Eine starker
Vitamin A Mangel macht sich in Form von Nachtblindheit bemerkbar. Nachtblindheit lässt sich manchmal schon bei Kindern feststellen. Oft haben die Kinder ab dem zweiten Lebensjahr Angst vor dem Dunkeln und die Nachtblindheit wird gar nicht sofort erkannt. Selbst im dämmrigen Zimmer können sie aber so gut wie nichts mehr sehen. Schuld daran ist eine gestörte Funktion der Stäbchen in der Netzhaut. Die Licht-Sinneszellen übernehmen bei einem gesunden Auge das Dämmerungs- und Nachtsehen. Sie sind 500mal lichtempfindlicher als die so genannten Zapfen. Bei Tag sind die Stäbchen inaktiv, denn helles Licht bleicht den Sehfarbstoff (
Rhodopsin, Sehpurpur) der Stäbchen aus.
Erst bei Dämmerung regeneriert sich das Sehpurpur und die Stäbchen gehen an die Arbeit. Bei plötzlicher Dunkelheit kann sich das Sehpurpur in knapp fünf Minuten aufbauen, nach einer halben bis einer Stunde erreicht d
as gesunde Auge das optimale Nachtsehvermögen. Dass nachts alle Katzen grau sind, liegt daran, dass die Stäbchen nur Hell und Dunkel unterscheiden können, während die Zapfen mangels Lichtintensität keine Farbeindrücke mehr wahrnehmen. Werden die Stäbchen zerstört oder ihrer Fähigkeit beraubt, das Sehpurpur zu regenerieren, geht auch die Fähigkeit des Dämmerungs- und Nachtsehen verloren. Daher ist die Nachtblindheit auch ein häufiges Begleitsymptom zerstörerischer Netzhauterkrankungen. Leider gibt es hier wenig bis gar keine Therapiemöglichkeiten und auch die sonst so zuverlässigen Helfer Augentropfen können die Beschwerden nicht lindern.
Typische Ursachen der Hemeralopie sind kongenitale stationäre Nachtsehstörung. Sie ist die häufigste Form der Nachtblindheit und kann durch verschiedene Fehler im Erbgut verursacht werden. Der Augenhintergrund ist in der Regel unauffällig. Die Stäbchen versagen jedoch teilweise oder komplett ihren Dienst.
Eine weitere Ursache ist das Oguchi-Syncrom. Bei dieser sehr seltenen erblichen Form der Nachtblindheit sehen Augenärzte bei der Untersuchung des Augenhintergrunds eine abnormale Pigmentschicht. Die Augen reagieren auf Dunkelheit zunächst mit einer Anpassung, doch die endet nach einigen Minuten auf niedrigem Niveau. Offenbar ist die Synthese des Sehfarbstoffs bei dieser Erkrankung gestört.
Die klassische Form der angeborenen Netzhauterkrankung ist rasch fortschreitend und degeneriert zuerst die Stäbchen. Eine häufige Ursache für die Nachtblindheit ist aber eine starker Vitamin A Mangel. Ohne Vitamin A können die Stäbchen kein Rhodopsin herstellen. Das Sehpurpur ist jedoch unerläßlich, um Lichtreize in Nervensignale umzuwandeln. Außer bei massiver Fehlernährung entsteht Vitamin-A-Mangel auch durch eine gestörte Fettaufnahme im Dünndarm oder bei Lebererkrankungen. Der Mangel lässt sich durch ausreichende Vitamin-A-Zufuhr beheben, so dass die Stäbchen wieder einwandfrei arbeiten. Hier helfen leider keine Augentropfen sondern Vitamin A muss über Ersatzpräparate verabreicht werden.