Eine unfrei erfundene Geschichte über die Lösungskompetenz.Das Land ist in Aufruhr. Expertisen werden eingeholt und in den politischen Parteien werden Arbeitsgruppen und Stammtischrunden gebildet. Es gibt öffentliche Diskussionen. Das ganze Land beschäftigt sich mit dem Thema. Die Leserbriefrubriken der Tageszeitungen quellen über und bis spät in der Nacht diskutieren Experten mit Parteienvertretern in zu Clubräumen umgestalteten Fernsehstudios. Die wöchentlich anberaumten Diskussionen werden von den bekanntesten Fernsehmoderatorinnen geleitet und auf mehreren Fernsehkanälen gleichzeitig ausgestrahlt.
Landauf, landab bemühen sich die Politiker die Lösungsansätze der jeweils anderen Partei als unzureichend bis widersinnig darzustellen und ihre eigenen Idee als die einzig wirksame Maßnahme zu bewerben. Im Parlament prallen unerbittert Rede und Gegenrede aufeinander.
Nach einigen Jahren – die Regierung musste zurücktreten und eine gestärkte Opposition forderte die neue Regierung vehement auf, eine mit internationalen Experten besetzte adhoc-task-force einzusetzen, in der auch alle wesentlichen öffentlichen Institutionen vertreten sein müssen und welche von einer Troika der Parteiführer der Opposition geleitet werden soll.
Die Regierung musste - unter der Androhung eines Misstrauensantrages und von Neuwahlen – dem Druck der Opposition nachgeben und war bereit eine Krisensitzung einzuberufen. Aufgrund der kurz bevorstehenden Sommerpause wurde in einem gemeinsamen Kommunikee ein Termin für Mitte Oktober festgelegt.
Die Tagung wurde live im Fernsehen übertragen. Die Medien hatten das Sommerloch genützt, um über den Ausgang dieser Tagung zu spekulieren und Rankings über mögliche Ergebnisse zu erstellen. Durch dieses Medienecho war das Interesse der Bevölkerung enorm gestiegen und die Zuschauerquote der Übertragung übertraf die Quoten des Hahnenkammrennens in Kitzbühel.
Die Reden am Vormittag waren von großer Harmonie getragen. Alle Parteien betonten ihren guten Willen und die Entschlossenheit in einer gemeinsamen Anstrengung eine gemeinsame Lösung erarbeiten zu wollen.
Am Nachmittag war es dann vorbei mit dem Sonnenschein. Die Runde war mit ersten Schwierigkeiten konfrontiert, eine Schlechtwetterfront trübte die Harmonie, denn man konnte sich nicht über die „Größe des Lochs" einigen.
Aber - leider konnten die Fernsehzuschauer dann den Durchbruch nicht mehr live miterleben. Die Programmchefs entschuldigten diesen abrupten Programmwechsel, aber aufgrund von Verträgen musste das erste vorläufige Training eines Formel1-Rennens übertragen werden. Man versprach den weiteren Verlauf der Krisentagung aufzuzeichnen und bei nächster Gelegenheit, sobald das Programmschema das zulässt, auszustrahlen.
Am nächsten Tag gab es auf den Titelseiten der Tageszeitungen Schlagzeilen, wie „Späte Einigung", „Es geht weiter" und „Vernunft siegt". In den Kommentaren wurde berichtet, dass nun Expertengruppen eingesetzt werden sollen, um die „Größe des Loches" exakter zu erfassen. Bei einem nächsten Termin solle über die Zusammensetzung und über die Leitung dieser Gruppen beraten werden.
Die folgenden Monate waren von Regionalwahlen geprägt, dadurch hat sich das politische Klima deutlich verschlechtert. Auf den Straßen tobte die Schlacht der flotten Sprüche auf den Plakaten. Besonders der Spruch einer Oppositionspartei „Rekordhoch statt Dachloch„ vergiftete das Klima. Nun war keine Rede mehr von einer gemeinsamen Expertengruppe.
Am Höhepunkt im Krieg der Worte ergriff die höchste Autorität im Lande das Wort. Umrahmt von 2 Fahnen kam es zur „Rede an die Nation" zur besten Sendezeit. Sehr ernst und feierlich wurden die Kontrahenten zur Mäßigung aufgerufen und es war vom „Stopfen der Löcher" zu hören. Die äußerst getragene Zurechtweisung gipfelte in der Ankündigung die Sache nun selbst in die Hand zu nehmen und das „Loch im Dach der Nation" wurde zur Chefsache erklärt.
Alle waren geladen. Die Anreise war beschwerlich, da man für diese Zusammenkunft ein tibetanisches Kloster ausgewählt hatte. Nach dem Vorschlag der höchsten Autorität, sollte es keine Möglichkeit geben, das Kloster zu verlassen, ehe eine Gegenstrategie für das „Loch" gefunden wurde. Dann sollte ein aufsteigender weißer Rauch dem Volk die gute Nachricht überbringen.
Rund um das Kloster wurden 16 HD-Fernsehkameras aufgestellt und die staatliche Rundfunkanstalt war mit 4 Satellitenübertragungswägen vor Ort.
Immer wieder gab es kurze Interviews, wenn Teilnehmer der Zusammenkunft den Verhandlungssaal verlassen mussten, um ihren menschlichen Bedürfnissen die ihnen zustehende Erleichterung zu gewähren.
Nach Tagen, der Erschöpfungszustand war bei allen Beteiligten mit freiem Auge erkennbar – kommt es nach nächtelangen und immer wieder unterbrochenen Verhandlungen zu einem fulminanten, unerwarteten Schlussakt.
Man hat sich auf „measures of intend" geeinigt. Auf mehreren hundert Seiten werden Maßnahmen für das „Loch der Nation" vorgeschlagen. Diese Maßnahmen sollen bei einer der nächsten Konferenzen behandelt werden. Böswillige Kritiker des Reformprozesses haben mokiert, dass man sich auf keinen Termin einigen konnte. Die Festlegung eines geeigneten Termins soll aber innerhalb der nächsten 6 Monate von den Sekretariaten der Verhandlungsteilnehmer abgestimmt werden. Im Protokoll wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bereits bestehende Terminvereinbarungen der Konferenzteilnehmer berücksichtigt werden müssen und nur in Ausnahmefällen – nach Rücksprache mit allen an diesen Terminen teilnehmenden Personen – geändert bzw. verschoben werden dürfen.
Über gut informierte Kreise sind einige Lösungsansätze des Reformpapiers an die Öffentlichkeit gedrungen:
Die bestehenden Wetterstationen sollen besser vernetzt werden. Damit soll die Treffsicherheit der Wettervorhersage verbessert werden. Weiteres soll eine Studie in Auftrag gegeben werden, ob zusätzliche Wetterstationen die Wahrscheinlichkeit für eine rechtzeitige Regenwarnung erhöhen können.
Falls zusätzliche Wetterstationen die Informationsqualität erhöhen können, wird vorgeschlagen, im nächsten Budgetvoranschlag eine Rückstellung vorzusehen, damit eine Studie über die Standortwahl der neuen Wetterstationen in Auftrag gegeben werden kann.
Vorbehaltlich der Genehmigung der Budgetkommission soll es einen Forschungsauftrag für die Entwicklung intelligenter Rechenmodelle geben. Damit soll es möglich sein, bei gleicher Prognosequalität den Prognosezeitraum um einen Tag zu verlängern.
Es soll untersucht werden, ob mittels einer entsprechenden „magnetischen Impfung" der Regenwolken, der herab fallende Regen mit magnetischen Feldern abgelenkt und somit am Dach der Nation vorbeigeleitet werden kann. Die Impfung soll mittels speziell ausgebildeten Piloten mit Eurofightern durchgeführt werden. Die Kosten für die Adaptierung der Eurofighter soll in den nächsten Budgetvoranschlag aufgenommen werden.
Beim Ausfall der Eurofighter sollen eigene über den einzelnen Inventargegenständen, versteckt angebrachte Regenwassersammelbehälter mittels einer intelligenten - über eine mit den Wetterstationen verschlüsselte Funkdatenverbindung – Steuerungselektronik ausgefahren werden.
Für die intelligente Steuerelektronik und für die Mechanik der versteckt angebrachten Regenwassersammelbehälter soll ein Konzept der Selbstwartung entwickelt werden. Damit soll eine Einsatzwahrscheinlichkeit über 90 Prozent ermöglicht werden.
Es soll ein Nanopartikel-Schutzanstrich entwickelt werden, um die Wahrscheinlichkeit für einen eventuellen Wasserschaden am kostbaren Inventar weiter zu reduzieren.
Weiteres soll ein Einsatzplan für eine zu nominierende mobile Einsatztruppe erarbeitet werden, um innerhalb von 2 Stunden am Einsatzort sein zu können und mit den Sicherungs- und Wiederherstellungsarbeiten beginnen zu können.
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