"Alte Kurhaus" Frontgiebel 2011
Historie Baumeister ist Jakob Couven. Freitag, den 30. August 1782 wird in der Ratssitzung der Grund- und Aufriss des Entwurfs von Couven zur sofortigen Ausführung angeordnet. Die Dauer des Baues soll zwei Jahre nicht überschreiten. Couven erhält die Bauaufsicht und Bauunternehmer Johann Joseph Scheins hat seinen Anweisungen Folge zu leisten. Scheins will in dem Gebäude einen großen Saal für Bilder errichten. Die Redoute (frz. Ballsaal) wird auf dem Platz der 1780 abgerissenen städtischen Buchdruckerei erbaut. Die tauglichen Spolien sollen gemäß der Anordnung des Rats der Stadt Aachen für den Neubau verwendet werden. Die Grundsteinlegung erfolgt Freitag, den 13. September 1782. Für das Fundament ordert der Stadtrat an, dass Scheins aus der Steinkuhle vor dem Adalbertstor das Material verwendet. Die Redoute ist Jakob Couvens erster Monumentalbau. Sie stellt den Übergang von seinem barocken Formenvokabular zu seinem Louis-seize-Stil, dem Praeklassizismus dar. Die Fenstergiebel wie sie sein Vater bei dem Portalfenster der Kapelle zur Enthauptung Johannes des Täufers anwendet, bleiben Bestandteil des Couven'schen Repertoires. Jakob Couven fügt eine Bekrönung der Risalitfenster hinzu. An diesem ornamentlosen Detail zeigt sich der Praeklassizismus. Die erste Etage weist Rundbogenfenster und die zweite niedrigere elliptische Bogenfenster vor. Zwischen den Geschossen der Rücklage schmücken fensterbreite Reliefs mit der Darstellung diverser Musikinstrumente die Fassade. Während er bei der Rücklage Stichbogenfenster in der ersten und geradlinige Sturzquader für die zweite Etage wählt. Über drei Geschosse präsentiert sich der siebenachsige Couven-Bau mit dreiachsigen Risalit, Balkon mit schmiedeeisernem Gitter, der Bel Étage und geschweiften Giebelprofil. Ein Fensteroval mit zwei flankierenden Adlern stellt den Giebelschmuck dar. Das Motiv des Flankierens zählt ebenfalls zum Repertoir von Vater und Sohn Couven, ebenso wie die kleineren Fenster im zweiten Stock. Die abgerundeten Ecken des hohen Mansarddachs gehen beim Mittelbau in das Hauptgesims über. Die Halle in der Parterre öffnet sich in Arkaden zur Komphausbadstraße hin. Wogegen die Parterre-Rückfront zum Garten hin, der heutigen Kurhausstraße, geschlossen ist. Auch der Balkon entfällt, statt dessen stehen vier Konsolen für Statuen bereit. Den geradlinigen Risalitgiebel dekorieren vier Palmwedel. Praeklassizistische Stuckornamente kleiden den Innenraum aus. Der 23 x 12 Meter große Ballsaal, der sich hinter den Fenstern des Risalits befindet, erstreckt sich in der Höhe über zwei Etagen. Eine flache Decke auf zwei großen Hohlkehlen bildet den oberen Abschluss dieses Festsaales. Die Redoute wird als Nachkriegs-Rekonstruktion überliefert.
Heute stellt dieses Bauwerk die vorbildliche Architektur von Kurgebäuden aus dem 18. Jahrhundert dar. Es fungiert als direkte Vorstufe für die populären Kurhäuser des 19. Jahrhunderts.
1785 erwirbt R. Reumont, ein Spielbankpächter, infolge von Zession den Bau. Im Gegensatz zur "Alten Redoute" heißt das Gebäude die "Neue Redoute." Der Thermaltrinkbrunnen in der Gartenanlage wird nach Fertigstellung des Elisenbrunnens geschlossen. 1842 geht das Gebäude für 42.000 Thaler an die Stadt Aachen. 1841 bis 1843 erfolgen Renovierungsmaßnahmen (Parkettboden im Ballsaal, Marmorplatten im Treppenhaus und dem Vestibül, Öfen) zwecks Einrichtung einer Spielbank durch Stadtbaumeister Friedrich Joseph Ark. Nachdem das Haus 1842 in „Kurhaus" umbenannt wird, ist es von 1849 an Sitz der Aachener Spielbank, die 1854 vom König geschlossen wird. 1849 wird die Redoute zum Kurhaus eingerichtet. 1861 erbaut Wilhelm Wickop, Architekt, den Konzertsaal, der zur Residenz der Städtische Musikdirektion wird. Einer der Dirigenten ist Herbert von Karajan in seiner Zeit als Aachener Musikdirektor.
1855 präsentiert sich der Aachener Maler Aloys Hubert Michael Venth als Landschaftsmaler in dem kleinen Salon.
Dr. Debey setzt sich im 19. Jahrhundert aktiv für die Gründung eines Museums ein. Oberbürgermeister Ludwig von Weise (1875-83) überläßt zu diesem Zweck den vorderen Teil des Kurhauses dem 1877 gegründeten Museumsverein. Am 12. Februar 1878 findet die erste Ausstellung statt. Die Exposition widmet sich der Goldschmiedekunst. Zudem präsentiert sie die Porträts von „Kaiser Napoléon" und „Kaiserin Joséphine" von Louis-André-Gabriel Bouchet und Robert Lefèvre. 1882 übergibt Barthold Suermondt 104 Gemälde seiner Sammlung der Stadt Aachen und legt den Grundstein für das „Städtische Suermondt-Museum", das am 20. Oktober 1883 in dem Kurhaus eröffnet wird. 1901 zieht das Museum in die "Villa Cassalette" auf der Wilhelmstraße.
Im zwischenzeitlich umbenannten „Alten Kurhaus" hat die „Neue Galerie – Sammlung Ludwig" 20 Jahre lang ihren Sitz. Neben der Ansiedlung einer Gastronomie unter den Arkaden sind im Alten Kurhaus der Aachener Karnevalsverein (AKV) und die Stadthistorische Sammlung Crous untergebracht. Die Gesellschaft für Zeitgenössische Musik e. V. hat in der Klangbrücke ihren Sitz.
Im Händel-Saal wird 2008 ein Kunstwerk aus dem Jahr 1807 von dem italienischen Stuckateur Petrus Nicolaas Gagini bei Bodeverlegearbeiten aufgedeckt. Es handelt sich um ein Genre-Relief mit der Darstellung einer ländlichen Idylle eines Hofes mit Tieren und Menschen bei der Arbeit. Das Werk wird von Rosenranken gerahmt.
©RMS-Scriptorin, alias: Rosa-Marita Schrouff