Auswertung von Kennzahlen
Indikatoren sind Kennzahlen. Die Bildung und Auswertung von Kennzahlen setzt zunächst voraus, dass man sich der Grenzen ihrer Aussagefähigkeit bewusst ist. So darf nicht übersehen werden, dass Kennzahlen in ihrer mathematischen Formalisierung meist statisch sind und die Dynamik ablaufender Standortprozesse nicht immer genau zeitnah abbilden.
Nicht aus dem Auge verloren werden sollte, dass vergangenheitsbezogene Kennzahlen nur bedingte Aussagen über die Gegenwart und noch weniger Aussagen über die Zukunft zulassen, statische Kennzahlen nur stichtagsbezogene Situationen widerspiegeln und damit nicht dynamische Prozesse über Zeiträume erfassen können. D.h., Kennzahlen dürfen nicht isoliert interpretiert werden, sondern müssen sich immer einer bestimmten Systematik (wie beispielsweise einem System der Standortökonomie oder Standortbilanz) zuordnen lassen.
Integrierte Kennzahlensysteme sind immer Mittel-Zweck-Beziehungen, die aus dem Standort-Leitbild (STEL) und Standort-Entwicklungskonzept (STEK) abzuleiten sind. Das wichtigste Element der Kennzahl aber bleibt ihr Informationscharakter, um auch komplizierte Tatbestände in konzentrierter Form quantifizieren zu können. Die rechnerische Kennzahlenzerlegung wird erst dann fruchtbringend, wenn sie zu Kennzahlenbündeln führt, die vorhandene Informationen sinnvoll ordnen. Kennzahlenbündel haben die Aufgabe, die Spitzenkennzahl des Systems analytisch bezüglich der sie dimensionierenden Einflussgrößen zu erklären. Der qualifizierte Kennzahlenvergleich wird gesichert durch die Kennzahlennormung über logische und sinnvolle Kennzahlenformen sowie durch die eindeutige Definition der Kennzahlenbestandteile. Zum Wesen eines Kennzahlensystems gehört daher die Beantwortung der Fragen nach Verhältnismäßigkeit (durch Kennzahlenvergleich) und Ursächlichkeit (durch Kennzahlenzerlegung). Vgl. aus ganzheitlicher Sicht u.a. Jörg Becker: Die Vermessung der Standorte – Arbeitsbuch, ISBN 978-3-8370-6724-8.
Dabei gilt es u.a. das Problem zu berücksichtigen, dass die Zahlen der Indikatoren zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung unter Umständen bereits veraltet sein können. Solange aber über kein besseres und aktuelleres Datenmaterial verfügt werden kann, sind die vorhandenen Vermessungs-Indikatoren aber allemal besser, als den Standort nur nach Bauchgefühl im Blindflug steuern zu wollen. Welcher der vielen verfügbaren und noch mehr möglichen Indikatoren letztlich in das System der Vermessung des Standortes Bad Homburg – Friedrichsdorf aufgenommen wird, hängt zuerst davon ab, aus welchen Standortfaktoren die Basisstruktur aufgebaut wird. Grundsätzlich sollten Indikatoren nicht nur einmalig, sondern immer auch als Zeitreihen verfügbar sein.Das Umfeld eines Standortes kann mit dem Instrument der Impact Matrix beobachtet werden. Dieses „environmental scanning" ist besonders nützlich, um eine Vielzahl von Daten für die Selektion von relevanten Umfeldinformationen auszuwerten. Es geht um das Erkennen sowohl von Chancen als auch von Gefährdungspotenzialen. Neben quantitativen indexbasierten Informationen müsste in eine detaillierte Analyse des Standortes Bad Homburg - Friedrichsdorf auch eine große Anzahl qualitativer Informationen eingespeist werden. Mit den heute verfügbaren Möglichkeiten ist das Problem nicht mehr die Speicherungskapazität von Daten, sondern eher die Fähigkeit, die Masse eingehender Informationen sinnvoll zu verarbeiten und daraus fundierte Decision Support-Auswertungen abzuleiten. Vgl. hierzu ergänzend auch Jörg Becker: Standortanalyse aus dem Indikatoren-Cockpit – Erkundung der Indikator-Landschaft, ISBN 978-3-8423-1858-8.
Jörg Becker
www.beckinfo.de