Die Vorteile der inversen Zinsstruktur für Baufinanzierungskunden
An den Kredit- und Zinsmärkten steht die Welt Kopf: Kurzfristige Geldanlagen werden derzeit ebenso oder sogar höher verzinst, als Anlagen mit einer längeren Laufzeit. Normalerweise ist genau das Gegenteil der Fall. Wenn - wie momentan der Fall - für lang laufende Anlagen weniger bezahlt wird als für kurz laufende, sprechen Fachleute von einer inversen Zinsstruktur.
Für Geldanleger können inverse Zinsstrukturen nachteilig sein. Für Kunden, die jedoch eine Immobilienfinanzierung benötigen, bietet ein solches Szenario auch Vorteile, denn sie bekommen Finanzierungen mit langen Zinsbindungen oft zu günstigeren Konditionen als Finanzierungen mit kurzer Zinsbindung. Auf diesem Weg erhalten Kunden langfristig Zinssicherheit ohne Aufpreis. Auf ihre Flexilibilität müssen Kunden jedoch auch bei langen Zinsbindungen nicht verzichten, denn sie können das gesetzliche Sonderkündigungsrecht, bei Darlehen mit Zinsbindungen von mehr als zehn Jahren, nach zehn Jahren Darlehenslaufzeit nutzen, um dann ggf. von einem veränderten Zinsmarkt zu profitieren.
Auch Kunden mit einer bereits laufenden Baufinanzierung profitieren von der inversen Zinskurve. Durch sie sind Forward-Darlehen derzeit bei einer Vielzahl von Banken ohne die sonst üblichen Forward-Aufschläge erhältlich. Damit können sich Kunden das heutige Zinsniveau für ihre Anschlussfinanzierung bereits jetzt komplett ohne Aufschlag sichern.
Was bedeutet das für Baufinanzierungskunden?
Baufinanzierungskunden können von der aktuellen Situation an den Zinsmärkten und den Vorteilen einer langen Zinsbindungsfrist ohne Aufschläge profitieren. Kunden mit laufender Baufinanzierung und einer bald endenden Zinsbindung können sich über Forward-Darlehen das jetzige Zinsniveau ohne Aufschlag bis zu 5 Jahre im Voraus zu sichern. Man sollte sich jedoch auch im Klaren darüber sein, dass das Forward-Darlehen in jedem Fall später abgenommen werden muß, auch wenn die Zinsen zum Auszahlungszeitpunkt niedriger als zum Abschlusstermin sein sollten.
Die relativ seltene Situation an den Zinsmärkten wird jedoch nicht ewig anhalten. Entweder werden die kurzfristigen Zinsen sinken, oder die langfristigen werden wieder steigen.
Bernd Munder