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Business Talk - Tagesgespräch zwischen einer Wirtschaftszeitung und Manfred Staudinger

Autor: M_Staudinger | Erstellt am: 06.10.2010 | Gelesen: 844
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Abhauen geht gar nicht...

Manfred Staudinger mit Promis
Manfred Staudinger mit Promis
Als Deutschland das „Sommermärchen“ feierte, setzten sie mit den „streetkids 2006“ ein Zeichen. Sie engagierten sich im „Peres Center for Peace“ und veranstalteten für die Foundation des Sports-Oscar „Laureus“ Jugendcamps mit Weltklassesportlern. In jüngster Vergangenheit mussten sich die Ingolstädter Unternehmer Gerald und Manfred Staudinger mit hässlichen Vorwürfen aus den Tiefen des „www“ auseinander setzen.

FWZ:
Der damalige Innenminister Otto Schily war Schirmherr Ihrer Charity zur Fußball-WM 2006. Kurz darauf wurde Ihnen in einem Internetforum massiv Konsumen-tenschädigung vorgeworfen. Wie passt das zusammen?

M. Staudinger: Ihre Einstiegsfrage gefällt mir. Richtig ist, dass Otto Schily mich bei der Feier zum 80. Geburtstag von Shimon Peres fragte, ob ich mir vorstellen könnte bei der WM im offiziellen Kunst-und Kulturprogramm der Bundesregierung einen Beitrag zu leisten. Das war meine erste persönliche Begegnung mit Schily und er wusste so ziemlich alles über uns. Klar, bei einem Empfang in Tel Aviv mit zig Staatsgästen hat uns wohl nicht nur der Mossad, sondern auch der BND durchleuchtet. Das spricht für eine ziemlich reine Weste, oder? (lacht)

FWZ: Dennoch wird man im Internet bei Ihrem Namen fündig und liest, dass sie die Drahtzieher eines Timeshare- Netzwerkes sein sollen?

G. Staudinger: Ja, das ist ziemlich kreditschädigend, was sich da abspielt. Dabei sitzen die wahren Gauner – Gauner, darf ich das so sagen . . .

M. Staudinger: . . . auf jeden Fall. Zumindest kann jeder Leser für sich entscheiden, ob das Gauner sind, wenn er die Geschichte kennt . . .

G. Staudinger: . . . also an der Geschichte stimmt so ziemlich nichts. Außer, dass sich die Leute, welche die Website betreiben die Taschen voll gemacht haben. Die Lindner Touristik und Hotel, ein mehr als 30 Jahre altes Unternehmen, das von unserer Familie kontrolliert wird, hat in 2001 ein Hotel im bekannten Skiort Saalbach- Hinterglemm erworben. Und zwar aus einem Timesharing-Konkurs. Es gab damals hunderte geschädigte österreichische und deutsche Verbraucher. Also haben wir diesen das Angebot gemacht, sie könnten weiter ihr Timesharing im Hotel ausüben. Ohne weitere Kosten. Und unter dem Applaus der Konsumentenschützer.

FWZ: Jetzt wirft Ihnen aber ein Schweizer Anwalt vor, sie hätten in der Folge Verbraucher mehr oder weniger betrogen?

M. Staudinger: Ein Teil der durch die Vorbesitzer des Hotels geschädigten Konsumenten nahm unser Angebot nicht an. Jetzt hatten wir Hotelappartements, die nur teilweise besetzt, aber für den regulären Buchungsweg blockiert waren. Also gaben wir diese Kapazitäten an unabhängige Immobilienvertriebe weiter. Vor allem in der Schweiz, da Timesharing dort praktisch erfunden wurde und eine lange Tradition hat. Denken Sie nur an Hapimag. Und die Schweizer Gäste, welche ins Hotel kamen, waren durch die Bank zufrieden.

FWZ: Sie sollen aber nicht nur das Hotel, sondern auch die Schweizer Vertriebe kontrollieren und ein „Timesharenetzwerk" aufgebaut haben?
G. Staudinger: Diese Vorwürfe kamen von einem Tag auf den anderen und hatten ihren Ursprung in einer Angelegenheit, die mit Schweizern gar nichts zu tun hatte. Eigentlich eine Provinzposse. Aber, mit mafiösen Zügen. Oberhalb des Saalbacher Hotels wurde ein Bauvorhaben verwirklicht und von den Bauherren, besser gesagt von ihrem Rechtsvertreter, vergessen die notwendige Zufahrtstrasse zu beantragen. Also wurde der Bau über ein Strasse, welche auf Grund und Boden der LTH (Anm: Lindner Touristik und Hotel) liegt, ohne die Genehmigung einzuholen, abgewickelt. Wir sollten praktisch enteignet werden. Und als Krone haben wir festgestellt, dass bezüglich dieser Zufahrtstrasse im Grundbuch manipuliert wurde. Wir haben dann Strafanzeige gegen den Hintermann dieser Aktionen gestellt, den Anwalt Manfred König. Im Übrigen gab es im Rahmen dieses Bauvorhaben mehreren Strafanzeigen von allen möglichen Seiten gegen eben diesen Anwalt

M. Staudinger: Und aus dieser Ecke kamen schnell die unheimlichsten Drohgebärden. Mann würde das Hotel in den Konkurs treiben und ähnliches. Ziemlich zeitgleich erschien dann eine Schweizer Internetseite, betrieben von dem Schweizer Anwalt Bernhard Maag. Und Maag arbeitet rein zufällig wieder zusammen mit - dreimal dürfen Sie raten. Richtig, mit König. So schließt sich der Kreis. Natürlich kam es zu Disziplinaranzeigen bei den zuständigen Rechtsanwaltskammern. Das Ergebnis gegen Dr. König wurde uns auch bekannt gegeben, aber in Österreich wäre es gesetzeswidrig, wenn wir das Urteil veröffentlichen würden.
Manfred Staudinger, Wolfermann und Shimon Peres

FWZ: Kann man das Ergebnis dieser Anzeige aus Ihrem Gesicht ablesen?

M. Staudinger: Wenn Sie meinen, das Urteil hätte mich fröhlich gestimmt, dann ist das so. Es hat meine Erwartungen übertroffen. Allerdings hat das König und Maag nicht daran gehindert weiter zu machen. Ich denke schon an die nächsten Anzeigen. Auf jeden Fall müssen wir auch strafrechtliche Möglichkeiten überprüfen, denn die Herren schaufeln sich mit ihren Unwahrheiten auch noch die Taschen voll. Hier werden gutgläubige Kunden verunsichert und zu guter Letzt um ihr wohlverdientes Geld gebracht.

G.Staudinger: Richtig, den Konsumenten wird vorgegaukelt, sie müssten unbedingt die Hilfe dieser zweier Anwälte in Anspruch nehmen. Und Maag selbst schreibt, dass er das leider nicht unentgeltlich tun kann. König hat sich sogar schon vor Zeugen in unserem Hotel gebrüstet, er würde den Schweizer Mandanten einen Stundensatz von 1.200 Euro verre- chnen. So viel Dreistigkeit grenzt doch schon an Betrug. Die Konsumenten werden in einen Gerichtsfall nach dem anderen gehetzt. Alle mit dem identischen Ergebnis, zwischenzeitlich schon bis zum OGH (Anm.: entspricht dem deutschen BGH): Die Kunden verlieren vor Gericht und ihr sauer Erspartes geht an die zwei besagten Herren als Honorar.

FWZ: Klingt ganz nach einer „never ending story"?

M. Staudinger: Nicht mit uns. Wir haben einen Schlußstrich gezogen. Wir haben von den verbliebenen Timeshare-Kunden die ursprünglich erworbenen Rechte zurückgekauft. Das war uns aufgrund einer Vertragsklausel möglich. Und so etwas hat der Timeshare-Markt mit seinem ansonsten zweifelhaften Image noch nie gesehen: Zuerst werden die geschädigten Verbraucher eines Timesharekonkurses gerettet und zu guter letzt erhalten die Kunden noch Geld zurück.

FWZ: Ist das Kapitel Timesharing damit für sie endgültig abgeschlossen?

M. Staudinger: Man sollte niemals nie sagen. Wir sind als Projektentwickler für touristische Bauvorhaben international tätig. In Deutschland wird oft ver- gessen, dass die größten Hotelketten der Welt wie Marriotts, Starwood (Anm: Sheraton, Westin u.a.), Wyndham oder Hilton auch gleichzeitig die größten Timeshare-Konzerne der Welt sind. Wir können und wollen uns da keine Türen zuschlagen. Und von der Seriosität dieser Unternehmen sind wir überzeugt.

G. Staudinger: Wir werden aber sicher nicht unsere Kerngeschäfte vergessen. Mit dem Golfresort König Ludwig haben wir es in drei Jahren geschafft eine deutschlandweit bekannte Marke zu kreieren, die mit Auszeichnungen nur so überhäuft wurde. Wir werden auch weiter in den Golftourismus investieren. Und als einen Zukunftsmarkt sehen wir nach wie vor die Türkei, wo wir eine Immobilienbebauung am ersten Golf- platz von Izmir und zwei Großprojekte in Antalya voran treiben. Und da jede Krise eine Chance ist, kann ich mir vorstellen, dass in Spanien etwas geht: Zuerst war es tropisch überhitzt und zuletzt im tiefsten arktischen Winter. Also könnte jetzt eigentlich ein zweiter Frühling folgen.

Manfred und Gerald Staudinger mit Hubert Neuper

FWZ: Sie haben sich neben der Projektentwicklung in den vergangenen Jahren auch noch ein zweites Standbein in der Pharmaindustrie geschaffen.

M.Staudinger: Halt! Stop, stop, so kann man das wirklich nicht sagen. Ich hab´ da eine These: Jeder Unternehmer investiert einmal im Leben in Pharma. Meistens ist irgendwann das ganze Geld weg. Also war es nur eine Frage der Zeit bis auch unsere Familie an der Reihe war . . .

G. Staudinger: . . . man ist so fasziniert davon, dass man mit seinem Geld auch etwas Sinnvolles tun kann. Zum Beispiel den Krebs besiegen und am Ende hat man nicht nur Spuren in den Geschichtsbüchern hinterlassen sonden auch noch für Generationen finanziell ausgesorgt . . .

M. Staudinger: Und darüber vergisst man dann das Risiko. Ganz ehrlich: Auch wir haben auf die Schnauze bekommen. Aber es gibt immer noch einen Funken Hoffung. Und wir haben vereinbart, dass wir über diese Beteiligungen so lange nicht mehr öffentlich sprechen, bis entweder die Asche kalt ist oder ein richtiges Feuer lodert. Also, nächste Frage.

FWZ: Sie sind auch politisch aktiv?
M. Staudinger: Na ja, das hält sich in Grenzen. Es trifft schon eher zu, dass ich ein politisches Standing habe. Ich bin seit über 25 Jahren Mitglied der sozialdemokratischen Bewegung. Meine letzte Tätigkeit als Mitglied eines Landesvorstandes im Wirtschaftsverband war aber eher bescheiden. Ich hatte das unterschätzt .

G. Staudinger: Ich habe mit Politik nichts am Hut . . .

M. Staudinger: Meinem Bruder geht es so wie vielen. Sie wollen schnelle Ergebnisse - und Politik ist ein ziemlich langsames Medium. Ich würde mir mehr Kreativität wünschen. Lassen Sie mich das Thema für eine Sekunde vertiefen: Wir beide sind Anhänger einer so genannten Weltbesteuerung, wie es die Amis vormachen. Wer deutsche Schulbildung genossen hat, wer seine Kommunikationsfähigkeit und damit auch diverse Erfolgsformeln um sich beruflich durch zusetzen wesentlich auch seiner Herkunft und Erziehung zu verdanken hat, schuldet diesem Land ein Leben lang etwas. Egal wo er oder sie im späteren Leben den Wohnsitz oder Lebensmittelpunkt haben. Ich denke dabei an Promis wie Heidi Klum oder Michael Schumacher. Es kann doch keiner glauben der Schumi wäre überhaupt irgendetwas geworden, wenn er nicht in Deutschland aufgewachsen wäre. In der Schweiz sind Autorennen verboten und als Werbemarkt würden die Eidgenossen nicht viel hergeben. Das gleiche gilt übrigens auch für Schraubenkönige, Milchbarone und ehemalige Stahl- dynastien. Durch und mit Deutschland reich werden und dann abhauen, geht gar nicht.

FWZ: Apropos Schweiz, Sie sind im Dreiländereck am Bodensee aufgewachsen . . .

M. Staudinger: Was natürlich Vorteile hat. Wir können mit allen gut. Deshalb ärgern mich auch die Vorwürfe dieses Schweizer Anwaltes, wir würden Schweizer „abzocken".

G. Staudinger: Wir haben beide schon in unserer Jugend in den Ferien in der Schweiz gejobt. Mein Bruder war später sogar Managementtrainer in Zürich und hat Unternehmen wie die MIGROS betreut. Vor Jahren waren wir mit unserer Eventfirma unter anderem für das Schweizer Vorzeigeunternehmen Davidoff sehr erfolgreich.

M. Staudinger: Der Begriff der „Davidoff-Lounge" stammt praktisch von uns. Erstmals haben wir so eine Lounge für Davidoff beim Sportpresseball in Frankfurt organisiert. Und dann noch beim Hahnenkammrennen in Kitzbühel und auch die Kontakte zum Münchener Oktoberfest wurden durch unsere Mitarbeiter hergestellt. Die Davidoff-Lounge ist doch an vielen Orten gar nicht mehr weg zudenken.

G. Staudinger: . . . es ist erstaunlich, wie sich Davidoff trotz der strengen EU-Regularien zu Tabak auf Sportveranstaltungen immer noch in diesem Umfeld bewegen kann. Es soll sogar eine Lounge in der Allianzarena geben, schon erstaunlich wie das der Reto (Anm.: Reto Cina, Vorstandsvorsitzender Davidoff) immer hinkriegt.

FWZ: Die Fussball-WM 2010 steht vor der Tür, gibt es wieder ein soziales Projekt, wie die „streetkids 2006", das Sie unterstützen?

M. Staudinger: Die meisten Leute wissen nicht, was das an Zeit kostet und da steht derzeit meine zweijährige Tochter an erster Stelle. Aber natürlich liegt mir nach wir vor das „Peres Center for Peace" am Herzen. Die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinenser ist ein Schlüssel für zahlreiche weltweite Konflikte. Wir haben vor fünf Jahren in der Münchner Allianz Arena ein Spiel einer Bayern München Nachwuchself gegen ein gemischtes israelisch-palästinensisches Juniorteam vor 50.000 Zuschauern mit organisiert. So etwas könnte ich mir auch für Salzburg, Wien, Zürich oder Bern vorstellen. Aber anstatt eines Nachwuchsteams mit richtigen Weltstars. Das wäre noch einmal ein Ziel.

FWZ: Soziales Engagement wurde in letzter Zeit zu einer Modeerscheinung - wer „in" sein will, muss auf Charitys präsent sein?!

G. Staudinger: Furchtbar - und zum Teil mit pseudo-sozialen Veranstaltungen: Ein Großteil der Erlöse wird in die First Class Flüge der eingeladenen Prominenz gesteckt. Ich glaube mein Bruder hat da eine besonders negative Erfahrung gemacht, oder?

M. Staudinger: Meinst Du das „Power Child"-Projekt von Veronica Ferres? Ich glaube es war das großformatige Blatt aus Hamburg, das schrieb, über 50 Prozent der Gelder dieser Spendengala wären in der Administration "ver- schwunden". Ja, ja, wir haben da bei einer Versteigerung 17.000,- Euro für ein Treffen in Paris mit John Malkovich bezahlt. Ich wollte die Chance nützen und den Hollywoodstar als Botschafter für das „Peres Center for Peace" gewinnen. Und obwohl wir natürlich die gesamte Summe noch am gleichen Abend bezahlt haben, kenne ich John Malkovich bis heute nicht. Ich habe dann diesen Preis zurückgegeben mit der Auflage, dass die nächste Person, die das ersteigert, Herrn Malkovich auch wirklich trifft.

FWZ: Und hat das wenigstens geklappt?

M. Staudinger: Keine Ahnung. Der ganze Vorgang hat dem Hintermann und damaligen Ferres-Ehegatten Martin Krug nicht gepasst. Solche Leute sind entweder nicht kritikresistent oder haben die Bild-Headline „Wir sind Papst" zu wörtlich genommen. Wir wurden zu Powerchild-Galas nicht mehr eingeladen. Aber ich wäre da wahrscheinlich auch nie mehr hingegangen. . .

G. Staudinger: Entweder bezahlt man soziales Engagement aus der eigenen Tasche oder man soll es bleiben lassen. Mitunter lässt sich nicht vermeiden, dass man mit diesen Aktivitäten auch in der Yellow Press landet, aber das sollte nun wirklich nicht der Antrieb sein.

„Wenn wir immer der gleichen Meinung wären, wäre einer überflüssig."

M. Staudinger: Es gibt eine Art von Entlohnung, die in keiner Klatschspalte steht. Als wir Kinder aus Ruanda in ein Laureus-Camp eingeladen haben, kam der Anruf aus dem Entwicklungs- hilfeministerium: Danke für die Flugtickets, jetzt brauchen wir nur noch Schuhe für die Kids. Da geht einem das Herz auf. Sie müssen wissen, dass durch den Bürgerkrieg über 60 Prozent Halb- oder Vollwaise sind. Selbst- verständlich haben wir auch noch das Schuhwerk organisiert. Aber zu sehen, wie Kinder verfeindeter Volksgruppen, deren Eltern sich noch gegenseitig gemeuchelt haben, gemeinsam bei einem Sportfest an einem Strang ziehen, gibt einem mehr als jedes öffentliche Lob.

Franz Beckenbauer mit Manfred Staudinger

FWZ: Sie wollen uns aber nicht erzählen, dass Sie keine Vorteile aus Ihren sozialen Aktivitäten gezogen haben. Ihnen werden doch auch neue Geschäftskontakte dadurch auf dem Silbertablett präsentiert.
G. Staudinger (lacht): Wer sind wir denn? Auf jeden Fall viel zu klein. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Ferdinand Piech, den mein Bruder bei Sitzungen des „Peres Center for Peace" getroffen hat, mit solchen Kontakten etwas anfangen kann. Aber wir?
M. Staudinger: Genau, es ist sicher für einen kleinen Mittelständler wie mich eine große Sache, wenn ich Bill Clinton die Hand schütteln und smalltalken darf. Ich geb es zu: Ein geiles Gefühl. Oder ein einmaliges Erlebnis, dass Frederik de Klerk (Anm.: Friedensnobel- preisträger und ehemaliger Premier- minister Südafrikas) in der Hotelbar mit mir Strategien zu Friedensprozessen diskutiert. Aber ich kann mit hundertprozentiger Gewissheit sagen noch nie einen Cent mit solchen Kontakten verdient zu haben. Freundschaften, ja, die gibt es. Ron Pundak, der eigentliche Architekt des Oslo-Vertrages für den es den Friedensnobelpreis gab, wurde zu einem Freund. Aber auch das sind Persönlichkeiten, die sich nicht nach vorne drängen.

G. Staudinger: Mir fällt da Franz „Bulle" Roth ein. Ohne ihn hätte Bayern München einen Stern weniger auf der Brust. Der Bulle hat sich nie in den Vordergrund gedrängt, aber wenn du ihn brauchst, ist er da. Solche Menschen werden dann, auch wenn man sich viel zu wenig trifft, zu Freunden.
M. Staudinger: Mir ist egal, ob man uns glaubt, dass soziale Projekte eine Herzensangelegenheit sind und nichts mit Geschäften zu tun haben, oder nicht. Haim Shaban, der ehemalige Besitzer der Sat 1 / Pro 7 -Sendergruppe, hat mir einmal das Angebot gemacht, „Manfred Ihr gebt so viel, wenn ihr `mal etwas nehmen wollt, ist meine Tür für Euch immer offen, irgendjemand muss Euch etwas zurück geben." Ich habe das als Kompliment, als Anerkennung empfunden. Mehr nicht.

FWZ: Sind Sie sich in Ihren Plänen eigentlich immer einig?

G. Staudinger: Wenn wir immer der gleichen Meinung wären, dann wäre doch einer von uns überflüssig (lacht). Zum Beispiel drängt man mit diesen sozialen Aktivitäten ungewollt natürlich auch in die Öffentlichkeit und ich liebe eher das Understatement. Ich könnte auch auf so zweifelhafte Internetseiten, wie diejenige, über die wir uns hier am Anfang viel zu lange unterhalten haben, verzichten. Nicht wegen mir selbst, aber solche Leute denken nicht eine Sekunde daran, dass auf der anderen Seite auch Familien sind. Mit Vätern, Mütter, Kinder. Einfach verantwortungslos.

M. Staudinger: Ich habe da einen ganz einfachen Grundsatz, der mich begleitet. So schreibt dieser Schweizer Anwalt auf seiner Seite, er hätte mich um eine Stellungnahme angefragt, was natürlich erstunken und erlogen ist. Aber, ich hätte ihm auch keine gegeben, weil ich mir schon vor vielen Jahren geschworen habe, mich in meinem Leben nie mehr auf ein bestimmtes Niveau herab zu lassen, ganz nach dem Motto „Was juckt es die Eiche, wenn sich die Wildsau daran reibt."

FWZ: Danke für das Gespräch.

Manfred Staudinger

 
 
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