AE.Untiet - Projektidee ArtCenterHamburg! (ACH!)
Es ist schon interessant, was alles so passiert, wenn eine Gruppe von 200 Künstlern eine Aktion starten. Fand man noch letztes Jahr im Juni außer diverser Negativ-Pressemeldungen nichts im Internet, füllt es sich dieses Jahr stetig mehr. Neben Aktionsgruppen, wie „Kommt in die Gänge" und dem uns bislang unbekannten Kunstverein vor Ort sind plötzlich alle heiß auf dieses doch eigentlich – wollen wir mal ehrlich sein – zum weitestgehenden Abriß (80 % durch Hanzevast) freigegebenen Stück Hamburg.
Rückblick: In einem anderen Artikel beschrieben wir bereits, wie wir die „Ecke" entdeckten und uns Gedanken gemacht haben, was man nur aus dieser Fabrik im Hinterhof machen könnte. Wir nannten unser Projekt ACH (ArtCenterHamburg) und gingen damit zur Kulturbehörde – Juli/August etwa waren wir eingeladen und gingen mit dem Ergebnis nach Hause: die Kulturbehörde hat offensichtlich keine Möglichkeiten und – zumindest scheinbar - auch kein allzu großes Interesse so etwas zu fördern. Bei einer guten Gelegenheit gaben wir unsere Projektidee an die Behördenleitung für Stadtentwicklung und Umwelt – in der Hoffnung, vielleicht hier Interesse für ein ACH zu finden. Hier schien man da auch zumindest zurückhaltend – es gab also bis heute kein Feedback wie zum Beispiel: Schöne Ideen, aber ….. Die BZA-Leitung Mitte gab es zumindest an den Planungsbeauftragten weiter, vielen Dank dafür an dieser Stelle….leider aber dann auch hier keinerlei Reaktion.
Man ist nicht sicher, ob unser erster Online-Artikel zu etwaigen Reaktionen beigetragen hat oder nicht – aber er sorgte für Einladungen zu den jetzt kürzlich stattgefundenen Events – die wir natürlich begrüßen, auch wenn wir uns das Ganze etwas anders vorstellten, so ist das von uns angedachte Endergebnis in vielen Punkten identisch mit den Zielen derer, die Aktionen veranstalteten und wir gratulieren zu den bisherigen Ergebnissen.
Es ist schon Interessant, daß sich jetzt die Kulturbehörde dafür einsetzt, den Künstlern zumindest eine Zwischenlösung an diesem Ort anzubieten, daß auch die Behörde für Stadtentwicklung einen Handlungsbedarf sieht und selbst die Finanzbehörde bereit ist, einer Zwischenlösung zuzustimmen - so jedenfalls die neuesten Meldungen aus dem Internet, den Medien und anderen Informationsquellen zu entnehmen. Selbst eine kleine Anfrage wurde ins Rathaus getragen und beantwortet. Und das Internet füllt sich stetig ebenso mit Lösungsideen wie unseren und anderen: Die Kulturbehörde hat zum Beispiel vor, eine Kreativ-Immobilien-Agentur zu gründen und viele weitere Ideen, um das Künstlerpotential in Hamburg zu halten - so in einem Interview mit der Hamburger Kultursenatorin zu lesen. War da noch letztes Jahr nichts davon zu erfahren, so ist dieses Jahr scheinbar eines der großen Aktionen für Hamburger Künstler. Unseren Informationen von 2008 und zum Teil auch 2009 steht dieses Viertel seit Jahren leer, nur einige - wie man sagte etwa 11 letzte BürgerInnen waren da noch vor kurzem wohnend. Warum hat man das nicht alles schon vor Jahrzehnten gemacht? Die Problematik ist doch nicht neu und plötzlich entstanden – hörte man auf Aussagen der Hamburger Künstlerschaft im Allgemeinen, ist es doch so, daß die Stadt dieses Problem bislang nicht sonderlich laut diskutiert hat.
Allerdings gibt es scheinbar auch KünstlerInnen und KünstlerInnen. Die einen, die sich wahrhaft der Kunst hingeben und talentierte Kreative, die die ElbArt beispielsweise als ihr Forum betrachten und mit Ausstellungen in Ortsämtern und Bücherhallen und anderen vergleichbaren Orten zufrieden geben und sich freuen, wenn sie ihre Kunstwerke zu Flohmarktpreisen an die Besucher veräußern können.
Wir hatten im Juli eine Veranstaltung für Künstler/Innen organisiert, um über neue Ausstellungsmöglichkeiten im Hamburger Zentrum zu diskutieren und aufzuzeigen: Als wir die ElbArt erwähnten und laut über Ausstellungen beispielsweise am Hühnerposten nachdachten, bekamen wir vernichtende Kritiken darüber zu hören. Unsere Idee war eigentlich eine Art-fair für Hamburg vorzuschlagen und mit den Künstlern zu organisieren – nebenbei: Es waren etwa 40 der uns bekannten gekommen.
Und die eigentlich wahren KünstlerInnen, die sich durchschlagen und die Hoffnung nicht verlieren mögen, daß sich ihre Arbeit und ihr Streben wahre kulturelle Werke zu schaffen eines Tages in einer öffentlichen Präsentation zeigen läßt. Genau aus dieser Ecke kommen eigentlich auch die Worte, daß man sich nicht wirklich um sie kümmert.
Die kürzlich von dem renommierten Hamburger Künstler Daniel Freytag geäußerte Kritik, daß sich Hamburgs kulturelle Förderungen in Volksfesten mit Freßmeilen und Unterhaltung präsentiert und Kunstmäßig eher als provinziell zu sehen ist, ist nicht ganz neu…konnte man vor einigen Jahren unter anderem im Buderpester Lloyd von einer renommierten Kunstredakteurin nachlesen und wurde auch schon früher öfter geäußert – allerdings ohne erkennbare Reaktionen seitens der Stadt.
Aber vielleicht interessiert sich der Hamburger im Allgemeinen auch nicht so für bildende und andere Kunst sondern mehr für Events und Straßenfeste. Ein Musterbeispiel könnte die Galerie kit sein - integriert in einem Behördengebäude in Hamburg-Rothenburgsort (auch ein Stadtteil, der unserer Meinung seit Jahrzehnten vernachlässigt wird - es gibt Hamburger, die kennen ihn gar nicht…). Hier werden seit 1998 Ausstellungen gezeigt, die in ihrer Qualität und ihren Inhalten durchaus mit anderen Galerien mithalten können. Hier haben nicht nur Hamburger sondern auch international agierende KünstlerInnen ihre Arbeiten präsentiert – das Problem: alle konnten mehr, als man an einem solchen Ort selbst bei positivster Einstellung und Kunstverständnis erwartet, aber sie waren meist namenlos oder hier unbekannt, nicht berühmt genug und daher nicht wert genug über eine gute Resonanz hinaus gesehen zu werden. Ist ganz nebenbei allerdings auch kein förderungswürdiges Kunstprojekt seitens der Kulturbehörde - hier fördert die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Nebenbei bemerkt haben viele Ausstellungen hier echten Eventcharakter – sagen zumindest die, die den Weg hierher gefunden haben.
Seit 1998 wurden hier etwa 150 Ausstellungen gezeigt - was aber sind 150 Ausstellungen? 150 KünstlerInnen haben hier diese Möglichkeit gehabt, davon dreiviertel etwa aus Hamburg und dem städtischem Umfeld. Das ist nicht viel, was hier für die Künstler getan werden konnte, aber es wurde getan und nicht mit und von der Kulturbehörde! Selbst aus Kreisen der renommierten Künstlerschaft wird „jetzt" offen kritisiert. Wer aber hört die Stimmen aus den Kreisen der KünstlerInnen, die seinerzeit ihr Forum im heutigen Kunsthaus hatten und verlassen mußten. Wer spricht darüber offen, wie viele von den mittlerweile in die Jahre gekommenen Kreativen dieser Stadt noch heute eine Hoffnung haben jemals eine vernünftige öffentliche Ausstellung in Hamburg zu haben?
Wir haben im vergangenen Jahr einen Vorschlag gemacht, der zum einen eine weitere große Ausstellungsfläche vorsieht, der zum anderen aber auch Beispiele für alternative Energien für das Fabrikgebäude vorsieht, um auf diese Weise mögliche Sponsoren in der Wirtschaft zu finden, die diese umweltfreundlichen Technologien produzieren. Wir haben an Künstlerkaffee´s gedacht, die mögliche Sponsoren oder Betreiber aus der Gastronomie anziehen würde und an soziale Aspekte bei der Personalauswahl. Wir haben auch an Ateliers gedacht, an Kunst zum anfassen für unsere blinden und Sehbehinderten Mitbürger/Innen und daran, daß man daß alles in einem Vorzeigemodel für Hamburg realisieren könnte…jetzt haben plötzlich ganz viele diese Idee – auch die Kulturbehörde unter anderem…
Wir sind uns bewußt, daß viele solcher Ideen sicher schon länger in irgendwelchen Schubläden liegen, vielleicht nicht ganz so, wie wir uns daß vorstellen könnten. Insofern unterstützen wir alle entsprechenden Aktionen (soweit wie bisher gewaltlos) in diesem Zusammenhang auch dann, wenn unsere Ideen nicht umgesetzt würden. Zum Inhalt dieses Artikels: Vieles nimmt man zwangsweise auf, wenn man sich seit über einem Jahrzehnt mit den Sorgen der Hamburger Künstlerschaft beschäftigt und Ausstellungen organisiert.
Und wir drücken uns allen die Daumen, daß Hanzevast es nicht schafft oder wenn, das Konzept so umstrickt, daß hier für die Hamburger Künstlerschaft ein ArtCenter für Hamburg entstehen kann…wenn Geld für die Elbphilharmonie vorhanden ist, sollte doch eigentlich auch hierfür etwas zu bewegen sein.
AE.Untiet