Wenn wir uns heute bei einem Unternehmen bewerben wollen, wird häufig eine Online-Bewerbung gefordert. Eigentlich eine gute Idee, wir sparen Zeit und Kosten, aber dadurch werden die Bewerbungen auch immer anonymer.
So habe ich mich im letzten Jahr mit allen wichtigen Dokumenten via Internet bei einer Lebensmittel-Kette beworben. Drei Tage später bekam ich dann die Einladung zu einem online-Test, in dem der Arbeitgeber scheinbar heraus bekommen wollte, wer für seine Kette überhaupt der Richtige ist. Natürlich gibt es so etwas mittlerweile fast in jeder Branche, doch durch das Internet wissen wir nicht einmal, von wem genau wir da geprüft werden.
In dem Moment war mir das natürlich egal, denn ich freute mich, überhaupt zu dem Test zugelassen wurde. Weniger später las ich mir die Mail allerdings noch einmal genauer durch und konnte dort lesen, dass ich, wie jeder andere Bewerber nun zu diesem Test gebeten würde. Das enttäuschte mich ein wenig, doch die Hoffnung gab ich natürlich nicht auf, auch wenn das nun wirklich nicht mein Traumberuf war.
Nach dem ich den Test nun gemacht hatte vergingen erneut circa drei Tage, bis ich die Absage bekam, da ich für solche Arbeiten wohl nicht qualifiziert genug sei und man mir dennoch alles gute für meinen weiteren Lebensweg wünschen würde. Da bekam ich also eine Absage von einem Menschen, den ich zuvor nie gehört, geschweige denn gesehen habe.
So etwas gibt es natürlich auch bei den "normalen" Bewerbungen per Post, aber da bekommen wir dann meistens zumindest noch eine persönliche Absage, die vielleicht sogar noch persönlich unterschrieben ist. Auch das freut uns nicht, aber es ist jedenfalls immer noch weniger anonym.
Doch das ist wahrscheinlich auch wieder der Wandel der Zeit, vor etwa fünfzig Jahren hätte man sich wahrscheinlich einfach persönlich vorstellen müssen, etwas über sich erzählen müssen und vielleicht einen Tag zur Probe gearbeitet. Mit den Jahren kam dann die ausführliche Bewerbungen, von Anfängern wird eine Bewerbung verlangt, die manch Erwachsener nicht einmal schreiben kann. Und heute bewerben wir uns im Internet mit unserer Bewerbungsmappe ganz einfach und schnell.
Man darf gespannt sein, wie wir uns wohl in zwanzig Jahren bewerben müssen.
14. Juli 2011, Désirée-Sophie Lepell