Casanove (Arthur Schnitzler) in einer Neuauflage der Deutschen Literaturgesellschaft
Berlin, 4. Februar 2010 – Mit Arthur Schnitzlers »Casanovas Heimfahrt« setzt die
Deutsche Literaturgesellschaft ihre Reihe »Bibliothek des Romanischen Café« fort: Das Buch erschien jetzt als Neuauflage und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.
Schnitzler erzählt mit unverkennbarer Sympathie von der Heimkehr des alternden Casanova nach Venedig, der feststellen muss, dass sein Name keine Ehrfurcht mehr erweckt und er selbst immer mehr zum Schatten, ja zur Parodie seiner Legende wird. »Während eines kurzen Zwischenaufenthaltes verfällt er dem Zauber einer jungen Frau. Nur durch List gelangt er in den Genuss einer Liebesnacht. Und was er in Marcolinens Blick las, war nicht, was er tausendmal lieber darin gelesen: Dieb - Wüstling - Schurke -; er las nur das eine -, das ihn schmachvoller zu Boden schlug als alle andern Beschimpfungen vermocht hätten - er las das Wort, das ihm vor allen das furchtbarste war, da es sein endgültiges Urteil sprach: Alter Mann.«
In der neu aufgelegten »Bibliothek des Romanischen Café« veröffentlicht die Deutsche Literaturgesellschaft nicht nur Bücher, die das Café, seinen Alltag und seine Schriftsteller (und was nach dem Krieg aus ihnen wurde) zum Thema haben. Sie veröffentlicht über einen Zeitraum von mehreren Jahren auch besonders wertvolle Werke, die der Bücherverbrennung oder der Verbannung zum Opfer fielen – gegen das Vergessen.
Vis-à-vis der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, dort, wo heute das Europa-Center steht, war es in den 30er Jahren: Das »Romanische Café«. Im bevorzugten Künstler- und Intellektuellentreff verkehrten unter anderem Stefan Zweig, Erich Kästner, Ernst Deutsch, Gottfried Benn, Joachim Ringelnatz, Irmgard Keun und Grete Mosheim, Billy Wilder und Erich Maria Remarque. Viele der Schriftsteller, deren Bücher von den Nationalsozialisten verbannt wurden, blieben auch nach dem Krieg aus dem öffentlichen Gedächtnis gestrichen. Manch einem gelang ein spätes Comeback, dennoch blieben manche Bücher bis heute verschollen oder unbeachtet. Auch die Besucher des »Romanischen Café« waren von der Verfolgung betroffen… Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Bücherverbrennung 1933 verschwand der Treffpunkt der geistigen Hochkultur Deutschlands. Die Schriftsteller wanderten aus, viele kehrten nicht mehr zurück. Im Krieg ging das Romanische Café im Bombenhagel unter.
Das Buch »
Casanovas Heimfahrt« des österreichischer Erzählers und Dramatikers Arthur Schnitzler hat die ISBN 978-3-86215-006-9 und ist als Taschenbuch zum Preis von 9,80 € erhältlich in jeder Buchhandlung.
Uwe Neukamp