Arrangement
Wer sich mit Musik, Musikproduktion oder Komposition beschäftigt, gerät früher oder später an den Begriff des "Arrangements". Doch was kann man sich eigentlich unter einem musikalischen Arrangement vorstellen, bzw. was macht ein Arrangeur. Um diese Frage zu klären, haben wir mit dem Hauptverantwortlichen für Arrangements bei Impressive Music Production, Lars J. Lange, gesprochen.
"Herr Lange, Sie sind sozusagen der Chefarrangeur bei Impressive Music Production. Was kann man sich als Laie unter Arrangements vorstellen?"Lars J. Lange:
"Mit einem Arrangement hat man es immer dann zu tun, wenn eine vorliegende Komposition in eine andere Form überführt wird. Beispielsweise kann ein Klavierstück für ein Orchester arrangiert werden. Es gibt aber auch den Fall, dass ein Orchesterstück für eine Rockband arrangiert wird - oder es gibt nur eine Gesangsmelodie mit Akkorden: Hier muss man dann quasi eine Begleitung erfinden, die von Musikern gespielt werden kann. Mit einer speziellen Art von Arrangement haben wir es auch beim sogenannten Klavierauszug zu tun, bei dem ein Orchestersatz so reduziert wird, dass er von einem Pianisten gespielt werden kann und trotzdem möglichst alles Essentielle wiedergibt. In der Regel braucht man so einen Klavierauszug im Musiktheater, wo bei den Proben mit den Sängern natürlich nicht immer das ganze Orchester dabei sein kann."
"Wie würden Sie Ihre Arbeit als Arrangeur beschreiben? Wie gehen Sie bei einem neuen Auftrag vor?"Lars J. Lange:
"Das ist natürlich je nach Vorlage immer wieder anders. In der Regel höre und/oder schaue ich mir die zu arrangierende Komposition erst einmal in Ruhe an und versuche mich möglichst gut in die Welt des Komponisten hineinzufinden. Anschließend mache ich mich an die eigentliche Arbeit und arrangiere: Dabei versuche ich vor allem kleine, prägnante Motive in der Vorlage auszumachen, die ich ausbauen und kontrapunktisch verarbeiten kann."
"Wie viel eigene Ideen kann man hierbei einbringen? Ist man durch die Vorgabe nicht meistens sehr festgelegt, wodurch das Ganze zu einem Malen-nach-Zahlen-Spiel wird?"Lars J. Lange:
"Das ist natürlich stark von der Vorlage abhängig. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je weniger bereits festgelegt ist, desto mehr eigene Kreativität kann (und muss) man einbringen - eigentlich logisch. Ein guter Arrangeur schafft es aber immer, seiner Arbeit auch den eigenen Stempel aufzudrücken - nur eben mal mehr, mal weniger dezent."
"Wenn Sie auf die letzten Jahr zurückblicken – welches Arrangement-Projekt ist Ihnen am besten in Erinnerung geblieben?"Lars J. Lange:
"Rein vom Standpunkt des Arrangeurs aus betrachtet war das wohl 'Din Daa Daa Goes Classic' (Brandenburger Symphoniker mit George Kranz), weil ich mich dort richtig austoben konnte und quasi nahezu 'Narrenfreiheit' hatte - dadurch, dass nur das Orchester die Sänger begleitet hat und ich auf keine Band Rücksicht nehmen musste. Aber auch alle anderen Projekte waren spannend - im Grunde versuche ich natürlich immer so zu arbeiten, dass JEDES Projekt ein Höhepunkt ist!"
"Impressive Music Production ist auf dem Gebiet allem Anschein nach bereits sehr erfahren. Was hebt Ihre Arbeit von der Anderer ab?"Lars J. Lange:
"Um für mich zu sprechen denke ich, meine große Stärke besteht darin, dass ich zum einen eine ausgeprägte persönliche Handschrift habe, die sich unter anderem durch einen starken Hang zu gewitzter kontrapunktischer Arbeit auszeichnet, dass ich mich zum anderen aber auch sehr gut in den Komponisten und seine Musik hineindenken kann. So entsteht in der Regel ein sehr "passgenaues" aber auch einzigartiges Arrangement. Gleiches gilt natürlich auch für Impressive Music Production im Allgemeinen."
"Haben Sie zum Schluss noch einen kleinen Arrangement-Tipp?"Lars J. Lange:
"Großartig sind zum Beispiel Nelson Riddles Arrangements für die Capitol-Konzeptalben von Frank Sinatra - hier sei 'Frank Sinatra Sings For Only The Lonely' besonders ans Herz gelegt.
Wunderbar sind auch die Arbeiten von Joby Talbot für The Divine Comedy, hier sei das Album 'Absent Friends' empfohlen. Ein weiteres grandioses Werk ist aber mit Sicherheit auch Peter Gabriels Cover-Album 'Scratch My Back' mit Arrangements von John Metcalfe. Und natürlich muss ich auch noch den großen Van Dyke Parks nennen - als kleiner Anspieltipp sei hier nur mal sein Streicherarrangement für 'All I Want Is You' von U2 genannt - vor allem das Nachspiel finde ich großartig!"
Weiterführende Linkswww.impressive-music-production.dede.wikipedia.org/wiki/ArrangementDas Interview führte
Jens Kürschner
in der Maierzelch 34
95652 Waldsassen