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BMW 520d Touring: Kombi-Traumkombi

Autor: autonet | Erstellt am: 29.12.2010 | Gelesen: 3946
Kategorie: Auto - Motor & Verkehr | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Bestechend schlanke Silhouette: mit dem neuen 5er Touring hat sich BMW wieder einen Platz in der Hall of Fame der begehrenswertesten Autos ergattert.

Der Beste des autonet.at-Intensivtest-Jahres 2010: BMW 520d Touring
Der Beste des autonet.at-Intensivtest-Jahres 2010: BMW 520d Touring
Können, oder besser: wollen Sie sich noch an den E60 erinnern? In die Knie ist man angesichts des, der Feder von Chris Bangle entstammten, 2003 gelaunchten 5er-BMW nicht gegangen - gelinde gesagt. Repräsentativ war er ja, keine Frage. Allerdings eher etwas für die Grobmotoriger unter uns. Feinsinnigere und der Ästhetik zugeneigtere Naturen gaben da eher segmentsadäquatem aus Ingolstadt oder Stuttgart den Vorzug. Zuletzt hat es sogar den Anschein gemacht, als ob Mercedes BMW mit der E-Klasse den Dynamik-Rang ablaufen würde – zumindest punkto Optik. Aber dann kam Anfang Jänner der F10, wie die Bayern ihren neuen 5er konzernintern bezeichnen, und das Blatt begann sich wieder zu wenden. Aktuell ist der Business-Bayer zweifellos das in jeder Hinsicht gediegenste, was der Markt im Bereich der oberen Mittelklasse hergibt. Wie sich Audi mit dem im Frühjahr erscheinenden neuen A6 dagegen stemmt, bleibt abzuwarten.

Phönix aus der Asche

Wir lassen nicht locker: wenn die 5er-Limo schon derart wohlgestalt ist, dann müssen der Touring-Variante unumwunden Top-Modell-Qualitäten attestiert werden. Geprägt von ausnehmend fluider und schmaler Silhouette lastet auf des Fünfer-Touring Hüften kein Gramm Fett. Statt nach oben oder zur Seite baut der Bayer nach unten. Alles an ihm strebt Richtung Asphalt, was den Eindruck hinterlässt, der 5er würde von diesem angesaugt. Was interessanter Weise die notorischen Nörgler auf den Plan ruft, sind die Türgriffe. Na, wenns denn sonst nichts ist . . . Und sonst ist auch nix, was es zu bemäkeln gebe. Auch heckwärts, dem einstmaligen Pferdefuß der Bangle-Bayern: horizontal schmal gebaut, nobel zurückhaltend und dennoch von höchst dynamischer Präsenz.

BMW 520d Touring von der seite
Geprägt von ausnehmend fluider und schmaler Silhouette lastet auf des Fünfer-Touring Hüften kein Gramm Fett.

BMW 520d Touring Heck
Auch heckwärts, dem einstmaligen Pferdefuß der Bangle-Bayern: horizontal schmal gebaut,
nobel zurückhaltend und dennoch von höchst dynamischer Präsenz.


Business-Klasse

Genug des schwülstigen Dahingelabers? Noch nicht ganz. Ein wenig müssen Sie das noch aushalten. Etwa wenn es um die Innenarchitektur geht. Was soll man denn da aussetzten und damit der dem Motorjournalisten abverlangte kritische Betrachtungsweise genüge tun? Auch hier: statt in die Höhe, wird in die Breite gebaut. Die streng lineare Orientierung an der x-Achse zeitigt eine elegante, großzügige Optik. So hat ein Business-Transporter zu sein: bar jeglicher Verspieltheit, organischer Formen und unangebrachter humoresker Anwandlungen. Straight und unmissverständlich auch die Bedienung: Jeder Griff sitzt auf Anhieb. Apropos sitzen: Das tut man vortrefflich auf dem fein ausgeformten, straff ausgelegten (in unserem Testfall) "Dakota Zimtbraun"-farbenen Ledergestühl. Feist und griffig liegt das Ledersportlenkrad in der Hand.

BMW 520d Touring Gang-Schalter
Sein volles Potential spielt der 520d allerdings nur mit der in unser Testauto verpflanzten 8-Gang-Sportautomatik aus.
Muss händisch umgerührt werden, verliert der Basisselbstzünder etwas von seinem leichtfüßigen Naturell.
Die Krux: der dynamische Wandler will mit runden zweieinhalb Flocken teuer bezahlt werden.


BMW 520d Touring Innenraum
Die streng lineare Orientierung an der x-Achse zeitigt eine elegante, großzügige Optik.
So hat ein Business-Transporter zu sein: bar jeglicher Verspieltheit,
organischer Formen und unangebrachter humoresker Anwandlungen.


Standesgemäß

Derart ins fahrerische Geschehen eingebunden entsteht der Eindruck in einer mit Hochpotenz versehenen Version des 5er Touring Platz genommen zu haben. Doch hier irrt der Mensch. Es ist der Einsteigerdiesel, der 520d, der hier sein Tagewerk verrichtet – zwei Liter Hubraum, vier Zylinder, 184 PS. Nebbich für einen Standesvertreter der R6-Hochkultur? Aber mitnichten nicht! Die Zeiten haben sich geändert, meine Herren. Zum einen ist es einmal die standesgemäße Tonalität, mit der der Commonrailer hier Eindruck schindet: Satt, homogen und vollkommen vibrationsfrei nehmen die Dinge ihren Lauf.

Leistungsstarke Basis

Auch leistungsmäßig ist man mit dem Verdacht der Unterrepräsentanz des Downsizers fehl am Platze. Wer hier das Gleichnis mit der Wurst und dem Turnsaal ins Treffen führt, ist auf dem Holzweg, wenn Sie wissen, was gemeint ist. Erstaunlich, wie leicht sich der turbobeatmete „Murl" mit den rund 1,8 Tonnen des 520d Touring tut. Da zeigen die bereits ab frühen 1.750 Touren zur Verfügung stehenden 380 Newtonmetern eindrücklich Wirkung. Auch beim Spurt auf 100 sollte man sich nicht auf allzu lange Wartezeiten einstellen. Der ist in 8,3 Sekunden erledigt. Sein volles Potential spielt der 520d allerdings nur mit der in unser Testauto verpflanzten 8-Gang-Sportautomatik aus. Muss händisch umgerührt werden, verliert der Basisselbstzünder etwas von seinem leichtfüßigen Naturell. Die Krux: der dynamische Wandler will mit runden zweieinhalb Flocken teuer bezahlt werden.

Verzichtfreies Sparen

Wer aus pekuniären Gründen andenkt, darauf zu verzichten, sollte allerdings den Rechenschieber heranziehen und vor dem Hintergrund der ausgezeichneten Effizienz des Motors überlegen, ob es sich am Ende nicht doch ausgeht. 5,3 Liter sind es im Schnitt, die BMW im Datenblatt des 520d Touring ausweist. Wieder so eine weltfremde, unter vollkommen unrealistischen Laborbedingungen erhobene Zahl – sollte man meinen. Dass dem nicht so ist, zeigte sich am Ende unserer zweiwöchigen Testfahrt: Der Bordcomputer wies einen Verbrauch von 5,8 Liter aus. Und es sei an dieser Stelle noch mal erwähnt: verzichtfreies Spritsparen, in dieser Domäne sind die Bayern zurzeit absolut führend.

Mehr Raum

Bei all dieser Tugendhaftigkeit, hätten wir nun beinahe das aus den Augen verloren, wofür Kombis allenthalben angeschafft werden: Die Ladekapazität. Auch hier kann der neue 5er Touring eine Progression für sich verbuchen. Bei aufgestellten Rücksitzlehnen passen mit 560 um 60 Liter mehr als beim Vorgänger in den Kofferraum. Maximal sind es mit 1.670 um 20 Liter mehr. Fein, dass die Praktikabilität nicht auf dem Altar der Ästhetik geopfert wurde.

BMW 520d Touring Kofferraum
Die Ladekapazität. Auch hier kann der neue 5er Touring eine Progression für sich verbuchen.
Bei aufgestellten Rücksitzlehnen passen mit 560 um 60 Liter mehr als beim Vorgänger in den Kofferraum.


Fazit
Der Schlüssel für den 520d Touring musste uns bei der Rückgabe regelrecht entwunden werden. Was den Bayern hier gelungen ist, ist ein goldener Schnitt zwischen Fahrspaß und Vernunft, Form und Funktionalität, Repräsentanz und Zurückhaltung. Fraglich nur, ob BMW mit der Kombination aus 8-Gang-Sport-Automatik und Vierzylinder-Diesel nicht eine Schlange an ihrer Brust genährt haben. Nach Erprobung stellen die um einiges teureren und weniger Effizienten Sechszylinder keine wirkliche Alternative mehr dar. Allerdings will auch der Einsteiger bezahlt werden und zwar, wie bei BMW üblich, nicht zu knapp: Der von uns gefahrene 520d Touring mit Österreich-Paket, Lederausstattung, Parkassistent und Navigation Professional kostet 64.905 Euro.

von Christian Zacharnik, autonet.at
 
 
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