Ohnmacht in der Politik
Über die Lösungskompetenz in der Politik: Mit Scheinlösungen, Buchhaltertricks, Polieren von Statistiken, Herumbasteln an Symptomen geschieht gerade Null. Wer wirklich verbessern möchte, muss die wirklichen Ursachen der Probleme beseitigen.Was kann man alles sehen, wenn man durch den Strohhalm auf den heiteren Himmel blickt: einen blauen Fleck, Weiß oder Grau und viel dazwischen. Und es ist auch egal, ob es Frühling, Sommer, Herbst oder Winter ist.
Und so geht es auch, wenn man mit dem Strohhalm auf unsere Welt blickt: Im Stundentakt jubeln sie und sind gleichzeitig besorgt, unsere Zukunfts-, Wirtschafts- und sonstigen Propheten – und mit ihnen die Medien. Heute gut, morgen schlecht, am Vormittag steigend, mittags fallend, abends seitwärts – Blabla, bis dem Topf die Druckerschwärze ausgeht.
Wenn es um 90 Prozent weniger wäre, es wäre immer noch um 90 Prozent zu viel. Zumindest für jene Zeitgenossen, welche auf den anspruchsvollen Gedanken kommen auf sinnvolle, nachhaltige Information Wert zu legen.
Die Geschichte lehrt, wenn die Ernte gut sein soll, dann muss man mit der Saat beginnen. Es ändert sich nur etwas, wenn sich Verhalten, Vorgangsweisen ändern oder sich neue Möglichkeiten auftun – etwa durch neue Erfindungen. Und das braucht in der Regel seine Zeit. Oft ist das auch eine Frage von Jahrzehnten, beispielsweise die Unternehmenskultur in einem Betrieb zu verändern.
Mit Scheinlösungen, Buchhaltertricks, Polieren von Statistiken, Herumbasteln an Symptomen geschieht gerade Null. Wer wirklich verbessern möchte, muss die wirklichen Ursachen der Probleme beseitigen.
Einmal, es war im Flugzeug irgendwo zwischen Europa und Asien, da kam ich mit einem älteren Chinesen ins Gespräch. Wir sprachen über Wohlstand und Armut und da wurde der weise Mann ernst und sagte „du musst fünf Mal nach dem Warum fragen, um zur wahren Ursache vorzudringen - und, man muss den Sumpf der oftmals zu unrecht erworbenen Privilegien trocken legen - auch dann, wenn die Privilegienritter mit ihren Lobbyisten die Sümpfe mit Klauen verteidigen."
Mit anderen Worten: Es wäre ratsam manchmal den Strohhalm beiseitezulegen und den Blick auf das Wesentliche zu richten: Was sind die übergeordneten Ziele und die wirklich wichtigen Fragen?
Eine unbürokratische Verwaltung ohne einer unnützen Diversifikation und ohne Doppelgleisigkeiten oder der Kniefall vor Wichtigtuern und Nutznießern?
Wirkungsvoll die Armut bekämpfen oder die Reichen reicher machen?
Das Aussterben der Fische im Meer verhindern oder die Überfischung zulassen?
Menschen, welche auch in 200 Jahren auf diesem Planeten leben können oder den Raubbau an der Natur fortsetzen?
Solidarität mit Milliarden oder die Maßlosigkeit der Abzocker dulden?
Die Tierquälerei beenden oder die Einkommen der Tierquäler nicht gefährden?
Und, bleibt es beim üblichen Problemlösungsritual?
Nach jahrelangem Gezerre von vorwiegend Unbeteiligten mit den Lobbyisten gibt es einen hart errungenen Kompromissvorschlag: ein bisschen weniger Tierquälerei, damit die Tierquäler nicht zu viel leiden müssen.
Robert Lackner