Andenken an die Verfogung: Glimmerbrocken aus Theresienstadt
Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 begann für viele Bremer ein Martyrium, das ihnen den Beruf, soziale Bezüge, Gesundheit und in den schlimmsten Fällen das Leben kostete. Betroffen waren vor allem Bürger Jüdischer Herkunft, politisch Andersdenkende, Zigeuner und Homosexuelle. Noch im Februar 1945 rollte ein Zug mit 88 Juden nach Theresienstadt um Bremen „judenfrei" zu machen. Anhand von persönlichen Schicksalen einzelner Personen und Familien aus dem Stadtteil Horn-Lehe will Michael Koppel dem Unrecht ein Gesicht geben.
Zu den politisch verfolgten zählen Heinrich Gefken, der am 20.März 1933 als Bürgermeister der Gemeinde Lehesterdeich seines Amtes enthoben wurde, die Lehrerin Magdalene Thimme die 1938 zwangspensioniert wurde, die Sozialarbeiterin Maria Krüger, geb. Fraedrich, die aus politischen Gründen ihren Beruf verlor und 1942 inhaftiert wurde.
Der Ingenieur Willy Frensdorff wurde 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft inhaftiert und hatte 1939 noch das Glück nach Singapur auswandern zu können. Otto P, Erika B., Dr. Kurt J., Richard C., Johanna R. und Walter Perlstein wurden, wie weitere Horner Einwohner, zwischen 1933 und 1945 inhaftiert und in Konzentrationslager überführt.
Erika B. gehörte zu den 88 Juden, die am 13 Februar 1945 nach Theresienstadt deportiert wurden. Auf einzelnen Kalenderzetteln hatte sie die Stationen der 11-tägigen Zugfahrt im Viehwaggon ohne sanitäre Anlagen notiert. In Theresienstadt wurde sie in der Glimmerproduktion eingesetzt. Mit einer Nagelfeile musste sie Gesteinsblöcke zu Plättchen aufspalten, die für Produktion kriegswichtiger elektrischer Bauteile benötigt wurden. So sollte sie in den letzten Kriegstagen dazu beitragen die Kriegswende herbeizuführen. Sie floh, wenige Tage bevor das Konzentrationslager von der Roten Armee befreit wurde. Im Gepäck als Erinnerungsstücke ihre Nagelfeile und Glimmerbrocken, die heute von ihrer Tochter als Andenken verwart werden.
65 Jahre nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft ist es schwer die Spuren der Verfolgten aufzunehmen und zu folgen. Viele Spuren verlaufen im Sand. Die unmittelbaren Opfer sind, sofern sie den Terror des 3. Reiches überlebten, inzwischen verstorben. Die Nachkommen sind mit unbekannter Adresse verzogen und oftmals nicht mehr aufzufinden. Durch Literaturstudium und Hinweisen von Nachbarn und Bekannten der Opfer gelang es dennoch einen Teil der Leidensgeschichten zu rekonstruieren und zwei der Nachkommen, die als Kinder selbst die Verfolgung miterlebt haben, aufzuspüren. Einer von ihnen wird auf der Veranstaltung über die Geschichte der Verfolgung seiner Familie berichten.
Die Veranstaltung findet statt am Donnerstag den 3. Dezember um 18:30 im Ortsamt Horn-Lehe Berckstraße 10, Näheres unter Tel.: 23 77 29 und unter
www.chronik-horn-lehe.de.