Data Mining zur Informationsgewinnung
Als Information gilt immer nur das, was Entscheider brauchen, um handeln zu können: die aus dem Datenverarbeitungssystem gewonnenen Informationen stellen oft nur wenige Prozent des geschäftsspezifischen Wissens dar. D.h. Speichern von Informationen, das durch die technischen Quantensprünge unglaubliche Dimensionen angenommen hat, sollte nicht mit ihrer Verarbeitung gleichgesetzt werden.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass eine Finanz- und Wirtschaftskrise ausgerechnet im Zeitalter des Internets stattfindet. D.h. dem Zeitalter der unbegrenzten Daten- und Informationsfülle, dem Zeitalter der weltweit möglichen Daten- und Informationsabrufe. Die Fähigkeiten, Daten und Informationen zu Wissen verarbeiten zu können, haben mit der weltweiten Vernetzung offenbar nicht immer Schritt halten können. Im Gegenteil: An manchen Stellen scheint der Blick für das Wesentliche verlorengegangen zu sein. Für einen Betrachter stellt sich manchmal die Frage, ob alle Informationen letztlich zu Wissen geformt werden und ob dieses Wissen allen bekannten Anforderungen genügen kann? An dieser Stelle könnte man jetzt leicht ins Stocken geraten: welches Wissen ist gemeint ? was ist und bedeutet überhaupt Wissen ? welches Wissen wird gebraucht ? wie kann Wissen dorthin gebracht werden, wo es gebraucht wird ? in welcher Form kann Wissen gelagert und übertragen werden ? Vgl. hierzu Becker, Jörg: Data Mining als Wissensbilanz-Zubringer – Fragen und Rückbesinnung in der Krise, 2009; ISBN 978 3 8370 2163 9.
Durch die technischen Möglichkeiten begünstigt wird ein oft zu hoher Detaillierungsgrad verfolgt, der die personellen Informationskapazitäten überbeansprucht und damit Lernprozesse und Kreativität hemmt. Dies führt zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass auch eine menschlich machbare Verwertbarkeit der Datenflut gewährleistet sein muss. Denn Datenmüll, ungenaue oder inkonsistente Daten werden auch immer nur falsche Informationen liefern. Diese wiederum würden mehr oder weniger zwangsläufig falsche Entscheidungen verursachen. Von einer Informationsverarbeitung in diesem Sinne wird deshalb besonders die Entwicklung von Filter- und Selektionsfunktionen zu erwarten sein, damit die Zunahme der Informationsschwemme nicht zu isolierter Kompliziertheit, sondern statt dessen zu entscheidungsrelevanten Informationen führt.
Während alle Erklärungsversuche der -hoffentlich hinter uns liegenden- Wirtschafts- und Finanzkrise immer nur mehr oder weniger große Teilstücke aber nie das Ganze zu erfassen schienen, könnte ein weiteres Nachdenken an dieser Übergangs- und Bruchlinie zwischen Informationen zu Wissen vielleicht einen Versuch wert sein. Zudem würde vieles dieser immer noch nicht völlig verstandenen Krise in einem versöhnlicheren Licht erscheinen, wenn es sich als Mangel an Wissen nachvollziehen ließe.
Dipl.Kfm. Jörg Becker (www.beckinfo.de)