Seit Online Optiker wie Mister Spex oder die Betreiber von
brillen-online.org damit begonnen haben, den Optiker Markt in Deutschland gehörig in Aufruhr zu versetzen, haben viele Menschen noch Bedenken beim Brillenkauf über das Internet. Insbesondere sind die Vorbehalte darin begründet, dass man keine Möglichkeit hat, die Brille vorher aufzusetzen oder den Sitz und die Verarbeitung zu prüfen. Die Versender reagieren mit allerlei Maßnahmen darauf und bieten kostenlosen Rückversand und lange Rückgabefristen an.
Den Punkt des Aufprobierens versuchen sie allerdings anders zu lösen. Eine virtuelle Anprobe soll den potenziellen Kunden helfen, die richtige Brille zu finden und den Shop dabei unterstützen, die Rückläufer möglichst gering zu halten - denn die drücken die Gewinne.
Technisch gesehen sind die Anprobetools immer Bild-im-Bild Techniken. Dabei wird ein Foto des Benutzers hochgeladen und in einer Box platziert. Ein weiteres Foto einer Brille in Frontansicht wird dann mit durchsichtigem Hintergrund darüber bewegt. Der Nutzer muss dann die Brille so auf dem Bild platzieren, dass es so aussieht, als wenn das Gesicht die Brille trägt. Dies ist allgemein das Verständnis eine Brillenanprobe im Netz.
Wie man leicht bemerkt, ist dieses Verfahren durch einige Probleme nicht gerade begünstigt:
1. Ausrichtung und Größe des Bildes: Das Bild, das man hochladen muss, muss wirklich direkt frontal fotografiert worden sein. Außerdem müssen die Proportionen in etwas mit denen der Brille übereinstimmen. Ansonsten wirkt das Bild schnell eher humoristisch als hilftreich.
2. Wirkung nur frontal: Eine Brille wird nicht nur von vorne gesehen. Gerne würde man sich auch ein Bilder von der Seite machen, in etwa wieder Bügel auf dem Ohr aussieht und wie gut er sitzt. Dies ist in der Regel aber nicht möglich.
3. Format des Brillenbildes: Die Brille mit dem durchsichtigen Hintergrund muss in etwa auch auf die Proportionen des Kopfes passen, um das Verhältnis realistisch wirken zu lassen.
4. Getönte Gläser: Wer eine Sonnenbrille aufprobieren möchte, kommt schnell in Schwierigkeiten, wenn die Gläser nicht vollständig verspiegelt sind. Der Eindruck ist in dem Fall nicht natürgemäß.
Fazit: Der Brillenkauf im Internet boomt stark und ist mit Sicherheit ein Zukunftsthema. Die Tools, mit denen die Optiker arbeiten, um ein lokales Erlebnis zu simulieren, sind dagegen noch wenig ausgereift. Die Zukunft wird zeigen, ob man sich hier verbessern kann, oder ob man online anderweitig überzeugen muss.
Johann Jansen