Uli Carthäuser
In den Euroraum ist finanzpolitisch mit neuen Bewegungen zu rechnen und Schuld daran ist nicht nur die die Griechenland-Krise, sondern auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten anderer Mitgliedsstaaten. An den europäischen Finanzmärkten ist grundsätzlich die Risikobereitschaft vor dem Hintergrund einer Umschuldung Griechenlands in der jüngsten Vergangenheit stark zurück gegangen. Viele Kapitalanleger haben ihre Aktien abgestoßen und haben sich verstärkt auf Investitionen in festverzinsliche Wertpapiere verlegt. Zu den begehrtesten Papieren gehören deutsche Bundesanleihen und die verstärkte Nachfrage hat zu steigenden Anleihekursen geführt. Parallel dazu sind Umlaufzinsen deutscher Staatstitel gefallen und zwar innerhalb weniger Wochen von 3,49 auf 3,05 Prozent.
Da sich die
Bauzinsentwicklung an langfristigen Staatsanleihen orientiert, konnte sich der effektive Jahreszins für Baugeld mit zehnjähriger Zinsbindung günstig entwickeln. Die nach wie vor boomende Wirtschaft, steigende Beschäftigungszahlen, wachsende Exporte und volle Auftragsbücher verhelfen der Wirtschaft zu einer stabilen konjunkturellen Entwicklung, sodass sich viele Menschen über ein zwischenzeitliches Bauzinstief freuen können. Jedoch wird diese günstige Phase nicht lange anhalten, wenn die Europäische Zentralbank tatsächlich den Leitzins im dritten Quartal erneut anheben sollte. Finanzexperten sehen jetzt schon einen Leitzinssatz von 1,50 Prozent, was dazu führt, dass sich die Umlaufrenditen deutscher Anleihen, nachhaltig auch die Bauzinsen, erhöhen werden.
Parallel zu dieser
Entwicklung sehen Finanzexperten auch ein weiteres Wirtschaftswachstum, das in der zweiten Jahreshälfte 2011 auf wenigstens 3,6 Prozent ansteigen könnte. Die Griechenland-Krise hat in erster Linie dazu beigetragen, dass sich künftige Eigenheimbesitzer noch über attraktive Baugeldkonditionen freuen können. Nur aus diesem Grunde habe sich viele Kapitalanleger dazu entschieden, den sicheren Weg zu wählen und in Bundesanleihen anzulegen. Wer in die eigenen vier Wände investieren will, sollte diese „Delle" nutzen und sich bei der Baufinanzierung für eine lange Zinsbindung von zehn Jahren und länger entscheiden. Selbst wenn die Bauzinsen zu einem späteren Zeitpunkt wieder fallen, stellt der Gesetzgeber sicher, dass nach zehn Jahren ein Baudarlehen umgeschuldet werden kann, wenn eine Vollauszahlung stattgefunden hat und dies ohne eine teure Vorfälligkeitsentschädigung. Darlehensnehmer, die sich in der Zinsbindung befinden, können ebenfalls die kurze Phase dieser Zinsdelle nutzen, um sich für ihre Anschlussfinanzierung günstige Konditionen zu sichern. Viele Geldgeber offerieren Vorlaufzeiten von bis zu 60 Monaten und für besonders Sicherheitsorientierte bieten Forward-Darlehen mit Kündigungsoption einen zusätzlichen Sicherheitspuffer.