Kulturverstänis - Ihr Weg zum Erfolg im China-Geschäft
Häufig wird das Scheitern des Geschäftsbetriebs bzw. -ausbaus eines westlichen Unternehmens in
China auf eine Kulturinkompetenz zurückgeführt. Viele sind der Meinung, dass die traditionelle chinesische Kultur, die in einer langen Geschichte von mehreren tausend Jahren herausgebildet bzw. überliefert wird, die Verhaltensweisen und Werteanschauung der heutigen Chinesen noch tief beeinflusst und deren deutlicher Unterschied zur westlichen Kultur besonders den westlichen Geschäftsleuten die Akzeptierung von bzw. die Anpassung an die Geschäftsgebarden und Unternehmensethik in China erschwert. Eine blinde Nacheiferung bestimmter Verhaltensweisen der Gegenpartei bei einer Verhandlungsführung bzw. Geschäftsabwicklung macht kaum Sinn, da ohne tiefes Verständnis des dahinter verborgenen Kulturhintergrunds man nie zu antizipieren vermag, wie sich die Gegenpartei benehmen wird und wie man zu einer Win-Win-Situation kommen kann. Im Folgenden werden die wichtigsten Merkmale der chinesischen Kultur im Geschäftsbezug unter zeitgemäßer und dialektischer Betrachtung erläutert:
1. Beziehungsnetzwerke (Guanxi):
Aus Sicht vieler Leute ist der erste Schritt zum Geschäftserfolg in China der Beziehungsaufbau zwischen den beiden Verhandlungsparteien statt Bereitstellung von Ressourcen bzw. Analyse von Rahmenbedingungen. Auch bei Stellenbewerbung hilft dem Kandidaten eine persönliche Beziehung zu einem Vorsitzenden in der Firma mehr als die Qualifikation. Doch mit zunehmender Übernahme von westlicher Denkweise verliert Guanxi im Zeitablauf immer mehr an Bedeutung, heutzutage spielt bei der Mitarbeiterauswahl das Fachwissen und soziale Kompetenz statt der über Betriebszugehörigkeitsdauer gemessene Erfahrung (wie in Japan) eine entscheidende Rolle.
2. Gesichtswahrung:
Für einen Chinesen könnte das Gesicht (Mianzi) im Sinne von Menschenwürde oder Ansehen u.U. noch wertvoller sein als das Leben. In China ist eine direkte Kritik gegenüber einem Gesprächspartner in einer Öffentlichkeit bzw. Gemeinschaft ein strenges Tabu, da in China fast sich jeder als mit einem relativ kleinen oder großen Menschenkreis verbunden betrachtet, wird bei einer offenen Kritikübung nicht nur der kritisierte selbst betroffen, sondern auch seine Arbeitskollegen und ggf. sogar seine Freunde und Familienangehörigen werden auch „mitbeleidigt". Dieses kann die Arbeitsatomssphäre bzw. zwischenmenschliche Beziehungen komplett ruinieren. Eine private, höfliche und taktvolle Äußerung über Akzeptanz und Ablehnung (meist in schriftlicher Form) zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort wird ist eine großartige Kunst beim interpersonellen Umgang in China.
3. Gemeinschaftsbewusstsein (Zheng ti guan nian):
Vieler Europäer bzw. Amerikaner sind der Meinung, dass bei Leistungsbeurteilung bzw. -vergütung in den chinesischen Unternehmen eine Gruppenorientierung herrscht, während der Beitrag eines einzelnen kaum Berücksichtigung findet. Dies könnte auf Harmonisierung des ganzen Arbeitsteams durch die Eindämmung des gruppeninternen Wettbewerbs bedacht werden. Doch im Zeitablauf ergibt sich eine immer eindeutigere Tendenz der Individualorientierung zur Motivation der Leistungsstarken und gleichzeitig zum Ansporn der Leistungsschwachen und die sogenannte Gruppenorientierung soll schließlich wieder als eine Art von Indiviualorientierung verstanden werden. In China wird die Leistung einer Gruppe immer im Vergleich mit der anderer Gruppen bewertet und somit stellt jede Gruppe praktisch ein "
vergrößtes Individuum" dar und steht jederzeit im Wettbewerb zu den Gruppen z.B. in anderen Abteilungen, anderen Firmen oder anderen Industrien.