Daniel Schuhmacher
Daniel Schuhmacher polarisiert. Die Fans lieben ihn so sehr, dass seine Facebookseite tagtäglich vor Einträgen aus den Nähten platzt. Kritiker sagen, er habe keine Ausstrahlung und sei hoffentlich bald „weg vom Fenster". Letztere Meinung kam wohl auch RTL gelegen, als es jetzt zu Beginn der siebten DSDS-Staffel galt, den Weg für den nächsten Superstar frei zu machen. Dieses Jahr wolle man bei DSDS den „Robbie Williams" finden, den man in der letzten Staffel vermisst hat. So oder ähnlich war es zu lesen in einer Reihe von Presseartikeln am Tag vor Beginn der neuen Staffel.
The show must go on, zur Not auch mit einem Starkonzept aus dem letzten Jahrhundert, auf das vielleicht nicht einmal mehr Robbie Williams Lust hat.
Dabei sollte man DSDS als derzeit zweit-erfolgreichstes Fernsehformat Europas durchaus ernst nehmen. Die privaten Lebensthemen der Kandidaten, die Dynamik des monatelangen Kampfes ums „Weiterkommen" bis zur schlussendlichen Krönung des Superstars im Mai können nicht unabhängig vom Zeitgeist des Publikums funktionieren. Was mit der Wahl des „normal gebliebenen" Thomas Godoj 2008 begann, setzte sich 2009 leicht variiert mit Daniel Schuhmacher fort. Die Suche nach dem Superstar kreiste um Themen wie Mut zum Anderssein (Benny Kieckhäben), Macht der Medien (Annemarie Eilfeld), Magie der Unschuld (Dominik Büchele), Stimme (Sarah Kreuz) und sensible Authentizität (Daniel Schuhmacher).
Nach und nach ließ Daniel Schuhmacher die anderen Kandidaten hinter sich. Aus dem zunächst eher unauffälligen Jungen mit der außergewöhnlichen Stimme wurde ein starker Favorit, der eine vollkommen neue Art von Star Appeal ins Spiel brachte: verspielte Lifestyle-Freakyness, natürliche Herzlichkeit gegenüber den Fans, und bei aller Unkompliziertheit eine magische Bühnenpräsenz. Instinktiv wählte das Publikum ihn zum Superstar. Und dennoch blieb der 22-Jährige bis heute ohne „Lobby". Im Gegenteil, Daniel Schuhmachers weiterer Erfolg scheint von RTL nicht vorgesehen. Stattdessen setzt man dort wie gewohnt auf das alljährliche Verfallsdatum.
Vielleicht ist ein Typ wie Daniel Schuhmacher aber auch einfach zu modern. Zwar besitzt er genau die Eigenschaften, die notwendig sind, um in einer nachhaltigen, zukunftsträchtigen Medienlandschaft zu bestehen. Das aktuelle Musikbusiness jedoch, das ohne Verquickung mit den Massenmedien nicht denkbar ist, scheint bis jetzt an diesen Eigenschaften genauso wenig interessiert zu sein wie RTL.
Dabei hat das Internet längst in aller Unschuld ein neues Medien-Zeitalter eingeläutet. Die talentierten und kreativen Protagonisten von YouTube und Co leben ganz selbstverständlich ihren „Sei du selbst"-Star Appeal. So ist beispielsweise die beliebte YouTube-Labertasche „HerrTutorial" mit bereits über 1,5 Mio. Kanalaufrufen den etablierten Mainstream-Stars à la Lady Gaga dicht auf den Fersen.
Auch Daniel Schuhmacher zählt zu dieser modernen Newcomer-Generation, deren besondere Attraktivität vor allem auf einer nach außen hin sichtbaren Integrität und Natürlichkeit basiert. Die Fülle von online gestellten Live-Konzertvideos, Fanvideos in HQ, Interviews mit unzähligen Aufrufen und Kommentaren macht es deutlich: im Internet ist er bereits ein Star mit einer treuen Fanbase. Die gut vernetzten Fans initiierten die viel diskutierte und teilweise erfolgreiche Online-Petition „Daniel Schuhmacher ins deutsche Radio". Kürzlich gründeten sie das Online-Presseportal S-I-D-S (Support-Initiative-Daniel-Schuhmacher). Und was tun DSDS-Fans dieses Jahr? RTL einschalten natürlich... und nebenbei ein bisschen bei YouTube herumklicken, stimmst?
Iris Depping