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Auf 'ner einsamen Insel'nem fernen Planeten

Autor: knutbert | Erstellt am: 28.12.2009 | Gelesen: 1270
Kategorie: Musik - Kino & Entertainment | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Eine Rezension zu "Wo die wilden Kerle wohnen"

Ich bin ja seit längerem für mehr Traumatisches im Kinderkino. Nicht, dass ich so bescheuert wäre darauf zu hoffen, dass das Fernsehn' in die Richtung einlenkt, die Lichtspielhäuser* aber sollten es tun. In 10 Jahren, wenn die jetzige Toggoclub-Generation mal mit Mädels oder generell Gleichaltrigen ins Gespräch kommen will, wird die Antwort auf den Icebraker „Bambi war unglaublich grausam," nur ein abgeneigt fragender Blick sein.

Auch Kinderfilme haben das Zeug zu einer Generationsidentität beizutragen. Disney hat meine Jugend mitgeprägt und für peinliche Momente der bleiernen Stille mir genügen Gesprächsstoff zum Nachladen geliefert. Mufasa & Simba haben in mir Fragen über den Tod aufgeworfen, Cap und Capper den Wert der Freundschaft vermittelt. Natürlich ist das romantisch glorifiziert. Vermutlich haben mich Sandkastenprügeleien mehr geformt, aber das ist nicht das, woran ich mich erinnere. Heute jedenfalls ist von prägenden Filmen nicht viel übrig, auch nicht bei Disney. Ein Film braucht keine gute Geschichte mehr, er muss sich einfach nur verkaufen können und unter Kids verkauft sich eben jenes ausgezeichnet, das am ehesten State of the Art ist.

Gut, dass Manche sich in einem kleinen Verein versammeln und gegen das filmische Rom der 3D-Animateure antreten. So steht hinter der Verfilmung „Wo die wilden Kerle wohnen" alles andere als eine schwache Geschichte. Sie ist sicher nicht die redseligste (Die F.A.Z. betont die 333 Wörter aus denen das Buch besteht), aber sie versteht mit wenig viel zu sagen. Über die Exzellenz der Geschichte könnte ich Stunden reden. Die Zeichnungen sind wunderschön, die Worte weise gewählt und pointiert. Kurzum: Jedes Kind sollte das vorgelesen bekommen und mit Max miterleben dürfen. Und als ob ich das noch erwähnen müsste, hat Spike Jonze tatsächlich gewagt keinen 3D Animationsabklatsch zu fabrizieren. Das klingt alles unfassbar genial und genauso gehen die Rezensionen runter wie Öl. Noch heute Vormittag wähnte ich die Generation meines Bruders gerettet.

Der Anfang allein macht klar: das will hier schwere Kost sein, das Buch war es ja auch irgendwie. So wird Max von seiner Schwester nicht beachtet, sein Vater ist vermutlich tot und seine Mutter hat irgend `nen Kerl und `ne Flasche Roten am Start. Die Dialoge und Szenen in denen dieser Anfang abläuft sind lose verknüpft und werden auch nicht weiter reflektiert. Sie sind überflüssig. Max scheint jedenfalls unzufrieden, rennt weg und setzt sich in ein Boot, um vermutlich wie sein vermutlich toter vermutlicher Vater auf dem Meer zu sein. So kommt es er nach kurzer Zeit, dass er auf jener Insel landet, die das Heim der wilden Kerle ist. Und jetzt, so sind sich viele Kritiken einig, nimmt eine wunderbare Geschichte mit wunderbaren Bildern und Dialogen ihren Anfang. Das ist glatt gelogen. Die Nachfolgenden Dialoge und Szenen nehmen genau jenen Stil auf, den schon der Anfang durchschimmern lies: Lass mal auf Tiefgründig machen. Es ist erbärmlich wie oft der Film an der Oberfläche kratzt, sich dabei ertappt und peinlich berührt einfach schnell in eine andere Richtung rennt. Sicher es folgen viele, durch das ulkige Aussehen der wilden Kerle, schöne Bilder – aber das ist keine Leistung. Die Dialoge reihen sich oft Sinnlos aneinander, teilweise sind sie völlig wirr. Antworten passen nicht zu Fragen und andersherum. Ich kann keinen einzigen Dialog zitieren, ein Beweis für Alzheimer oder weil einfach nichts gesagt wurde, dass man sich merken darf.

Der in dem Buch ebenfalls fehlende Handlungsstrang gibt der Verfilmung den absoluten Todesstoß. Während das Buch den „Makel" durch die Zauberbilder und –dialoge mit Leichtigkeit kaschiert (und einen Handlungsstrang eigentlich auch nicht wirklich braucht), vermisst man in der Leinwandadaption schmerzlich jenen führenden roten Faden, denn seine Abstinenz führt zwangsläufig dazu, dass keine Spannung aufgebaut, oder überhaupt irgendeine Geschichte erzählt wird, die weiter geht als: Kind hat Probleme, Kind flieht auf Insel, Kind hat Spaß mit seltsamen Figuren, Kind geht Heim. Während im Buch Max nach bewusster Reflektion nach Hause geht und man seinen katharsischen Schritt absolut nachvollziehen kann, platzt der Filmjunge mit seiner Entscheidung überraschend heraus: „Ich gehe Heim." Das ist nicht nur nicht logisch, es ist das I-Tüpfelchen der peinlichen Seichtigkeit, die das Projekt umtreibt.

Dieser Film will erzwingen dass alles zu sein, das er hätte sein können. Hätte er das Flair des Buches behalten, sich nicht in jede Richtung versuchen zu wollen, hätte er all die Überflüssigkeiten einfach beiseite geschlagen, hätte ich nicht all diese Konjunktive gebrauchen müssen und mehr noch: Ich wäre aus dem Kino gegangen, im Frieden mit mir selbst noch einmal zurückschauen zu dürfen in meine Kindheit. Ich hätte meinen Bruder über die ein oder andere traurige oder gruselige Szene hinweggetröstet, mit dem Gewissen, dass alles hier gesehene bestimmt irgendwie in diese kleine Birne gewandert ist und ihn ein bisschen klüger gemacht hat; und vielleicht hätte er dann in 10-12 Jahren gemeinsam mit seinen Leutchens auf die Klassiker seiner Kindheit zurückgeschaut. Diese Geschichte hätte es verdient gehabt. Das jedoch, das ich da sehen musste, ist auf ganzer Linie gescheitert.

Sogar gegen so manchen 3D-Streifen.

Grausam.
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