Autor der Deutschen Literaturgesellschaft bei Johannes B. Kerner
Berlin, 21.01.2010 - Die BILD-Zeitung nannte ihn »Deutschlands falschesten Arzt«, jetzt hat Johannes B. Kerner dem Hochstapler Christian Ehret auf den Zahn gefühlt. In einem Enthüllungsbuch (erschienen in der
Deutschen Literaturgesellschaft, Berlin) hat der falsche Arzt zuvor seine Erfahrungen aus dem Ärztealltag berichtet. Der Bankangestellte wollte hoch hinaus – und fälschte sich kurzerhand Abiturzeugnis und Approbationsurkunde, stand bei fast 200 OPs am Tisch, führte Patientengespräche und machte sich mit Hilfe von Computer-Layoutprogrammen kurzerhand zum »Dr. Dr.«, einer davon sogar aus Oxford. Höhepunkt der Karriere: Ein Vortrag vor versammelter Ärzteschaar auf einem Kongress in Basel.
Der Lügen-Doktor zeigte sich in der Sendung von Kerner selbst überrascht, dass sein Schwindel nicht eher aufflog. Zitat: »Ich war mir fast sicher, dass es nicht klappen kann in Deutschland«. Die Rechtschreibfehler in den Urkunden, bei denen sogar im Logo Auffälligkeiten hätten auffallen müssen, wurden allesamt übersehen – und natürlich fragt sich jeder Patient wie es mit der Ausbildung der Ärzte denn stehen muss, wenn es nicht auffällt, dass ein Bankangestellter am OP-Tisch steht. Unter welchem Druck der Hochstapler selbst dabei stand, welche Erfahrungen er machte, ist auch in seinem Buch nachzulesen.
»Sie haben Wunden zugenäht und Narben entstehen lassen, haben Sie gedacht: Was ich hier mache, darunter leiden möglicherweise andere Menschen?«, fragte der völlig erstaunte Kerner den Buchautor. Selbstständige Arbeit sei in den ersten Jahren als Arzt sowieso nicht möglich, erwidert Christian Ehret, will aber von seinen Kollegen immer alles noch einmal geprüft haben lassen.
Trotz der unglaublichen Geschichte: Ehret will weiter als Arzt arbeiten – diesmal jedoch als regulärer und anerkannter. In der Sendung bei Johannes B. Kerner kündigte Ehret an, die normale Arztausbildung absolvieren und später als Doktor arbeiten zu wollen.
»Wahnsinn in Weiß« (ISBN 3-978-940490-28-5,
Deutsche Literaturgesellschaft) ist ein einmaliger Einblick in die unglaubliche Geschichte eines Hochstaplers und ein spannender Bericht über ein fragwürdiges System, auf das wir uns alle gerne verlassen möchten.
Uwe Neukamp