Kunst, Markt und Recht
Joseph Beuys Ausspruch „Jeder Mensch ein Künstler" ist eine bekannte gesellschaftspolitische Aussage, die meint, dass jedem Menschen kreative Energie zueigen ist.Inwieweit das Ergebnis schöpferischer Akte und die Künstler selber im Spannungsfeld des Rechts einzuordnen sind, ist oftmals schwer zu überblicken. Bedauerlicherweise hat es der Gesetzgeber bis heute unterlassen, den Künstlerberuf, seine Rechtstellung und die rechtliche Qualität von Kunstwerken umfassend und übersichtlich zu regeln.
Eine publizistische Lösung, um sich im rechtlichen Dschungel des Kunstmarktes zurecht zu finden, bietet das neueste Werk von Prof. Dr. Gerhard Pfennig – einem anerkannten Experten auf diesem Gebiet.
Pfennig ist Rechtsanwalt und geschäftsführendes Vorstandsmitglied der VG Bild-Kunst, der deutschen Verwertungsgesellschaft für Bildende Kunst, Fotografie, Grafik-Design und Film und Geschäftsführer der Stiftung Kunstfonds. Er ist im Bereich der Entwicklung des Urheberrechts, insbesondere der Entwicklung der Verwertungsgesellschaften für Bildende Kunst, Fotografie und Film international tätig und Mitglied einschlägiger Fachgremien. Darüber hinaus ist Pfennig auch Mitglied des Beirats der Künstlersozialkasse.
Pfennigs Buch schafft bietet einen lesenswerten und vor allem wichtigen Einstieg und Überblick, der es Künstlern, Juristen und Laien ermöglicht, sich über wesentliche Rechtsfragen des Kunstschaffens- und Marktes zu informieren. Dabei werden die vielfältigen Kunstformen und medialen Möglichkeiten, Kunst zu platzieren und zu publizieren, rechtlich gewürdigt.
Einzelinhalte
Wie bereits der Untertitel andeutet, behandelt der Leitfaden den rechtssicheren Umgang mit Kunstwerken, d. h. die urheberrechtlichen, steuerrechtlichen und zivilrechtlichen Fragen des Kunstschaffens, des Kunsthandels, der privaten und öffentlichen Kunstausstellungen, insbes. der Museen, der Kunstliteratur und des Kunstsammelns sowie des Vererbens von Kunst. Das komplexe Gesamtthema wird sehr übersichtlich in 20 Kapiteln aufgearbeitet:
Kunstwerke produzieren- Rechte an Kunstwerken verwerten
- Kunstwerke verkaufen
- Kunstwerke im Internet verwenden
- Vermietung
- Leasing
- Ausstellen / Publizieren
- Fernsehen und Kunst
- Werke vervielfältigen
- Original und Fälschung
- Video- und Medienkunst
- Nutzung von Fotografien und Lichtbildwerken
- Auftragskunst
- Kunst in der Öffentlichkeit
- Kunst und Wissenschaft
- Die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst
- Künstlersozialkasse
- Kunst stiften und vererben
- Kunst und Steuer
- Tod und Leben
- Gerichte und Rechtsstreitigkeiten
Die Darstellung ist klar strukturiert und lässt sich über einen umfangreichen Registerapparat auch leicht als Nachschlagewerk zur Lösung spezieller Teilfragen erschließen. Ein großer Lesevorteil liegt auch darin, dass sich der Journalist schnell informieren kann, während dem Juristen notwendige weitere Quellen zur Vertiefung geboten werden. Der Stil des Autors ist dabei verständlich und auch für den juristischen Laien sehr gut lesbar.
Lesebeispiel zum Aspekt "Urheber- und Werkbegriff"
„Die rechtlichen Beziehungen zwischen Urheber und Werk sind in der Systematik des Gesetzes in zwei große Komplexe aufgeteilt: einerseits die → Urheberpersönlichkeitsrechte, die die geistigen und persönlichen Beziehungen des Schöpfers zu einem Werk wie ein „Mutter-Kind-Verhältnis" schützen und andererseits die verwert- bzw. vermarktbaren → Nutzungsrechte. Hinzu kommen die → Vergütungsansprüche, die dem Urheber dann zustehen, wenn der Gesetzgeber zwar die Nutzung eines Werks durch die Allgemeinheit oder Schulen, Universitäten und sonstige Einrichtungen zur Vermittlung von Bildung und Wissenschaft gestattet, aber, weil es sich um eine Einschränkung der Nutzungsrechte der Urheber handelt, als Gegenleistung eine Vergütungspflicht besteht."
Kunstwerke im Internet
Ein Beispiel dafür ist die Verwendung von Kunstwerken im Internet. Pfennig zeigt auf, dass die oftmals noch heute kolportierte Vorstellung der vermeintlichen Rechtsfreiheit im Internet eine fatale Fehleinschätzung darstellt. „Ohne Genehmigung der Werkurheber darf niemand geschützte Werke ‚ins Netz stellen', also für Dritte zugänglich machen. Wer also zu privaten Zwecken aus seinem MP3-Player mit Hilfe legaler Downloads eine musikalische Datenbank entwickelt hat, ist zwar zum privaten Musikgenuss berechtigt; sobald diese Datenbank jedoch zusätzlich gespeichert auf der Festplatte eines netzfähigen Computers, über das Internet auch anderen Nutzern zugänglich gemacht wird, verletzt der Inhaber geschützte Rechtspositionen der Komponisten und Produzenten."
Das Buch zeigt dabei nicht nur urheberrechtliche Verletzungshandlungen durch Internetnutzungen auf, sondern bietet auch Hinweise darauf, wie Rechteinhaber jetzt aufgrund des neu gefassten § 101 Urheberrechtsgesetz von Internetprovidern die erforderlichen Angaben einfordern können, um ihre Rechte geltend machen zu können.
Die Künstlersozialkasse und andere Institutionen
Neben der urheberrechtlichen Behandlung des Themas Kunst als solches, geht Pfennig auf die sozialversicherungsrechtlich wichtige Problematik der Künstlersozialkasse ein, in der 2008 nahezu 160.000 Künstler und Publizisten versichert waren.
Daneben skizziert das Buch Bedeutung, Rechte und Pflichten wichtiger institutioneller Eckpeiler der beruflichen Existenz wie die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst. Aber auch die materiell- wie verfahrensrechtlichen Voraussetzungen im Urheberrechtsbereich werden übersichtlich in kurzen Abschnitten – auch für den gebildeten Rechtslaien verständlich – dargestellt.
Zielgruppe: Künstler, Kunsthändler, Medienrechtler und Kunstliebhaber
Das Buch wendet sich vorrangig an Künstler, Kunsthändler, Medienrechtler und Kunstliebhaber. Es bietet darüber hinaus für jeden an Kunstwerken Interessierten (und das gilt bereits für denjenigen, der auf seiner Internet-Homepage geistige Schöpfungen Dritter verwendet) wichtiges Informationsmaterial.
Es handelt sich um ein hervorragendes Nachschlagewerk zu allen relevanten Einzelthemen des Urheberrechts auf dem Kunstmarkt. Abgerundet wird die Darstellung durch einen größeren Auszug aus dem aktuellen Urheberrechtsgesetz sowie einem Stichwortverzeichnis.
Gerhard Pfennig: Kunst, Markt und Recht. Einführung in das Recht des Kunstschaffens und der Verwertung von Kunst. Band 7 der Berliner Bibliothek zum Urheberrecht. München 2009, 232 Seiten, € 26,-, ISBN: 978-3-939438-07-6.
Jürgen Seul