Billig Sprit
Für viele Urlauber und Durchreisende ist es erstaunlich, was sich gerade an Wochenenden und vor Feiertagen auf den Parkplätzen der Grenzhändler abspielt. Schweden, Dänen und gelegentlich ein paar Norweger kaufen an der deutsch-dänischen Grenze Unmengen an Spirituosen (
in schwedisch: billig sprit) und Süßigkeiten. Dies ist auf den ersten Blick nicht nachzuvollziehen, aber wenn man die Preise zwischen Deutschland und Skandinavien vergleicht absolut verständlich. Aufgrund des starken Euro, der höheren Mehrwertsteuer und den nationalen Alkoholabgaben, lassen sich in Deutschland meistens über 50% sparen. Wenn man die Zeit, die Anreisekosten und die Ausgaben für die Fähren berücksichtigt, lohnen sich solche Fahrten nur, wenn ordentlich eingekauft wird.
Mit dem Wegfall der Grenzen (
die Grenzkontrollen existieren natürlich weiterhin) und dem freien Warenverkehr innerhalb der Europäischen Union können Privatpersonen zum eigenen Verbrauch Spirituosen zollfrei einführen. Wie hoch der eigene Verbrauch ist, muss im Zweifel glaubhaft dargelegt werden. Ca. 10 bis 15 regionale Grenzhändler haben sich an fast allen Grenzübergängen bzw. um die Fährhäfen etabliert. Mittlerweile sind diese Grenzhändler zu einem wichtigen Wirtschaftfaktor geworden (geschätzter Jahresumsatz: ca. 850 Mio Euro).
Seit 2007 besteht für die Skandinavier auch die Möglichkeit vieles innerhalb der EU online zu bestellen. Seit dem entwickelten sich ca. 10 Onlineshops, die sich auf den Verkauf von Alkohol an schwedische Kunden spezialisiert haben. Obgleich beim Onlinehandel die nationalen Abgaben und Steuern des Kunden bezahlt werden müssen, scheint sich dies trotzdem zu lohnen. Die Wachstumsraten liegen immer noch im 2stelligen Bereich; derzeit bestellen ca. 5% der Schweden online Alkohol, so dass das auch in den nächsten Jahren sich das Wachstum fortsetzen dürfte.
Ein Problem beim Onlinehandel mit Alkohol (in schwedisch:
billig sprit på nätet ) ist die Einhaltung der Altersgrenzen. In Schweden dürfen nur Personen, die das 20. Lebensjahr überschritten haben, Getränke mit über 2.5% Alkohol erwerben. Somit sind auch letztendlich die Kuriere (
Post, UPS etc.) dafür verantwortlich, dies bei der Übergabe ggf. zu kontrollieren. Da die Kontrolle nicht immer leicht ist bzw. einen zusätzlichen Aufwand bedeuten und drakonische Strafen bei der Mißachtung drohen, schließen viele namhafte Kuriere den Transport/ die Auslieferung von alkoholischen Produkten in ihren AGB`s aus.
Wie man an diesem Beispiel erkennen kann, bietet die EU und der freie Warenverkehr für einzelne Branchen gute Chancen und stellt Staaten vor neue Herausforderungen. Auf alle Fälle bleibt es spannend, wie der schwedische Staat zukünftig reagieren wird.
Mathias Dziuba