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Das Christliche Menschenbild und Politik

Autor: Toma | Erstellt am: 08.10.2011 | Gelesen: 451
Kategorie: Kunst - Kultur & Religion | Bewertung: rateArateArateArateArateA
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(Online-Artikel.de) - Christliches Menschenbild: Bekenntnis, Richtbild oder ein Lebensweg?

Das weltweite christliche Verständnis des Menschen zeigt ihn als mit Freiheit und Vernunft Handelnden Geschöpf. Dies befähigt den Menschen zur freien Entscheidung und oft zur Unterscheidung zwischen Gut und Böse.

Die Freiheit des Menschen ist ihm meines Erachtens durch sein Ebenbild Gottes gegeben. Ihm darf sie kein Staat oder sonst ein Mensch wegnehmen... ER trägt auch für diese freie Entscheidung eine Selbstverantwortung.

Aus dem christlichen Menschenbild lassen sich allerdings keine konkreten Handlungsanweisungen für alle politischen Fragen des Alltags in Parteien und Parlamenten ableiten. Das christliche Menschenbild stellt jeden, der politisch handelt, immer wieder vor Entscheidungen, die er nur in seiner persönlichen Verantwortung beantworten kann[1].

Der ehemalige Verfassungsrichter Paul Kirchhof betont auch die Verantwortung und spricht über das „Menschenbild des mündigen Bürgers", das in der Politik gelten solle. Dies würde von der Politik unterschätzt[2].

Pastor Kord Schoeler[3] spricht über vier Grundgegebenheiten für jedes christliche Menschenbild: Der Mensch ist Mensch in Beziehung und Austausch, der Mensch ist Bild Gottes, der Mensch entspricht nicht seinem Wesen und der Wille. Hier interpretiere ich den Willen als die freie Entscheidung.

„Damit rücken die Grundansprüche des Menschen ins Zentrum, die in der Formulierung der Menschenrechte ihre Rechtsgestalt erhalten haben: in den persönlichen Freiheitsrechten, in den politischen und gesellschaftlichen Mitwirkungsrechten und in den sozialen Grundrechten. Der gesellschaftlichen Anerkennung dieser grundlegenden Rechte zum Durchbruch zu verhelfen und diese Rechte in einem optimierenden Gleichgewicht für alle Menschen innerhalb der nationalen und internationalen Rechtsgemeinschaften konkret durchzusetzen, ist Aufgabe einer am christlichen Menschenbild orientierten Politik.[4]"

„Wer das christliche Menschenbild nicht akzeptiere (…)", sagte die Bundeskanzlerin Angela Merkel, sei "fehl am Platze" in Deutschland. Nun nach dieser Sichtweise, wäre zu verstehen, dass die Akzeptanz des christlichen Menschenbildes eine Bedingung einer erfolgreichen Integration. Was heißt es genau? Nach der Kanzlerin, ist es ferner an sich ein Problem, „dass es immer mehr Menschen gibt in einer säkularen Welt, die das christliche Menschenbild vielleicht gar nicht mehr so verstehen (…)". Doch eine gerechte Frage stellt sich heute, wo das christliche Menschenbild die heutige CDU-Politik beeinflusst? Und wie dieses in diesem Zusammenhang zu verstehen ist? „Das Bekenntnis zum christlichen Menschenbild und die daraus für uns folgenden Grundwerte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität haben nichts an Aktualität und Gültigkeit eingebüßt.[5]"

Erwin Teufel hatte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" die Diskussion neulich angeregt und sich mahnend gemeldet. Die Demokratie muss seiner Meinung nach mit Inhalten überzeugen, und plädiert für eine christlich orientierte Wertepolitik. „Das C steht für christlich und das muss man an Inhalten erkennen. In seiner Rede vor der Senioren-Union verdeutlicht er, dass es für ihn keinen Ausweg an der Orientierung an das "C" oder eben dieses aufzugeben.

Die Idee des christlichen Menschenbildes, die sich auch als Einheit von Geist, Leib und Seele versteht, bietet eine Orientierung. „Dieses christliche Menschenbild ist Grundlage unserer Verfassung. Es beinhaltet die Balance von Freiheit und Verantwortung. Es ist Fundament der universal gültigen Rechte aller Menschen. Es begründet unsere Verantwortung im politischen Handeln. Es verpflichtet zur Solidarität mit den Schwachen, zum Streben nach Gerechtigkeit und zum Schutz allen menschlichen Lebens in Verantwortung vor Gott und den Menschen"[6].

Das christliche Menschenbild ist ein Richtbild des Menschen. Der Mensch soll sich nach den Tugenden und Werten richten. Er soll Gott und seinen Mitmenschen bejaen, damit seine Bestrebung, vollkommen zu werden, Aussicht auf Erfolg hat.

Das ostchristliche Verständnis des Menschenbildes ist dadurch geprägt, dass der Mensch mit sich selbst, mit der Umwelt und mit Gott eine Harmonie bildet. Darin wird eine mögliche Vollkommenheit gesehen.

Das christliche Menschenbild hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren und kann heute noch in der Politik Kraft und Zuversicht entfalten. Denn „umso wichtiger ist es, dieses Menschenbild neu zu entdecken, wenn es zu verblassen droht" [7]. Auch wenn der Weg selbst das Ziel ist, lohnt es sich, sich danach zu orientieren. Dieser Weg ist nicht nur fern von Gedankenlosigkeit im Umgang mit der Umwelt, sondern auch voller Verantwortung.

Dieses Leitbild, das selbst eine Herausforderung ist, zeigt auf, dass Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft selbstbewusst und verantwortungsbewusst angenommen werden sollen, somit nicht nur ein moralischer Anspruch, sondern auch ein Handlungsauftrag. Die Unsicherheit, ob wir diesen Auftrag erfüllen können ist gewiss auch begründet!

Für mich ist dies eine Lebenseinstellung!

Raif Toma


[1] Diskussionspapier der CDU-Wertekommission, ff S. 6

[2] Paul Kirchhof in seiner Rede auf dem „Kongress christlicher Führungskräfte" von 2007.

[3] Sein Beitrag „Das christliche Menschenbild als Grundlage ethischer Entscheidungen" in www.kirche-altenholz.de/Vtrg.Schoeler%20.htm , 24.012011

[4] W. PANNENBERG: Anthropologie in theologischer Perspektive (1983); E.-W. BÖCKENFÖRDE/R. SPAEMANN (Hg.): Menschenrechte und Menschenwürde (1987); L. HONNEFELDER: Der Streit um die Person in der Ethik, in: Philosophisches Jb. 100 (1993); H. SCHMIDINGER: Der Mensch ist Person, l (1994); E. HERMS (Hg.): Christi. M. und Menschenwürde (2001).

Alois Baumgartner

[5] Ingrid Fischbach MdB, Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, 21. Februar 2006 - Anlässlich des Wertekongresses der CDU.

[6] Diskussionspapier der CDU-Wertekommission, ff S. 5

[7] Christoph Böhr, Vorsitzender der Wertekommission der CDU Deutschlands in dem Diskussionspapier der CDU-Wertekommission

 
 
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