Personal verursacht Kosten. Diese Überzeugung herrschte lange Zeit in Unternehmen vor. Mit dem drohenden Fachkräftemangel denken jedoch viele Betriebe um: Sie möchten die Vergütung zum Attraktivitätsfaktor und Leistungsanreiz für Talente und Kompetenzträger machen. Damit beschäftigen sich auch Experten auf den Frühjahrsmessen PERSONAL2011 Nord (Hamburg) und Süd (München).
Wer den Beschäftigten mit einer attraktiven Entlohnung winkt, wertet sein Image als Arbeitgeber auf. Doch ein hohes Gehalt allein wirkt sich nicht zwangsläufig positiv auf die Leistung und Motivation der Mitarbeiter aus. Deshalb gewinnen in der Praxis vor allem Bonussysteme, die sich an persönlichen, teambezogenen oder unternehmensweiten Zielen orientieren, an Bedeutung. In vielen, vor allem großen Unternehmen sind bereits heute variable Vergütungssysteme üblich, die mitunter jedoch sehr kompliziert sind.
„In der Theorie können Unternehmen mit ausgeklügelten Systemen allerhand erreichen", merkt Marc Murray an. „Doch in der Praxis zeigt sich: Weniger ist oft mehr", so der HR Director EMEA von Smith Detection und Keynote-Speaker der PERSONAL2011 Süd. „Alles-ist-geregelt-an-alles-wurde-gedacht"-Lösungen litten häufig an administrativer Schwere. „Wer zu viel in starre Regelungen presst, schränkt den Entscheidungsspielraum der Führungskräfte ein", sagt der Personalmanager. „Damit unterlaufen die Unternehmen meistens ihre zentralen Ansätze zum Aufbau von Führungskulturen, die auf solche Entscheidungsfreiräume setzen."
Aus seiner langjährigen Erfahrung heraus – Marc Murray begleitete in verschiedenen Großunternehmen nationale und internationale variable Vergütungssysteme – hat er einen neuen, einfachen Ansatz entwickelt, der Vorgesetzten mehr Spielraum lässt und auch Topleister und High-Potentials im Blick behält. Auf der Messe in München stellt er seine innovative Lösung vor.
Wie Unternehmen mit Vergütungssystemen punkten
Auch Gerd Rücker, Leiter Geschäftsbereich Vertrieb der becos GmbH, macht im Rahmenprogramm der süddeutschen Messe den Sinn und Unsinn von leistungsorientierter Bezahlung zum Thema. Anhand praktischer Beispiele beleuchtet sein Vortrag das Für und Wider leistungsorientierter Entlohnung für tarifliche Mitarbeiter. Die Messebesucher erfahren dabei, welche organisatorischen und technischen Anforderungen mit der Einführung eines variablen Vergütungssystems auf sie zukommen.
Zukünftig wird es im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter vor allem darauf ankommen, durch intelligente Vergütungsmodelle Unternehmer- und Arbeitnehmerinteressen ausgewogen zu gestalten und miteinander zu verzahnen. Zeitwertkonten und Lebensarbeitszeitmodelle können eine Lösung sein. Ein Zeitwertkonto ist ein betriebliches Arbeitnehmerkonto, auf dem ein Arbeitnehmer einen Teil seiner Vergütung anspart – mit dem Ziel, seine Lebensarbeitszeit zu flexibilisieren und sich zu einem späteren Zeitpunkt freistellen zu lassen. Harald Röder, Geschäftsführer der Deutschen Beratungsgesellschaft für Zeitwertkonten und Lebensarbeitszeitmodelle mbH, erläutert dieses Modell auf der PERSONAL2011 Nord und Süd.
Am richtigen Ende sparen
Dennoch bleibt die Kostenseite auch in Zeiten des Aufschwungs nicht außen vor. So ist auch das Outsourcing der Lohn- und Gehaltsabrechnung nicht passé. Der Schock der jüngsten Wirtschaftskrise sitzt tief und weckt den Wunsch nach einer schlanken Organisation, die Freiräume für strategische Aufgaben schafft. Doch damit geben Unternehmen auch eine Kernkompetenz ihrer Personalabteilung außer Haus und verlieren die Beratungsfunktion der Mitarbeiter in Lohn- und Gehaltsfragen. Die Vor- und Nachteile von Inhouse- und Outsourcing-Lösungen stellt Rainer Grüne, Geschäftsführer der KDV Kanne Datenverarbeitung GmbH, in einem Vortrag in Hamburg und München gegenüber.
Auch beim Softwareeinsatz in der Lohnbuchhaltung besteht noch Einsparpotenzial. Stefan Kozole, Leiter Professional Services & Prokurist der Exact Software Deutschland GmbH, lotet auf der PERSONAL2011 in Hamburg die Sparmöglichkeiten aus – von der Gehaltsfindung über die Gehaltsabrechnung bis hin zu notwendigen Nacharbeiten.
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