Ashley Hribar/Pfeifer
Hannover, 30.09.2009 - Carola Heider-Leporale.Ich treffe Ashley Hribar kurz vor seiner Australien-Tour zum Interview bei einem seiner Konzertauftritte – heute Abend in der bekannten Künstlerkneipe KANAPEE in Hannover. Einen Platz bekommt man dort nur mit vorheriger Reservierung. Das Lokal ist komplett ausgebucht und gegen 20.30 Uhr beginnt er mit seinem Konzert. Das Publikum an diesem Abend ist breit gefächert, es sind auch sehr viele junge Leute unter den Zuhörern. Mit smartem Lächeln steht er an den Flügel gelehnt und erklärt dem Publikum in deutsch-englischem Akzent jedes einzelne Stück in seinen Zusammenhängen und was ihn als Pianisten dabei bewegt. Er versucht auf diese Weise dem Publikum auch schwierigste Musikstücke verständlich dar zu bringen und präsentiert am heutigen Abend folgendes Programm:
Roy Agnew (AUS) Sonata Legend 4'
Roy Agnew (AUS) Poeme no 1 2.5'
Scriabin (Russ.) Poeme Op 32 no 1 4'
Scriabin (Russ.) Etude Op 12 no 12 2.5'
Cameron Roberts (AUS) Sad Bird Blues 2008 (homage on Messiaen) 6'
Frederic Rzewski (USA) Winnsboro Cotton Mill Blues 11'
Pause:Frederic Rzewski (USA) Down by the Riverside 9'
Percy Grainger (AUS) Cakewalk Smasher 3'
Ian Munro (AUS) Blue Rags 4'
Gershwin (USA) Rhapsody in Blue 16'
Ashley Hribar widmet sich zeitgenössischen, teilweise uns unbekannten neuen Komponisten aus seiner Heimat und den USA, eine stets brillante und zugängliche Mischung aus Klassik, Jazz und Naturklängen im „Sad Bird Blues" so wie Industriegeräusche im „Cotton Mill Blues" und Volksmusik.
Seine musikalische Vorstellung an dem italienischen Fazioli-Flügel ist höchst beeindruckend. Ein genialer Genuss aus Virtuosität und stets angenehmen musikalischen Überraschungen! Er beherrscht absolut brillante Technik. Spielt virtuos, differenziert, klar und energisch, aber gleichzeitig sehr charmant. Dem Publikum serviert er so schwierigste Stücke kontrastreich mit einer großen Palette an Klängen. Seine Zuhörer im KANAPEE hat der australische Pianist so sehr begeistert, dass er nach tosendem Beifall um mehrere Zugaben nicht umhin kommt. Anscheinend trifft seine Vorstellung der Verbindung verschiedener Musikrichtungen, der Musik von Heute und Morgen, genau den Zahn der Zeit um neues und junges Publikum für die Klassik-Musik zu gewinnen. Nun bin ich sehr gespannt ihn persönlich kennen zu lernen. Ashley Hribar wird umringt von seinen Fans unter denen, wie ich feststellen muss, viele junge weibliche Zuhörer sind. Er hat etwas von einem Sunny-Boy, eine coole aber gleichzeitig warme, herzliche Ausstrahlung und nimmt sich Zeit für jeden seiner Fans und führt bereitwillig Fachgespräche über seine Musikstücke. Und dann lerne ich ihn endlich persönlich kennen und bin begeistert von seinem Charme und seiner Authentizität.
C.H.-L.: Ashley, was ich als erstes von Ihnen wissen möchte - was veranlasst einen Pianisten aus "Down Under", geboren in Adelaide, hier in Hannover sesshaft zu werden?
Ashley H.: Das war die Musik. Ich kam zum ersten Mal mit einem Stipendium des DAAD in den Jahren 1997/1998 nach Hannover. Dort studierte ich an der Hochschule für Musik und Theater bei Karl-Heinz Kämmerling. In den Jahren 2001/2002 setzte ich in Australien mein Studium fort. Das beinhaltete neben der Klassik- unter anderem auch Jazz-Musik. Im Jahr 2003 schloss ich das Studium in Melbourne mit dem "Masters" ab und 2005 erhielt ich erneut ein Stipendium, um einige spezielle neue Musikprojekte zu machen. Im Jahr 2005 gewann ich in Amsterdam den "International Gaudeamus Interpreters competition" und erhielt daraufhin Einladungen zu vielen Musikfestivals in Europa. Da Europa ein großer Knotenpunkt der Klassik-Musik ist, habe ich mich entschlossen zu meinen Wurzeln nach Hannover zurückzukehren und hier letztendlich sesshaft zu werden. Meine Familie stammt nämlich ursprünglich aus Deutschland, meine Mutter ist gebürtige Hannoveranerin und in den 50er Jahren nach Australien ausgewandert, wo sie später meinen Vater kennen lernte. Mein Großonkel lebt noch in Hannover.
C.H.-L.: Ah, das erklärt natürlich einiges. Sie sprechen sehr gut deutsch. Wie sind Sie sprachlich in Australien aufgewachsen?
Ashley H.: Bei uns zuhause wurde streng Deutsch gesprochen. Ich ging in Adelaide 10 Jahre lang zu einer deutschen Schule. Das kam mir natürlich letztlich hier bei meinem Aufenthalt und dem Studium an der Hochschule zu Gute.
C.H.-L.: Wenn ich auf Ihre Liste der gewonnenen Stipendien und Preise schaue gerate ich ins Staunen. Sie haben seit Beginn Ihrer musikalischen Laufbahn ein Stipendium nach dem anderen und viele Preise gewonnen. Ich will hier nur den "International Gaudeamus Interpreters competion" im Jahr 2005 in Amsterdam und ein Stipendium im Jahr 2008, den "Michael Kieren-Harvey Scholarship" (Australien) für die Unterstützung verschiedener neuer Musikprojekte nennen. Sie waren u.a. schon auf dem "Schleswig-Holstein-Musik-Festival", dem "Ultima Festival" in Oslo und als Solist auf der "Gaudeamus-Woche" in Holland mit dem Kammerorchester der Radiophilharmonie in Amsterdam zu Gast, die vielen Auftritte in Australien gar nicht mitgezählt. Es gibt Rundfunkaufnahmen in Holland, Deutschland und Australien von Ihnen. In Australien sind Sie bereits bei einer Musikfirma unter Vertrag. Man sollte denken, dass Sie bei Ihrer Begabung und Ihrem Können sicher schon als Kleinkind am Klavier geübt haben. Stimmt das?
Ashley H.: Nein, keineswegs. Ich habe sehr spät angefangen, mit 12 Jahren. Meine Mutter spielte Klavier und ich hörte ihr zu. Dann fing ich auch damit an und habe anfangs immer für mich allein gespielt. Na ja und irgendwann kam dann der erste Unterricht und so ging es dann weiter. Ich studierte in Australien bei Stefan Ammer und Dr. Graham Williams (Schüler v. Messiaen u. Loriod), der mein musikalisches Dasein geprägt hat. Später studierte ich in Hannover bei Karl-Heinz Kämmerling.
C.H.-L.: Ashley, Sie sagten mir, dass Sie seit diesem Jahr als Dozent an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover tätig sind und an einer Schule angehende Sprachtherapeuten im Fach "Klavier" ausbilden. Ich habe hier gemerkt, dass Sie keine Berührungsängste im Umgang mit Ihren Fans haben. Sie sind, wie man hier sieht sehr beliebt, mischen sich gern unter Menschen und führen Fachgespräche. Sie arbeiten sehr viel, engagieren sich für besondere und außergewöhnliche Musikprojekte, haben in mehreren unterschiedlichen Bands wie z.B. dem "Essembel Integrales" gespielt und sich von Jazzmusikern wie Simon Nabatov, Christoph Munch und Bernd Homan inspirieren lassen. Ausserdem experimentieren Sie mit Musik und verbinden gern die Musik von Gestern, Heute und Morgen. Alles in Allem sind Sie sehr vielseitig und auch neue Aufgaben scheuen Sie nicht. Das heißt, Sie sind doch eigentlich der absolut untypische Klassik-Künstler.
Ashley H.: Ja, das ist wahr. Ich sehe mich eher als eine Art "Botschafter der Klassik" und möchte durch meine Musik-Variationen und Crossover-Projekte viele junge Menschen für die Klassik-Musik begeistern. Wenn wir als Musiker nicht auf die Jugend zugehen und beweisen, das auch ein Klassik-Künstler durchaus Interesse an anderen Musikrichtungen wie Rock, Pop oder Jazz haben kann, dann wird es für die Klassik-Musik in der Zukunft nicht besser werden. Ich sehe mich als Musiker der Neuzeit und interpretiere viele australische Komponisten mit neueren Stücken. Ebenso spiele ich aber auch mit Hingabe Stücke von Bach, Beethoven, Liszt oder Rachmaninov. Also, ich bezeichne mich als schon als Klassik-Musiker mit Herzblut, bin aber eben sehr vielseitig.
C.H.-L.: Ashley, nun hätte ich von Ihnen gern noch gewusst was bei Ihnen in Zukunft so anliegt. Wo können wir Sie auf Konzerten besuchen?
Ashley H.: Ich bin in nächster Zeit viel unterwegs. Ganz aktuell steht meine Australien-Tour vom 9. bis zum 28. Oktober 2009 in den Orten Sydney, Melbourne und Adelaide mit insgesamt 7 Konzerten an, worauf ich mich schon sehr freue. Gleichzeitig finden in Australien Rundfunk- und CD-Aufnahmen statt. Das gleiche Vorhaben ist erneut für das Jahr 2010 in Planung. Neben verschiedenen unterschiedlichen Konzerten in Deutschland stehen ab Anfang kommenden Jahres mehrere Auftritte in Holland und Belgien an.
C.H.-L.: Dann dürfen wir ja auf einiges gespannt sein, was Ihre musikalische Zukunft angeht. An welchen musikalischen Projekten arbeiten Sie zur Zeit noch?
Ashley H.: Ja, wo fang ich da am besten an, denn es sind eigentlich sehr viele. Ich werde in nächster Zeit in Australien mit verschiedenen Filmkomponisten zusammen arbeiten. Dort habe ich in diesem Bereich 2008 den "Michael-Kieren-Harvey-Scholarship-Preis" gewonnen. Hier sind es verschiedene Komponisten u.a. Darrin Verhagen, Frank Tetaz und der DJ Steve Gibbs mit denen ich zusammen an Projekten arbeite. Es wird von mir eine Komposition/Arrangement 'techno- concerto' für Piano und Elektronik (Laser/Nebel) geben. Ausserdem bearbeite ich gerade ein Solo-Klavier-Arrangement des Stückes 'Stairway To Heaven' von der Gruppe "'Led Zeppelin'.
C.H.-L.: Wow, Ashley, ich bin einigermaßen sprachlos und absolut beeindruckt von Ihnen. Und dabei wirken Sie so völlig authentisch und kein bisschen abgehoben.
Ashley H.: Warum sollte ich? Ich liebe meine Arbeit als Musiker und Vermittler zwischen den Musik-Welten bei Jung und Alt. Die Arbeit mit der Musik und den Menschen macht mir viel Spaß. Außerdem bin ich sehr bodenständig. Durch meine Familie bin ich mit Hannover sehr verbunden und lebe gern hier.
Und damit verabschieden wir uns und ich nehme sehr viele positive Eindrücke aus diesem Treffen mit von diesem jungen, charmanten und gut aussehenden australischen Ausnahmemusiker ASHLEY HRIBAR, von dem wir in nächster Zeit sicher noch ganz viel hören und sehen werden.
Ein Live-Konzert von diesem Musiker sollten sie auf keinen Fall verpassen. Genießen Sie dabei die absolute Klasse dieses Ausnahme-Pianisten...
alle Konzert-Termine und weitere Infos:
www.ashleyhribar.comReportage/Infos: Carola Heider-Leporale/Ashley Hribar
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