Der Bereich der Poesie ist sehr vielschichtig. Schon immer versuchten Menschen Texte oder Botschaften in Reimform zu verpacken. Gerade
christliche Gedichte sind oft der Ausdruck eines Menschen, der Gottes Gnade und Güte in seinem Leben erfahren hat. Begonnen hatte diese Form der Dichterei spätestens mit der Bibel, in der viele Formen von Poesie enthalten sind. Allein das Buch der Psalmen ist als Ganzes ein Meisterwerk der künstlerischen Ausdruckskraft. Hier wurden Menschen vom Geist Gottes dazu getrieben, ihre Erlebnisse mit Gott aufzuschreiben. Besonders David, der dann später König von Israel wurde, verleiht seinen ganzen Emotionen, seiner Freude, seiner Furcht, seiner Begeisterung für Gott Ausdruck.
Auch in moderneren Zeiten wurden Dichter immer wieder von religiöser Inspiration gepackt. Aus der Feder von Johann Wolfgang von Goethe stammen etliche christlich motivierte Werke. In seinem Gedicht „Wiederfinden" aus dem Jahr 1815 setzt er sich mit dem Schöpfungswunder auseinander und schreibt:
„Als die Welt im tiefsten Grunde
Lag an Gottes ewger Brust,
Ordnet' er die erste Stunde
Mit erhabner Schöpfungslust,
Und er sprach das Wort: Es werde!
Da erklang ein schmerzlich Ach!
Als das All mit Machtgebärde
In die Wirklichkeiten brach."
Auch Komponisten sahen in ihrem Glauben immer wieder einen Anknüpfungspunkt dazu, diesen künstlerisch darzustellen. Johann Sebastian Bach ist sicher einer der berühmtesten Vertreter von Kirchenmusik. Von ihm stammen die Passionsgeschichten, also die musikalischen Beschreibungen der Leidensgeschichte Jesu. Die Johannes Passion ist die dramatisch gestaltete Geschichte vom Leiden und Sterben des Heilandes Jesus Christus, die Matthäus-Passion das nachvollziehbare theologische Verstehen dieser Geschichte. Das Nachvollziehen der Handlung wurde von Bach musikalisch vorangetrieben. Deswegen sind so viele Menschen so ergriffen von der Johannes-Passion, weil sie beim Hören verstehen, wie es zur Kreuzigung kam.
In jüngster Zeit sind Gedichte insgesamt etwas aus der Mode gekommen und nur wenige Texte finden sich in Buchform wieder. Aber zum Glück steht uns eine Fülle guter klassischer Literatur zur Verfügung, die auch heute noch das Herz des Lesers zu erfreuen vermag.
Eckart Haase