Im Juni findet seit einigen Jahren der Autistic Pride Day statt. An diesem Tag feiern Menschen im Autismus Spektrum dass sie so sind, wie sie sind, und die autistische Kultur. Autisten sind eine marginalisierte Gruppe in unserer Gesellschaft, Autismus wird als Krankheit betrachtet und zu therapieren oder zu heilen versucht. Autisten jedoch wollen sie selbst sein - und eine sogenannte "Heilung" von Autismus würde der Zerstörung ihrer Persönlichkeit gleich kommen. Sie leiden nicht unter
Autismus (bzw. Asperger Syndrom), sondern unter Intoleranz und fehlender Akzeptanz, unter Barrieren, die ihnen von unserer Gesellschaft entgegen gestellt werden.
Seit Autisten über Internet kommunizieren, entsteht allmählich eine autistische Kultur. Das mag ungewohnt klingen - aber auch andere Communities haben ihre eigene Kultur, zum Beispiel die Gehörlosen-Kultur. Während Autisten früher vereinzelt und oft
einsam (unter vielen Nicht-Autisten) lebten, konnten sie jetzt miteinander kommunizieren und einander treffen.
In diesem Austausch vor allem über das Internet, aber teilweise auch im "Real Life", fanden viele Autisten zu einem positiven Selbstwertgefühl - eine Erfahrung, die ihnen bisher vorenthalten worden war. Und so beschlossen sie, im Jahr 2005 den ersten Autistic Pride Day zu veranstalten. Daraus wurde ein jährliches Ereignis, und 2008 wurde der Autistic Pride Day zum vierten Mal gefeiert - in diesem Jahr unter dem Motto "Respekt statt Mitleid". Rund um den Autistic Pride Day finden Aktionen, Diskussionen und Treffen autistischer Menschen statt. Autistic Pride bedeutet die Ablehnung einer pathologisierenden Sicht auf Autisten und Autismus - statt dessen wird es als ein inhärenter Aspekt der Persönlichkeit und des Charakters angesehen, autistisch zu sein, genauso wie andere Menschen nicht-autistisch sind.
Simon Sundstroem