Im zweiten Teil dieses Artikels beschäftigen wir uns ausführlich mit der optimalen Fütterung und Haltung, Bewegungsmöglichkeiten, sowie mit homöopathischen und naturheilkundlichen Therapiemöglichkeiten für Pferde, welche an Arthrose, Hufrollenentzündung oder Spat erkrankt sind.Die Arthrose ist der Oberbegriff; denn sowohl die Podotrochlose (degenerative Hufrollenentzündung), wie auch der Spat, gehören zu den arthrotischen Erkrankungen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Arthrosen der verschiedenen Gliedmaßen.
Die Therapie der unterschiedlichen Arthrosen ist jedoch nur leicht abweichend bei den einzelnen Arthroseformen; Unterschiede liegen beispielsweise in speziellen Hufbeschlägen, welche optimal auf die Erkrankung abgestellt werden. Die Haltung, Fütterung, Bewegungsmöglichkeiten sowie auch die naturheilkundlichen Therapieansätze sind nahezu identisch; daher fasse ich diese unter dem Oberbegriff „Arthrose" im nachfolgenden Artikel zusammen.
Haltung:
Das an Einschränkungen der Beweglichkeit leidende Pferd benötigt eine stetige freie Bewegung. Kontra indiziert ist die Unterbringung in einer Box in Normgröße, auch wenn diese Haltungsform nur über Nacht gewählt wird und tagsüber eine Auslaufmöglichkeit besteht. Das an arthrotischen Veränderungen leidende Pferd benötigt eine ständige langsame Bewegung und somit einen entsprechenden Raum- und Platzbedarf. Zur Unterbringung geeignet sind beispielsweise eine Großraumbox in einer Größe von ca. mindestens 8 x 4 Meter, eine Box mit angeschlossenem Paddock/Auslauf bzw. eine Offenstallhaltung. Dass auch nur stundenweise Einsperren bei keiner Bewegungsmöglichkeit führt zu einer Versteifung der arthrotischen Knochen. So kann man beim Herausführen des Pferdes dann erst einmal einen steifen und klammen Gang beobachten, der sich mit zunehmender Bewegung dann langsam normalisiert. Insgesamt schreitet die Erkrankung schneller fort, sofern das Pferd nicht optimal, das heißt mit stetiger langsamer Bewegungsmöglichkeit untergebracht wird. Das Sprichwort „wer rastet, der rostet" trifft auf Pferde mit arthrotischen Veränderungen ganz besonders zu. Der tägliche Auslauf ist keineswegs ausreichend, sofern die Pferde des Nachts in Normboxen eingesperrt werden. Zusätzlich zu der optimalen Unterbringung sollte den Pferden ein ganztätiger und weiträumiger Auslauf auf Paddocks bzw. Weiden eingeräumt werden, um dem Bewegungsbedürfnis nachzukommen. Ein wichtiger Faktor sowohl bei einer praktizierten Offentstallhaltung, wie auch bei einer täglichen Paddock- bzw. Weideauslaufhaltung stellt eine verträgliche und fest eingespielte Herde dar: Keinesfalls sollte unser erkranktes Pferd von anderen Pferden dranglasiert und gejagt werden; da die Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt ist und unser Pferd somit immer das schwächere Glied in der Herde darstellt. Eine Haltung in einer gut eingespielten möglichst kleinen Herde ist eine weitere Voraussetzung zum Wohlfühlen, denn auch die Psyche muss beachtet werden bei erkrankten Pferden.
Bewegungsmöglichkeiten:
Je nach Schwere der Erkrankung sind Spazierritte im Schritt mit kurzen Trab und Galopppassagen erlaubt, solange das Pferd sich anbietet und freiwillig – ohne Widersetzlichkeit – mitmacht. Auch längere Spaziergänge an der Hand sind eine willkommene Abwechslung. Longieren, Springen sowie das Abverlangen von Hochleistungen sind selbstverständlich tabu. Auch bei der Bewegung unter dem Reiter gilt: Langsame und stetige Bewegung sind erlaubt; alles darüber hinausgehende muss vom Pferd freiwillig angeboten werden; denn dieses wird sich selbst nicht überlasten und somit die Erkrankung verschlechtern.
Selbstverständlich kommt es in erster Linie auf den Grad der Arthrose an, ob ein Pferd überhaupt noch reitbar ist; dies gilt jedoch ebenso insgesamt für die Lebensqualität und auch Weidehaltung. Die Arthrose kennt viele Gesichter und viele Grade der Massivität; so kann die Erkrankung auch dermaßen fortgeschritten sein, dass eine Lebensqualität für das betroffene Pferd nicht mehr gegeben ist und die Erlösung den einzig richtigen Weg darstellt. Von diesen Arthrosen sprechen wir in diesem Artikel nicht, denn wenn das betroffene Pferd unter dauernden massiven Schmerzen leidet und die Arthrose bereits so weit fortgeschritten ist, dass eine Bewegung nur unter erheblichen Anstrengungen möglich wird, dann ist keine Besserung mehr zu erwarten und aus tierschutzrelevanter Sicht sollte man dieses Pferd vom Schmerz erlösen.
Hufbeschlag/Hufkorrektur:
Das Patentrezept gibt es leider – wie immer – nicht. Es gibt sicherlich eine Reihe von orthopädischen Beschlägen und Hufkorrekturen, welche sich bei den entsprechenden Erkrankungsbildern bewährt haben. Jedoch sind auch Faktoren wie Hufstellung, Stellung der Extremitäten, Vorgeschichte etc. zu berücksichtigen, was heißt: Was sich bei vielen Pferden bewährt hat, kann ggf. für das individuell betroffene Pferd genau das Verkehrte sein und die Lahmheit verschlechtern, statt verbessern.
Individuell sollte mit einem kompetenten Hufschmied überlegt werden, wie das betroffene Pferd huftechnisch bestmöglich unterstützt werden kann. Sollte sich jedoch nach einiger Zeit herausstellen, dass die Lahmheit sich verschlechtert, dass das Pferd mit der derzeitigen Hufbearbeitung nicht gut zurecht kommt, sollten schnellstmöglich andere Wege eingeschlagen, und nicht an den bisher bewährten festgehalten werden.