Ballack und Löw
Keine schönen Szenen spielen sich derzeit im deutschen Fußballzirkus ab. Und das sagen nicht nur die, die am vergangenen Wochenende den misslungenen Auftritt von Joachim Löw in Deutschlands beliebtester Krimi-Reihe gesehen haben. Doch während man dem Bundestrainer wohl getrost mangelndes Schauspiel-Talent vorwerfen kann, ohne ihn dabei in seiner Position für die deutsche Nationalmannschaft anzugreifen, schlägt die Affäre um die Trennung von Michael Ballack deutlich höhere Wellen.
Der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft wird nämlich keine Auftritte mehr bei großen Länderspielen haben, das ist inzwischen durchaus bekannt. Bereits vor Monaten will Joachim Löw ihm das mitgeteilt haben und hat damit die mühselige Trennung von dem Fußballstar hinter sich gebracht. Aber offenbar ging das Gerangel damit erst los, denn inzwischen bestreitet Michael Ballack wieder, dass er von diesem Abschied wusste. Ganz im Gegenteil, bezichtigt er seinen Trainer nun der Scheinheiligkeit und gibt sich darüber hinaus ungemein entrüstet und sprachlos in seiner Fassungslosigkeit. Mit einem solchen Verhältnis im medienpräsenten Fußballzirkus hätte man auch Wetten darauf abschließen können, dass das für aufsehen sorgt.
Aber was ist Joachim Löw neben schlechter Darstellerkunst wirklich vorzuwerfen? Nun, Feingefühl hat wohl nicht zu der Hauptmotivation gehört, als er Ballack die beiden Abschiedsspiele gegen Uruguay und Brasilien vorzuschlagen. Benefiz-Partien und auch noch die letzten, bevor es an die Qualifikationsspiele für die Europa-Meisterschaft ging. Das sendet natürlich fragwürdige Zeichen für den ehemaligen Mannschaftskapitän. Da darf er als Trostpflaster noch mal auf den Platz, aber wenn es wirklich um was geht, darf Ballack nur noch zuschauern. Andererseits muss man auch die Überlegung von Löw hinter dem Vorschlag werten, denn der hatte Hand und Fuß. Mit der Teilnahme von Ballack an dem Spiel gegen Uruguay wollte Löw ihm das 99ste Länderspiel ermöglichen, damit die Brasilien-Partie die 100er Marke als Jubiläum realisieren würde. Die Botschaft kam wohl nicht so an, wie es der Trainer erhoffte.
Nun sollte sich die Diskussion aber eigentlich erledigt haben und die Beziehung zwischen Löw und Ballack ist mehr ein Thema der Medien, als für den deutschen Fußball wirklich relevant. Allerdings im
Poker um die Gunst der Öffentlichkeit hält Ballack mit seiner penetranten Entrüstung nicht die besten Karten in der Hand.
Lena Koch