Autismus-Kultur fordert ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle.
Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine Mindesteinkommenssicherung. Es ist ein Betrag, den jedes Mitglied einer politischen Gemeinschaft
bedingungslos bekommt. Bedingungslos heißt: ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne dass eine Gegenleistung verlangt wird. Viele Autist_innen (aber auch viele andere Menschen) können zwar in der derzeitigen Arbeitswelt Geld verdienen - aber oft nicht genug, um davon zu leben. Das derzeitige Sozialsystem macht es ihnen jedoch fast unmöglich, Geld zu verdienen:
Wenn Selbständige ergänzendes Hartz IV beantragen müssen, stehlen stundenlange Wartezeiten im Amt ihnen die Arbeitszeit, die Schikanen des Amtes zermürben sie, das entgegengebrachte pauschale Misstrauen, ob sie nicht "Sozialbetrüger" seien, und die komplizierten Einzelnachweise des Einkommens beanspruchen bald mehr Energie als die selbständige Arbeit - und die Angst, Wohnung und Krankenversicherung zu verlieren, weil das Amt monatelang nicht zahlt, fressen sie innerlich auf. Fazit: Das derzeitige Sozialsystem hindert viele Menschen daran, sinnvoll produktiv zu sein - ob bezahlt oder unbezahlt. Ein Grundeinkommen könnte für mehr Zufriedenheit und zugleich für mehr Produktivität sorgen. Denn wer freiwillig arbeitet, arbeitet produktiver.
Auch Arbeitnehmer hätten gegenüber ihrem Chef eine bessere Verhandlungsposition, wenn dieser unbezahlte Überstunden fordert oder den Lohn kürzen will. Es macht einen großen Unterschied, ob die Alternative Hartz IV, Ämterschikanen und der weitgehende Verlust persönlicher Rechte und Freiheiten (zum Beispiel Datenschutz, Umzug ohne Genehmigung des Amtes) heißt oder ob man durch ein bedingungsloses Grundeinkommen abgesichert ist.
Die autistische Interessensvertretung
Autismus Kultur fordert deshalb ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle. Das derzeitige System ist mit der Würde des Menschen nicht zu vereinen; Menschen sollten nicht nach ihrer Verwertbarkeit für die Wirtschaft beurteilt werden. Ein bedingungsloses Grundeinkommen könnte zu einer Gesellschaft beitragen, in stärker miteinander als gegeneinander gearbeitet wird.
Simon Sundstroem