Bis in die 1990er Jahre war Stahl das Material, das beim Fahrradbau die meiste Anwendung in der Herstellung von Fahrradrahmen fand. Heute verwenden es fast nur noch kleine Schmieden im Kleinserien- und Maßrahmenbau. Aber warum ist das so?
Im Laufe seiner Entwicklung kam Stahl an einen Punkt, an dem er die Massenproduktion für Fahrräder überforderte: Die Rohre, die aus der Rohrbiegerei kommen, sind zu hart zum Fräsen, zu dünnwandig zum Schweißen und für die Herstellung zu teuer. Aluminium bietet sich als Alternative geradezu an. Sind die Hersteller einmal mit den Schwierigkeiten, die das Schweißen von Aluminium mit sich bringt, vertraut, können sie die Fahrradrahmen daraus wesentlich schneller und billiger fertigen. Durch die dickeren Rohrduchmesser des Rahmens hat der Verbraucher außerdem das Gefühl, mehr für sein Geld zu bekommen. Fahrradrahmen aus Aluminium sind zudem deutlich leichter als Stahlrahmen.
Von den wirtschaftlichen Gesichtspunkten einmal abgesehen, ist das hohe spezifische Gewicht des Stahls nahezu der einzige Nachteil. Eine Stahlkonstruktion muss daher sehr viel ausgefeilter sein, als eine Aluminiumkonstruktion. Weil ein Stahlrahmen sich kein überflüssiges Material leisten kann, ist ein Stahlleichtbau sehr aufwendig. Liegt der Fokus allerdings auf der maximalen Langlebigkeit, ist Stahl kaum zu schlagen. Als weitere Vorteile von Stahlrahmen lassen sich seine hohe Steifigkeit, hohe Zugfestigkeit, hohe Bruchdehnung und Dauerfestigkeit benennen. Auch eine Reparatur an Stahlrahmen ist in der Regel mit wenig Aufwand möglich. Sollte eine Reparatur einmal keinen Sinn mehr ergeben, lässt sich der Stahlrahen fast bis zu 100 Prozent recyceln, wohingegen Carbon beispielsweise langfristig in den Sondermüll gehört.
Autor: Thoxan GmbH