autonet.at unterwegs im neuen Audi A6
♦Zugegeben, es gibt härtere Lose im Leben. Trotzdem: Jetzt wo der neue A6 ins Rennen geht, wird die Wahl des passenden Dienstautos für die Managerriegen dieser Welt eine echte Qual. Solls die E-Klasse sein, mit ihrem hoch repräsentativen Auftritt, der 5er-BMW mit seiner class-leading Fahrdynamik, oder doch der neue Audi A6 mit seinem fast schon unverschämt guten Aussehen? Wenn´s um den Dienstwagen geht, so hört man, sind die Herren und Damen der mittleren und höheren Führungsebenen nämlich längst nicht so entscheidungsfreudig, wie sie sonst gerne glauben machen. Aber vielleicht können wir von autonet.at ja mit diesem ersten Fahrbericht des neuen Audi A6 behilflich sein. Die eingehenden Tests der Konkurrenzprodukte finden Sie zum direkten Vergleich auch bei uns. Die Links dazu gibt´s am Ende dieses Artikels.
Neue Bescheidenheit
Tasten wir uns langsam von außen nach innen vor. So wie sich uns der A6 bei der Präsentation im enttäuschend kühlen Palermo präsentiert, kennen und lieben wir Audi mittlerweile schon seit einigen Jahren: Dynamisch, scharfkantig, mit wohl dosierter Aggression. Das passt perfekt zu dem, wie sich die Führungseliten gerne sehen. Im Gegensatz aber zum Vorgänger macht der neue A6 einen dezenteren und gleichzeitig sportlicheren Eindruck. Das hat er sich vom neuen A8 abgeschaut. Die Fahrzeuglänge wurde um einen Zentimeter eingedampft, die Dachlinie um vier Millimeter abgesenkt. Einen maßgeblichen Anteil an dem doch augenscheinlich juvenileren Auftritt hat auch der deutlich kürzere vordere Überhang. Dass der A6 dabei aber nicht an Repräsentanz verliert, dafür sorgt ein verlängerter Radstand und ein Breitenzuwachs von 19 Millimeter. Fehlen darf beim A6 natürlich auch nicht die eigentliche visuelle Trademark von Audi: Scheinwerfer und Rückleuchten mit auffälliger LED-Grafik.
Ausgeräumt
Öffnen wir also die Türe und entern den Innenraum: man befindet sich sodann, typisch Audi, in hoch noblem Hightech-Ambiente. Freilich, um das in der höchsten Ausformung zu erleben, bedarf es eines doch recht sorglosen Herumfuhrwerkens in der Aufpreisliste. Wer keine Kosten scheut, kann sich den A6 zu einem kleinen A8 hinaufoptionieren. Aber auch in der Basisausstattung braucht niemand ein Schnoferl zu ziehen: Die Verarbeitung ist perfekt, die Materialien von ausgesuchter Güte, die Haptik ein Fest der Sinne. Generell wurde die Instrumententafel ein wenig entrümpelt: An Knöpfen gibt's nur dass, was unbedingt nötig ist. Der Rest ist über das zentrale MMI im Mitteltunnel zu regeln. Wer´s nicht kennt, wird sich etwas dran gewöhnen müssen, aber das geht schnell.
Das Cockpit im A6 ist aufgeräumt. Holz und Leder bestimmen das Interieur und vermitteln eine
angenehme Atmosphäre. Die Mittelkonsole und die Instrumente sind gut auf den Fahrer ausgerichtet.
Wer will kann sich die Geschwindigkeit auch per Head-Up-Display an die Windschutzscheibe projizieren lassen.Platz auf allen Plätzen
Die Fondpassagier haben im A6 gut Lachen. Ihnen ist eine gut bemessen Bein- sowie Kopffreiheit vergönnt. Letzteres liegt vielleicht auch daran, dass es sich Audi hier verkniffen hat, dem A6 mittels abfallender Dachlinie eine ach so angesagte Coupé-Form zu verleihen. Was das knackige Heck nicht vermuten lässt, ist ein mit 530 Litern ganz gut bemessener Kofferraum. Wer mehr will, muss auf den Avant im Herbst warten.
Stiller Bayer
Und so starten wir den Motor, begeben uns via Autobahn von Palermo an die Westküste Siziliens, nach Sciacca und erproben das, was sich Audi bei A6 in ganz besonders großen Lettern an auf seinen Fahnen schreibt – nämlich das im Innenraum leiseste Auto seiner Klasse zu sein. Dass er extrem leise ist können wir unterschreiben. Um zu bestätigen, dass er tatsächlich besser als der Mitbewerb ist, fehlt uns der direkte Vergleich. Aber ganz haltlos wird das schon nicht sein.
Abgespeckt
Über jeglichen Anflug von Kritik erhaben ist auch, wie nicht anders zu erwarten, die gebotene Fahrdynamik des neuen Oberklasse-Audi. War schon der Vorgänger in diesem Belang ein zwischen Komfort und sportlicher Attitüde fein austariertes Teil von einem Automobil, kann der Neue hier um ein weiteres gutes Stück zulegen. Neben dem verlängerten Radstand, einem neu konstruierten, serienmäßig adaptivem Fahrwerk und der direkt ausgelegten elektromechanischen Lenkung ist es das reduzierte Gewicht, das für das Plus an Agilität sorgt. Bis zu 80 Kilo weniger sind es, die der Audi im Vergleich zum Vorgänger weniger auf die Waage bringt - hauptsächlich eine Konsequenz der zu 20 Prozent aus Aluminium gefertigten Karosserie.
Effizienter Einstiegsdiesel
Neben den Fahreigenschaften ist es die Effizienz, die von der Gewichtsreduktion profitiert. In Kombination mit den serienmäßigen verbrauchsminimierenden Maßnahmen wie Start-Stopp, Rekuperation und bedarfsgerecht geregelten Nebenaggregaten, kann der A6 einen um bis zu 21 Prozent verringerten Verbrauch für sich verbuchen. Diesbezügliche Speerspitze im Motorenportfolio ist der 2.0 TDI mit 177 PS, einem Drehmoment von 380 Newtonmetern und einem Durchschnittsverbrauch von 4,9 Liter. Zum Marktstart Ende März ist der Einstiegsdiesel lediglich mit manuellem 6-Gang-Getriebe zu haben. Im Sommer wird hier eine Multitronic nachgereicht.
177 bis 300 PS
Ab sofort mit dem stufenlosen CVT-Getriebe erhältlich ist die untere Leistungsstufe des 3-l-Sechzylinder-Diesel (3.0 TDI) mit 204 PS. Optional kann dieser Motor auch in Kombination mit quattro-Antrieb und dem Doppelkupplungsgetriebe s-tronic geordert werden. Den Top-Diesel mit 245 PS gibt es ausschließlich in dieser Konfiguration. Dasselbe gilt für den 300 PS starken Top-Benziner 3.0 TSFI, der den A6 in veritablen 5,5 Sekunden auf 100 Sachen bugsiert. Darunter firmiert der 2,8 TSI mit 204 ausschließlich automatisiert gemanagten PS.
Fahrassistenz-Konvolut
Wer punkto Assistenzsystemen beim A6 aus dem Vollem schöpft, kann den Bayern in eine elektronische Hochburg verwandeln. Da gibt es nichts, was es im gehobenen Fahrzeugbau derzeit nicht gibt. Das fängt mit dem selbstkorrigierenden Spurhalteassistenten an, geht weiter mit der adaptiven cruise control, über zum Nachsicht- und ultraschallunterstützen Einparkassistenten und endet längst nicht beim Headup-Display. Der Clou an Technik-Features aber ist das adaptive light. Dieses System blendet nicht nur automatisch bei Gegenverkehr und Erreichen des Ortsgebiets ab. Das Lichtsystem interagiert zusätzlich mit dem Navigationssystem und stellt seinen Lichtkegel automatisch auf die jeweilige Umgebung ein. Zu Verfügung stehen vier Modi: Kreuzungslicht, Stadtlicht, Autobahnlicht und Landstraßenlicht.
Wie in dieser Klasse üblich, kann das Fahrzeug mit einer Reihe von zusätzlichen Assistenzsystemen
aus der Zubehörliste ausgestattet werden: Eine Infrarot-Kamera ermöglicht zB die Nachtsicht,
eine normale Kamera erfasst die zulässige Höchstgeschwindigkeit und das mit Radar-Sensoren
funktionierende Audi Pre-Sense-System bremst bei Gefahr automatisch ab.Preis und Marktstart
Dass diese Hightech-Features den Preis des A6 in schwindelerregende Höhen treiben können, versteht sich von selbst. Mir nichts, dir nichts kratzt der Business-Liner an die80.000er-Marke. Allein die LED-Scheinwerfer kosten rund 3.500 Euro Aufpreis, das MMIO Navigationssystem plus mit MMI touch 4.500, Lederausstattung 2.500, das Komfortpaket mit Klimaautomatik, Sitzheizung und Einparkhilfe 4.500, Luftfederung 2.500 Euro und so weiter und so fort. Wer auf all dies verzichten kann, hat die Möglichkeit den A6 mit dem 177 PS starken 2.0 TDI ab Ende März bereits ab 42. 700 Euro sein Eigen zu nennen. Der 2.8 TSI-Einstiegsbenziner kommt auf 48.960 Euro.
von Christian Zacharnik, autonet.at