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Das Geschlecht Gottes - Rainer Sauer/Deushomo

Autor: revhoros | Erstellt am: 21.12.2010 | Gelesen: 328
Kategorie: Geschichten & Anekdoten | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Gott in ein einziges Geschlecht zu zwängen,sei es in ein männliches oder weibliches, sprich ihn als Gott,oder sie als Göttin zu bezeichnen, macht etwas großes unnötigerweise kleiner als es ist.

Rainer Sauer/Autor
Rainer Sauer/Autor
Dies ist eines meiner „Lieblings Themen", und es ist bestimmt nicht übertrieben, wenn ich behaupte, daß die Auseinandersetzung mit dieser Thematik die mitunter radikalste Veränderung in meinem Leben und in meinem individuellen so Sein mit sich brachte. Meine persönliche Auseinandersetzung mit dem Göttlichen ist hierbei vor alledem dadurch geprägt, daß ich Berührung aufgenommen habe mit der Essenz des Gött­lichen, also Kontakt mit meinem Höheren Selbst kultivierte. Eben eine Identifikation mit dem Göttlichen und der daraus resultierenden Wahr­haftigkeit erlebte, die offensichtlich der Schlüssel zu dem uns immer offenstehenden Himmelreich ist.

Als erstes möchte ich definieren, was das Wort Gott für mich be­deutet bzw. was es nicht für mich bedeutet. Da fängt natürlich die Schwierigkeit schon an, denn eigentlich bin ich der Auffassung, daß Gott eine nicht zu definierende Größe ist und prinzipiell nicht einmal annä­hernd vom menschlichen Verstand erfassbar ist. Daß wir also nicht ein­mal in unserer ausgedehntesten Vorstellungskraft eine Ahnung davon besitzen können, was das Phänomen Gott als solches wirklich ist. Eine grobe, richtungsweisende Umschreibung, was Gott sein könnte und dies einhergehend mit den beengenden Bildern, was Gott keinesfalls ist, müßte also genügen, um uns einem realistischen unbestimmten Bild von Gott anzunähern. So dürfte es uns möglich sein, eine zarte unbestimmte Ah­nung von einem Phänomen zu bekommen, was seit Jahrtausenden in aller Munde ist, ob verneint oder bejaht, nichtsdestotrotz immerfort Thema Nr. 1 war und ist und aller Wahrscheinlichkeit nach auch zukünftig sein wird.

Wenn wir also davon ausgehen, daß es nichts anderes gibt als Gott, und dies ist meine ureigene innere Erfahrung, eine Arbeitsgrundlage, wel­che ich hierbei für den vernünftigen Umgang mit der Thematik vor­aus­setze, ergibt es sich von selbst, daß einige Definitionen schon relativ klar bestimmt sind, aber diese nicht als dogmatisch zu betrachten sind, son­dern eher als Eckpfeiler, welche uns ein anzunehmendes fiktives Bild der Annäherung in ihrer Mitte projizieren lassen, welchem wir aber kei­nes­wegs erlauben dürfen, zu einem starren, ultimativen Bild der Begren­zung zu werden. Existiert also nichts außer oder neben Gott, bedeutet dies, daß alles Gott ist, daß Gott in allem ist oder zumindest daß alles aus Gott heraus geboren ist. Wenn wir weiterhin davon ausgehen, daß Gott Liebe ist, und ich meine Liebe weitaus bedingungsloser als wir uns die kost­barste und bedingungsloseste Liebe in menschlichen Maßstäben nur vor­stellen können, jedoch nicht ansatzweise leben oder erleben können, dann kann man nur zu dem Rückschluß gelangen, daß sein angeblicher Widersacher, nämlich der Teufel sowie der Tod, das Böse, Krankheit und all die anderen sogenannten negativen Pole der Dualität nie außer eben in unserer Wahrnehmung existiert haben. Oder daß sie, anders formuliert, auch aus Gott heraus geboren wurden, also auch göttliche Existenz Berechtigung besitzen, wie auch alles andere, was wir unschwer als gottes gebürtig akzeptieren können.

Somit erübrigt sich auch die Frage, ob Gott nun weiblich oder männlich ist, ob wir nun das höchste im Universum existierende göttliche Prinzip mit Göttin, Gott oder in sonstiger ungeschlechtlicher Weise anre­den sollen. Diese Definitionen ergeben sich doch wohl allzu leicht zu erkennen als aus unserer irdisch begrenzten dualen Sichtweise erwachsen und schließen unglücklicherweise jeweils bei Anerkennung der einen Seite die jeweils andere Seite aus. Hier geraten wir schnell in die Versu­chung, uns ein klares, festes Bild von Gott machen zu müssen, um dieses dann gegenüber anderen zu verteidigen, welche sich auch ein klares, eigenes Bild geschaffen haben. Und wir haben im Nu einen Glaubens­krieg im Gange, der meiner Ansicht nach keine Versöhnung, kein Friede und schon gar nicht Gottesnähe verspricht. Da wir, um in Harmonie und im Einklang mit allem zu sein, aber doch beide Seiten, beide Pole der Dualität brauchen, also Versöhnung notwendig ist, ergibt sich von selbst, daß weder das Erhöhen des männlichen Prinzips noch des weiblichen eine Lösung sein kann. Wenn überhaupt die Notwendigkeit besteht zu definie­ren, wenn wir denn unbedingt unsere begrenzten menschlichen Maßstäbe auch hier anlegen müssen, bietet sich im Zweifelsfalle vielleicht gerade noch eine „sächliche", geschlechtslose oder eine beider geschlechtliche Definition an. Was mir zumindest als eine Annäherungsbewegung er­scheint, also in die mutmaßlich richtige Richtung weist. Aber bei nähe­rem Hinschauen ist es wohl doch eher ratsam, jeglichen Versuch einzu­stellen, das göttliche Prinzip zu definieren, einzuordnen, in ein Schema oder Bild einzupassen, also uns einer definitiven Einengung zu enthalten. Da mit der Dogmatisierung letztendlich unsere Möglichkeit, als Indivi­duum das Göttliche an sich zu erfahren, auf ein Minimum reduziert wird, wenn nicht sogar gerade eben dadurch unmöglich gemacht wird.

Um Gott zu erfahren, um dem göttlichen Prinzip wahrhaft zu be­gegnen, ist ein Loslösen von allen beengenden Bildern vonnöten, eine Hingabe, welche ohne Erwartung der Offenbarung Gottes entgegen­strebt. Und auch wenn es uns schwerfällt, dies zu akzeptieren, es steht uns zu jedem Zeitpunkt alles zur Verfügung, was wir für eine Gottes Erfahrung brauchen, und insbesondere irdische Bedingungen sind alle diesbezüglich uneingeschränkt förderlich. In irdischen Bedingungen, welche auf Dualität und Begrenzung aufgebaut sind, erleben wir eine Realität, welche gut und böse, Gesundheit und Krankheit, Leben und Tod erfahrbar macht, dies sind zwar allerdings keine Attribute Gottes, aber die Polaritäten erlauben uns, „in ihrer Mitte" unsere Mitte zu finden und somit Gott zu begegnen. Gott ist weder materiell, stofflich, begrenzt, dual, sterblich noch ein Teil von einem größeren Ganzen, was dann sozu­sagen wiederum dem vermeintlichen Gegenspieler berechtigte Existenz einräumen würde. Aber wir können ihn dennoch in allem Materiellen und Nicht Materiellen bewußt erfahren. Gott ist unendlich immerwährend und überall, es existiert nichts anderes als Gott.

Seit dieses Wissen, diese alles durchdringende Weisheit mein Er­leben, mein Wahrnehmen, mein Sein durchdringt, ist eine Freiheit für mich erfahrbar, welche unbeschreiblich ist, ja wo sogar das Wort Freiheit als solches eigentlich nicht mehr anwendbar ist. Wie ich weiter oben schon erwähnte, ist es die radikalste Veränderung, die ich in diesem Le­ben erfuhr, als ich realisierte, oder besser gesagt als ich plötzlich in die Welt hinausschaute und wirklich nichts anderes sah als die Präsenz von „Gott, den Göttern und den Göttinnen". Und ich spreche hier natürlich nicht von einer Theorie, die ich für mich als wahrscheinlich oder richtig annehmen konnte und ich im Sinne einer Lebensphilosophie dann oberflächlich nach außen hin vertrat, also mein unbeschreibliches Sehnen nach innerem Frieden mit einem neuen, einem weiteren äußeren Glauben, einer Vermutung, einer weiteren „bloßen" Theorie besänftigen ließ. Dies war es wirklich das erste Mal in meinem Leben nicht, denn darin liegt, und dies spüren wir alle auf einer gewissen Ebene, kein Frie­den, kein Segen oder Glückseligkeit begründet, denn wahre Veränderung findet hierbei nicht statt. Dieses Mal ereignete sich offenkundig etwas anderes, denn die Welt, ich selbst und eigentlich alles andere auch hatte sich plötzlich für mich verwandelt. Wovon ich spreche, ist eine alles verändernde Bewußtseins-Erfahrung, an welcher ich teilnahm, ein Erle­ben mit allen Sinnen, ein objektives Sehen, Kommunizieren und wenn auch menschlich begrenztes Sein mit Gott.

Seit diesen Ereignissen ist mir stets bewußt, daß eine Definition, ein Wort, ein Begriff unmöglich beschreiben kann, was ich in diesem Einssein mit allem, in dieser Identifikation mit Gott erfuhr. Und es fällt mir immer wieder aufs neue schwer, dieses unglaubliche Phänomen mit den Worten Gott, Höhere Macht, Göttliches Prinzip, Schöpfung oder auch universelle Energie zu benennen, da selbstverständlich ein Mißverständ­nis vorprogrammiert ist, da keines der Wörter wirklich das beschreibt, was ich eigentlich beschreiben will. Sogar Wörter ein manches Mal Ge­dankengut vermitteln, welches ich eigentlich in diesem Zusammenhang tunlichst vermeiden wollte. Gedankengut, welches die Personifizierung, die Vermenschlichung Gottes vorsieht, bei der wir uns allzu gerne einen tyrannischen strafenden Gott in un menschlichen Kategorien denkend und handelnd vorzustellen vermögen oder ihm auch „Gottesgesetze" andich­ten, die nicht einmal einem gerechtigkeits empfindenden Menschen wür­dig wären. Uns also Bilder von dem Phänomen Gott machen, welche alle aus menschlich begrenzter Auffassungsgabe erwuchsen, aber keiner­lei tatsächlicher Relevanz besitzen. Daher ziehe ich der verbalen Kommunikation, auch wenn ich mich äußerst gerne mit ihr befasse, eine Kommunikation der Herzen vor, da hier wortloses Verständnis möglich ist. Ein Verständnis, welches weit über unsere Begrifflichkeit hinaus geht und welches der göttlichen Präsenz, wohl großzügiger Anschauungs-Raum zur Selbstdarstellung zu Verfügung stellen kann. Da es keine Realität gibt als diejenige Gottes, also alles Gott ist, müssen wir eben den Raum auch für „alles" öffnen, damit sich Gott adäquat und an­gemessen darin offenbaren kann.

 
 
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