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Buchkunst - russisch gestimmt

Autor: Dr. K. Schäfer | Erstellt am: 23.06.2008 | Gelesen: 1270
Kategorie: Kunst - Kultur & Religion | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Neue Ausstellung im Russlandjahr mit Gisela Mott-Dreizler

Neue Ausstellung im Russlandjahr mit Gisela Mott-Dreizler
Neue Ausstellung im Russlandjahr mit Gisela Mott-Dreizler
Die dritte Ausstellung des russischen Ausstellungsjahres im Tönninger Hotel Miramar, die zugleich mit dem Kultursommer und dem Schleswig-Holstein Musikfestival zusammenfällt, stellt Illustrationen zu russischen Autoren in den Mittelpunkt.

Gisela Mott-Dreizler (* 1941) ist freie Malerin und Grafikerin, aber auch Illustratorin; sie beherrscht ein breites Spektrum an Techniken und hat sich seit 1970 überregional einen Ruf als erstrangige Künstlerin mit dem feinen Sinn für das Zusammenspiel von Text und bildnerischer Umsetzung gesichert.

Die Verbindung von Literatur und Kunst zu einem Gewebe, das gleichermaßen Intellekt und Auge anspricht, ist eines ihrer Hauptanliegen. Große Dichter und ihre Werke sind in ihren Bildern quasi „zuhause". Das Erzählerische ist dabei das Hauptmerkmal ihrer „sprechenden Bilder". Viele ihrer Holzschnitte und Radierungen bereichern die Texte der kunstvoll gefertigten Bücher des Verlages der Quetsche in Witzwort (Nordfriesland), den sie gemeinsam mit ihrem Partner Reinhard Scheuble betreibt.

Aus dem unfangreichen Programm wurden für diese Ausstellung folgende Werke ausgewählt:
Von Alexander Puschkin: „Die Mär vom Pfaffen und Töffel, seinem Arbeitsmann" von 1833. Sie verwendet dabei den Holzschnitt als Technik. Das Märchen ist in einfachem Versmaß in Reimen verfasst. Puschkin greift hier ein Motiv auf, das man auch aus deutschen Volksmärchen kennt: der Teufel wird mit einer List ausgetrickst. Verbunden wird dieses altbekannte Erzählmuster mit den volkstümlichen, russischen Traditionen der antiklerikalen Kritik.

Nikolai Gogol: die Geschichte „Schreckliche Rache" von 1831; als Technik wurde der Linolschnitt gewählt. Die Erzählung spielt zur Zeit des Aufstandes der ukrainischen Kosaken gegen Polen um 1648. Der Schrecken geht um bei den Kosaken: der „Zauberer" ist zurückgekehrt. Seine wahre Identität ist unbekannt; er möchte seine Tochter Katerina zum Inzest zwingen und will ihren Ehemann, den kriegerischen Kosaken Pan Danilo, töten.

Von Ivan Turgenev: die Erzählung „Phantome" von 1863; hier arbeitet die Künstlerin mit Lithographien. Der Text aus der Spätphase des Autors ist auch unter dem Titel „Gespenster" bekannt; es handelt sich um eine phantastische Geschichte an der Grenze zum Unheimlichen: Ein Phantom reist mit einem russischen Adligen durch Europa.


Für die Künstlerin ist es immer wieder ein beinahe mystischer Vorgang, wenn Text und Bild zusammenfinden. Denn Mott-Dreizler ist keine Illustratorin im modernen Verständnis, sie setzt den Text nicht 1:1 um, vielmehr nähert sie sich dem Text im eigentlichen Wortsinn des Begriffs „Illustrieren" (lat. illustare): sie erhellt den Sinn des Textes, sie bringt ans Licht, was beim flüchtigen Lesen übersehen wird und was hinter dem Offensichtlichen steht, sie erklärt und interpretiert. Die Texte werden lebendig – auch deshalb, weil sich die Künstlerin von den Worten führen lässt, um die jeweils geeignete Technik auszuwählen.


Eröffnung: 13. Juli, 18 Uhr; begleitet wird der Eröffnungsempfang mit einer Lesung aus den illustrierten Werken. Es liest: Günther Lefeber, Tönning.

Hotel Miramar, Westerstr. 21, 25832 Tönning, Tel.: 04861-9090. Öffnungszeiten: tägl. 8.00 Uhr bis 23.00 Uhr. Dauer der Ausstellung: 13. Juli – 31. August

Autor: Dr. Katrin Schäfer
 
 
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