Unser Bildungssystem ist im europaweiten Vergleich eigentlich noch relativ in Ordnung. Doch warum gibt es dann immer noch so viele Arbeitslose in Deutschland?
Das alles fängt eigentlich schon damit an, dass man für immer mehr "normale" Berufe Abitur benötigt. Doch wozu gibt es dann eigentlich noch die Hauptschule oder die Realschule? Auf der einen Seite beklagen sich die Unternehmen, dass sie kaum noch Auszubildende bekommen, aber ist das noch ein Wunder? Wenn man schon als Verkäufer Abitur braucht, dann muss irgendwas schief gelaufen sein. Natürlich verändert sich der Anspruch, aber ob das in diesem Maße noch gerechtfertigt ist, sei mal so dahin gestellt. Das man für bestimmte Berufe Abitur braucht ist mir verständlich, allein schon, um danach studieren zu können. Doch es gibt immer mehr Abiturienten, die nach ihrem Abschluss eine ganz normale Ausbildung anstreben, wodurch es den anderen Lehrlingen nicht gerade einfacher gemacht wird. Natürlich picken sich die Unternehmen die Bewerber mit dem besten Abschluss heraus, doch wenn das so weiter geht, haben Nicht-Abiturienten bald gar keine Chance mehr.
Aber auch das mit dem Studieren ist so eine Sache. Zum Beispiel verstehe ich nicht, wozu ich als Fotograf oder als Journalistin studieren muss. Gut, Journalistin kann man auch an einer Schule lernen, aber eben auch mit der Voraussetzung, Abitur zu haben. Da kann ich doch dann eigentlich gleich studieren. Mein Traum war es nämlich immer, irgendwann als Journalistin zu Arbeiten. Doch daraus wird leider nichts, weil ich "nur" einen guten Realschulabschluss und eben kein Abitur habe. In Deutsch, Geschichte und Politik und Wirtschaft habe ich in meinem Abschlusszeugnis eine 2 gehabt, nur in Englisch hat es eben nur zu einer 3 gereicht. Also sind alle meine Fächer für diesen Beruf gut und trotzdem bräuchte ich ein Studium. Nicht mal eine Journalistenschule würde mich ohne Abitur nehmen, wobei ich mich dann frage, wozu es überhaupt eine schulische Ausbildung gibt. Aus lauter "Verzweifelung" habe ich meine ganzen Artikel an die RTL Journalistenschule mit Bewerbungsmappe geschickt und sogar eine Woche später Antwort per Post bekommen. In dem Brief stand damals, dass meine Artikel sehr gut wäre und man merken würde, dass ich den Beruf unbedingt machen wolle, doch leider sei dies ohne Abitur so gut wie überhaupt nicht möglich.
Gut, mittlerweile mache ich eine schulische Ausbildung zur Sozial Assistentin, um danach Erzieherin zu werden, was mir auch mehr Spaß macht, als ich es am Anfang gedacht habe, aber trotzdem ist es eben nicht mein Traumberuf. Mit kleinen Kinder kann ich wohl kaum über Politik sprechen.
So bleibt für die Zukunft zu hoffen, dass die Anforderungen vielleicht wieder etwas zurück geschraubt werden, damit auch Hauptschüler und Realschüler die Chance auf eine gute Ausbildung bekommen.
23. Februar 2011, Désirée-Sophie Lepell