben fachlichen Qualifikationen über soziale Kompetenzen verfügen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Ein Betriebsklima, in dem Fehler gemacht werden dürfen, fördert den Zusammenhalt und die Belastbarkeit aller.

Nach Matyssek, (2010) sollten Führungskräfte ihre eigene Einstellung zum Älterwerden reflektieren und ihre Stressbelastbarkeit stärken, um ihre vielfältigen Aufgaben positiv zu bewältigen. Führungskräftetrainings zur Stressbewältigung und zur wertschätzenden motivierenden Mitarbeiterführung können sie dabei unterstützen.

…Thomas Schmidtke konnte seine Situation positiv verändern. Er wurde von seinem Arzt ermutigt, mit seinem Vorgesetzten über seine Unzufriedenheit zu sprechen und er war erfolgreich: Ihm wurden verantwortungsvollere Aufgaben übertragen, außerdem fungiert er als Mentor für jüngere Kollegen.

Der Artikel wurde von Frauke Schulte verfasst.

(Für die bessere Lesbarkeit wurde die geschlechtsneutrale Form genutzt. Der Artikel bezieht sich selbstverständlich auf Frauen und Männer.)

Weiterführende Literatur/Links

Hüther, Gerald: Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn, Göttingen 2009
Spitzer, Manfred: Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens
Ilmarinen, Juhani und Tempel ,Jürgen: Arbeitsfähigkeit 2010, Hamburg 2002
Matyssek; Anne Katrin: Gesund führen sich und andere, Norderstedt 2011
Matyssek; Anne Katrin: Gesund führen- Das Handbuch für schwierige Situationen; Norderstedt 2010

Veröffentlichungen:
ILG Institut Leistung, Arbeit, Gesundheit: Arbeit und Demografie
Statistische Ämter des Bundes und der Länder: Demografischer Wandel in Deutschland, 2011
Bosch-Stiftung: Altersbilder in anderen Kulturen, 2009

Vorträge:
Hacker, Winfried: Leistungsfähigkeit und Alter; TU Dresden 2003
Hüther, Gerald: Ohne Gefühl geht gar nichts, Freiburg 2009

Links:
Matyssek, Anne Katrin: www.do-care.de
Besser-Siegmund, Cora; Siegmund, Harry-Institut: www.wingwave.com

 
 
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