Bambi für Bushido
In dieser Woche war es wieder soweit, dass auf dem Ersten die Verleihung des Bambis übertragen wurde. Der Medienpreis wurde bereits zum 63. Mal verliehen und auch diesmal wieder auf die unterschiedlichsten Kategorien verteilt. Besonders die Wahl des Geehrten in einer bestimmten Kategorie sorgt nun für viel Aufsehen; der berliner Rapper Bushido erhielt den Preis für gelungene Integration.
Die kleine Rede, die zu der Verleihung des Preises hinführte, hielt der Musiker Peter Maffay. Nachdem der Name Bushido fiel, gab es aber nur verhaltenen Applaus im Saal und der Deutsch-Rapper kam entsprechend unsicher auf die Bühne. Es folgte eine holprige kleine Ansprache. Die Quintessenz seiner Rede: ich weiß nicht ob ich den Preis verdient habe, aber was ihr glaubt ist mir sowieso egal.
Das konnte aber die meisten nicht davon abhalten, ihre Meinung dazu kundzutun und noch am gleichen Abend nutzte Peter Plate seinen Moment auf der Bühne um die fragwürdige Wahl der Jury anzumerken. Bis vor ein paar Jahren habe Bushido noch schwulenfeindliche, frauenfeindliche und letztlich menschenverachtende Texte geschrieben, meinte der Sänger von Rosenstolz. Bushido nahm den Kommentar mit verzogenem Gesicht hin, klatschte aber beiläufig seinem Kritiker.
Nach der Veranstaltung avancierte die Entscheidung des Bambi-Komitee, dass der rüpelhafte Rapper ein gelungenes Beispiel für Integration sei, zu einem ausgewachsenem Skandal. „Fatal" sei diese Entscheidung, nannte es das Frauenhilfswerk Terre des Femmes. Das deutsch-türkische Multitalent Serdar Somuncu kommentierte die Verleihung damit, dass man dann NPD-Politologen Udo Voigt auch den Preis für Toleranz geben könne. Und Volker Beck bezeichnet den Integrationspreis für Bushido einfach als „unverdient".
Der umstrittene Rapper selbst gibt sich aber betont erwachsen. Er sei überrascht von der „Hysterie", wolle aber nach vorne blicken und den Dialog mit seinen Kritikern suchen. Letzteres könnte durchaus eine interessante Diskussion bewirken, ist aber wohl nur ein
Poker um die gelungene Selbstdarstellung.
Lena Koch