Rainer Sauer Autor von Deus Homo / Du und Ich / Du und Ich II / MeditationMeditation ist für mich ein Betrachten der inneren und äußeren Welt. Es ist sowohl ein Wahrnehmen der grob- und feinstofflichen Phänomene, des Alltäglichen sowie des Wundersamen. Als auch ein Anblicken und inneres Erfahren des Daseins aller bestehenden und scheinbar nicht bestehenden Erscheinungen. Ein Schauen, das uns proportional zur Langsamkeit, zur inneren Ruhe, in der wir uns während der Meditation befinden, ein Fenster zur Ewigkeit öffnet, welches alles scheinbar voneinander Getrennte wiedervereinigt. Eben in dem Maße wie wir der Langsamkeit begegnen und ihr möglicherweise bis hin zum unbedingten Stillstand aller linearen Gezeiten folgen, wird sich uns dann das ultimative Zeitfenster öffnen, in dem wir, ist es erst einmal ganz offen, Ewigkeit und absolute Gleichzeitigkeit antreffen. Und wir werden sodann auch eine Rückangliederung an den Ur-Quell allen Lebens und Wissens und Anbindung an den Ursprung von allem Bestehenden erfahren.
In der Langsamkeit haben wir Berührung mit der Ewigkeit, insofern können wir sagen: in der Ruhe nähern wir uns der Einheit. Und um so schneller wir durch die Zeit wandeln oder gar durch die Zeit fliehen, um so grobkörniger gestaltet sich unsere Meditation bzw. um so materialistischer wird unsere
Wahrnehmung der Welt, und ihre Erscheinungen und wir begeben uns somit in die illusorische Welt der Trennung. Meditation ist also Wahrnehmung, die eigentlich für uns als grundlegend wahrnehmende Wesen stets stattfindet und die sich nur durch die differenzierte Spezifikation des Wahrgenommenen unterscheidet. Manchmal sehen wir eben die Begrenzung und manchmal die Unendlichkeit. Manches Mal sind wir von der Ewigkeit fasziniert und ein anderes Mal vom Moment gefangen. Wir begegnen Licht und Schatten, wir erfahren Liebe und Angst, Einheit und Individualität und sehen in dieser kontinuierlich bestehenden Daseins-Meditation wie alles wird und wieder vergeht. Wie wir das von uns Betrachtete nun gegebenenfalls wahrnehmen, ist vor allem abhängig von unserer Lebens-Geschwindigkeit, ist vor allem bestimmt durch unser Lebens-Tempo, welches unsere geschauten Bilder individuell koloriert. Mit anderen Worten, das Leben an sich ist Meditation. Wir befinden uns in einer lebenslangen Meditation, welche uns sowohl Einblicke in die Dualität als auch in die Einheit gewährt. Meditation ist Leben, ist Augenblick, ist eine Wahrnehmungs-Facette der Ewigkeit.
Wir meditieren über das Leben, indem wir als wahrnehmende spirituelle Wesenheiten die Landschaft der temporären Illusion, also die Natur, den Lebensraum des scheinbaren Getrenntseins bereisen. Und dabei auch gelegentlich, falls wir die Langsamkeit entdecken, Einblicke in die Natur der ewigen Realität des Einsseins bekommen. Wir begegnen somit sowohl Materiellem als auch Nicht-Materiellem auf unserer meditativen Reise, und unsere Reisegeschwindigkeit bestimmt somit unsere Blickrichtung als auch unsere Wahrnehmungsqualität. Um so beschäftigter wir agieren, je schneller und rastloser wir in unserem Bewußtsein sind und uns auf diese rasche Weise durch das Raum- und Zeit-Gefüge bewegen, desto grobstofflicher ist unsere Wahrnehmung dieses Gefüges. Das Raum-Zeit-Gefüge beschränkt sich somit zunehmend darauf, uns hauptsächlich sein Gesicht des linearen und dualen. Das eins zuzuwenden, und das, was wir nun erblicken, ist selbstverständlich auch eher eine grobstoffliche Manifestation, der materielle Ausdruck dessen. Es ist das Irdische, das Grobstoffliche, was wir dann vor allem sehen.
Das scheinbar Feste und Unbewegliche, welches wir in Form eines Berges, Baumes oder auch als Mensch, Tier oder eines beliebigen Gegenstandes, also als manifeste Gestaltung wahrnehmen. Wenn wir ruhiger werden und dadurch in der Langsamkeit ankommen, verlassen wir nun die lineare, unsere klar umrissene, definitive und begrenzende Art der Wahrnehmung. Und wir öffnen uns für das Schauen, welches feinstofflicher, mehr geistiger Natur ist. Unsere Sichtweise verändert sich dann vielleicht dahingehend, daß wir nun auch das Nicht-Materielle als existent erfassen können. Wir hören und sehen dann vielleicht plötzlich mit unserem inneren Ohr, mit unserem inneren Auge, und wir nehmen dann Dinge wahr, welche uns zuvor verborgen waren. Möglicherweise sehen wir Ereignisse, die nicht an dem Ort stattfinden, an welchem wir uns gerade befinden und nicht zu jener Zeit existieren, in der wir in diesem Augenblick sind. Mit anderen Worten, wir sehen möglicherweise Dinge, die an einem anderen Ort des Planeten geschehen oder sogar an einem anderen Platz des Universums, in einer anderen Zeit stattfinden werden oder schon geschehen sind. Dinge, die sich in unserer linearen Vorstellung von Zeit in der Zukunft abspielen oder in der scheinbaren Vergangenheit schon bereits passiert sind.
Wir entdecken unsere Intuition, unseren Zugang zum Urwissen über Dinge, von denen wir zuvor nicht einmal eine Ahnung hatten, daß es sie gibt. Wir sehen möglicherweise Ereignisse aus der scheinbaren Vergangenheit oder der scheinbaren Zukunft, oder wir können weitere energetische Phänomene erleben wie z. B. die Aura eines Körpers zu sehen oder auch den energetischen inneren Aufbau eines Stoffes auf atomarer oder molekularer Ebene wahrzunehmen. Es wird uns sodann möglich, hinter die scheinbare Festigkeit und Undurchlässigkeit der Dinge zu blicken, eben den sich immer in Bewegung befindlichen Energiefluß zu schauen. Unsere materielle Sichtweise löst sich somit mit Langsamkeit auf, um einer spirituellen Sichtweise Platz einzuräumen. Es eröffnet sich dann eine Unendlichkeit und Vielfalt der Wahrnehmungsqualität für uns, was natürlich nicht heißt, daß jeder genau diese Dinge sieht, die ich gerade erwähnte. Sondern daß man sie vielleicht sieht, vielleicht aber auch nicht, aber das sicherlich derer Ähnliches in individueller und grenzenloser Vielfalt für uns potentiell möglich ist. Das heißt, die generelle Einheits-Erfahrung wird uns wohl sicherlich viel wahrscheinlicher in Richtung Langsamkeit kundig und anteilig werden, und die Annahme ist berechtigt, daß wir diese Wahrscheinlichkeit mit zunehmender Lebensgeschwindigkeit dezimieren. Der Zustand der Meditation ist also ein konstanter Aspekt unseres Bewußtseins und nur das Tempo, in welchem wir uns währenddessen befinden, bestimmt die Verschiedenheit des Meditations-Gegenstandes und unsere jeweilige Erfahrung von der Trennung oder der Verbundenheit als solches. Meditation ist beständiges Betrachten und ereignet sich als solches immerwährend. Die Ruhe oder die übersteigerte Betriebsamkeit, in der sich unser Bewußtseinzustand befindet, nimmt unmittelbaren Einfluß auf das von uns Wahrgenommene.
Wenn wir uns und unseren Gefühlen begegnen wollen, wir also den Dingen in uns und um uns näher kommen wollen, ist eine Geschwindigkeits-Reduzierung unbedingt erforderlich. Falls wir uns von der Wahrnehmung des Getrenntseins in Richtung Einheits-Erfahrung bewegen wollen, ist es empfehlenswert, daß wir in der Ruhe ankommen und uns der Langsamkeit und deren Beschaulichkeit widmen. Dies können wir uns in Praktiken aneignen, die wir Meditations-Übung nennen und die wir als eine Übung betrachten sollten, welche uns erlaubt, die uns angeeignete meditierende Haltung in unser Leben zu integrieren. Nämlich das Leben als Meditation zu verstehen, als Betrachtungsstudie Gottes, welcher sich gerne selbst anschaut und studiert. Bei meinen Gruppen und Seminaren betone ich da meist speziell unsere grundsätzliche Freiheit, eine Meditations-Übung so gestalten zu dürfen, wie die jeweilige Person es sich für sich wünscht. Das Individuelle zu fördern, ist für mich hier ein äußerst wichtiger Punkt. Und damit meine ich: für jeden muß gewährleistet sein, seine ganz ureigene Art und Weise der Meditationsform suchen und finden zu dürfen. Also obliegt auch der Weg dorthin und wie wir ihn beschreiten absolut der freien Entscheidung des einzelnen. Wir haben das Geburtsrecht, unser Leben, unsere Meditation uneingeschränkt selbst zu gestalten. Und das beginnt meist damit, daß wir erst mal die in uns und um uns bestehenden Schablonen, die starren Bilder, wie eine „richtige Meditation" auszusehen hat und wie sie sein muß, entdecken und sie neutralisieren. Ich gebe da die Empfehlung, einfach grundsätzlich all die Vorstellungen, die wir diesbezüglich in uns tragen, aufzurufen. Um dann das ‚aufrechte Sitzen', das ‚Ego verlieren', der ‚Lotus-Sitz', ‚frei von Gedanken werden', das ‚Unterdrücken von Gefühlen' und all die anderen Körper- und Geistes-Haltungen, die angeblich zu einer „korrekten" Ausführung der Meditation gehören, als von jemandem anderen empfohlen, eben als nicht unser eigenes zu erkennen. Um uns dann unserer Freiheit zu erinnern, daß wir ein vielleicht hierbei bestehendes „Ich muß es auf diese Weise tun." eliminieren können, um es mit einem „Ich darf meine ganz eigene Art und Weise der Meditation erforschen." auszutauschen.
Und da das Ganze ein Entwicklungs-Prozeß, eine Reise ist, wird sich das von uns entdeckte Eigene in der steten immer wieder neuen Erfahrung selbst-regulierend vervollkommnen. Natürlich können wir auch die herkömmlichen Bilder für uns nutzen und mit ihnen experimentieren, da es ja nicht darum geht, diese vorgegebenen Bilder grundsätzlich zu negativieren, sondern, daß wir Sensibilität dafür entwickeln, ein potentiell existierendes „Muß" zu entdecken. Wenn wir z. B. das aufrechte Sitzen studieren möchten oder was immer wir auch ausprobieren wollen, um damit unsere eigene Erfahrung zu machen, ist es sicherlich empfehlenswert, hierbei vorher festzustellen, ob wir es aus einem Ich muß oder einem Ich darf heraus praktizieren möchten, es ist also angeraten zu überprüfen, was unsere antreibende unterliegende Motivation ist. Es mir zu erlauben ist da für meine Selbstfindung bestimmt eher konstruktiv als es zu müssen. Wir können sicherlich aber auch ohne vorheriges Überprüfen unserer Motivation direkt in das Praktizieren gehen und werden dann eben vielleicht während der Meditation Einsicht über die uns antreibenden Kräfte bekommen. Wenn wir bereit sind, Information aufzunehmen, ist es eigentlich egal, in welche Richtung wir uns bewegen, unser Herz wird in jedem Fall zu uns sprechen.
Der nächste wichtige Punkt ist, daß wir eine gewisse Vorsicht walten lassen sollten, daß wir uns nicht etwa unter Druck setzen lassen von den Bildern und Vorstellungen, welche wir davon haben, wie Meditation inhaltlich auszusehen hat. Mit anderen Worten, dem Erfüllungszwang der Vorgaben erliegen, welche uns anraten, was wir während des Meditierens zu erleben, zu visualisieren haben, um sicherzustellen, daß es auch eine anerkannte
Meditations-Erfahrung wird. Ich beobachte hierbei häufig, daß eine sogenannte Berührung mit unserem göttlichen Selbst als absolut erstrebenswert und als klares Bild des Erfolges gesehen wird. Und ein „Ich habe nichts besonderes gespürt, ich konnte gar nicht richtig zur Ruhe finden" als wiederum minderwertig eingestuft wird. Und dadurch selbstverständlich ein unfreies, ein eher ängstliches sich Hineinbegeben gefördert wird, was eine nicht gerade dem Offensein an sich unterstützende Grund-Spannung erzeugt. Meiner Ansicht nach ist es am günstigsten, wenn wir „o. k." mit uns sind und mit all dem, was um uns herum passiert, also uns sowohl frei von Erwartung als auch frei von inneren und äußerem Druck dem gegenwärtigen Moment hingeben können. Wenn also größtmöglichst gewährleistet ist, daß wir es uns erlauben, ohne irgendein „Muß" im Hier und Jetzt ankommen zu dürfen und uns einfach zugestehen, so zu sein, wie wir nun mal in diesem Moment, in diesem Körper, auf dieser Erde sind, ist dies wohl das, was wir „normalerweise" als Selbst-Annahme und ‚die Welt zu ihren Bedingungen annehmen' verstehen. Diesbezüglich erinnere ich dann auch noch gerne daran, daß es uneingeschränkt in Ordnung ist, Gefühle jeglicher Art zu haben, Gedanken nicht verdrängen zu müssen und es letztendlich nicht einmal etwas Schlimmes ist, wenn man dabei einschlafen muß. Daß alle Erfahrung grundsätzlich nutzbare Information in sich birgt, welche wir für unsere Selbst-Erkenntnis positiv verwerten können. Und daß es sich vor allem in