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Arbeiten im Ausland - als Kieferorthopädin im Reich der Mitte

Autor: AnjaKohr | Erstellt am: 20.11.2009 | Gelesen: 1410
Kategorie: Beruf - Bildung & Karriere | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Claudia Schifferdecker sorgt für ein hübsches Lächeln in Shanghai

Chinesische Fahnen wehen vor den mächtigen Kolonialbauten am Bund in Shanghai
Chinesische Fahnen wehen vor den mächtigen Kolonialbauten am Bund in Shanghai
Die Flusspromenade in Shanghais Zentrum bietet einen atemberaubenden Blick: Auf der einen Seite ragen futuristische Bürogebäude hunderte von Meter in die Höhe, auf der anderen säumen wuchtige Kolonialbauten das Ufer. Der Anblick ist ein Höhepunkt für jeden China-Reisenden. Für zahlreiche Deutsche ist die Stadt jedoch mehr als ein Urlaubsziel – sie ist ihre Heimat.

Vor vier Jahren entschloss sich Claudia Schifferdecker, ihrem Mann in die chinesische Metropole zu folgen. Er sollte dort eine Niederlassung seiner Firma, eines deutschen Mittelstandsbetriebes, aufbauen. Eine vielversprechende Aufgabe und für den Asien-Fan die Erfüllung eines lang gehegten Traums. Für Claudia Schifferdecker dagegen ein Aufbruch ins Ungewisse: Als Kieferorthopädin gibt es für sie zwar überall auf der Welt potentielle Patienten - aber würde sie in China überhaupt arbeiten dürfen und eine Stelle finden?

Die befürchteten Startschwierigkeiten waren schnell überwunden. Mehrere Kliniken waren an der Mitarbeit der Fachärztin interessiert und reagierten schnell auf ihre Bewerbung. Dass damit die Probleme erst anfangen würden, ahnte die junge Frau damals noch nicht. „Ich habe Lehrgeld gezahlt, das viele Europäer in China zahlen müssen", weiß sie heute.
 
Gescheitert ist ihre erste Stelle an den kulturellen Unterschieden: Gleich zu Anfang habe sie ihren Mitarbeiterinnen den Umgang mit ihren teuren, selbst aus Europa und den USA importierten Instrumenten und Materialien erklärt. Die chinesischen Zahnarzthelferinnen hätten bei jeder Anweisung eifrig genickt – verstanden hatten sie jedoch nichts, weiß Schifferdecker heute. Auch vom Angebot, bei Unsicherheit lieber kurz bei der Ärztin nachzufragen, machten sie – traditionsgemäß – keinen Gebrauch.

Die Folge: Teures Arbeitsmaterial war in kürzester Zeit nicht mehr zu gebrauchen, in China nur schwer zu beschaffende Instrumente gingen kaputt. Claudia Schifferdecker stellte ihre Mitarbeiterinnen zur Rede – für die Chinesen eine unzumutbare Situation. „Das sind Fehler, die jeder Europäer in China macht", kann die Ärztin mit ihrer Erfahrung heute berichten. Ab diesem Moment sei sie „untendurch" gewesen, Mobbing in der Zahnarztpraxis an der Tagesordnung gewesen. „Heute lasse ich meine Mitarbeiter wiederholen, was ich von ihnen möchte. So kann ich sicher gehen, dass sie mich auch verstanden haben, ohne ihre Gefühle zu verletzen."

Trotz dieser Erfahrung gab Claudia Schifferdecker in China nicht auf. Ihr Mann hatte mittlerweile die Produktionshalle für seine Firma errichtet, erste Aufträge an Land gezogen und produzierte mit chinesischen Mitarbeitern. Bei ihm wollte sie auf jeden Fall bleiben. Außerdem bedrängten sie die Eltern ihrer wachsenden Anzahl junger Patienten, auf jeden Fall weiter zu machen. Als einzige westliche Kieferorthopädin, die permanent in Shanghai lebt und praktiziert, erlebte Schifferdecker einen richtigen Ansturm der hier lebenden Europäer: „Allein die Deutsche Schule in Shanghai hatte im Jahr 2007 bereits 850 Schülerinnen und Schüler. Sie sind in den meisten Fällen mit ihren Eltern nach China gezogen, die eine Stelle in Shanghai angenommen haben. An Arbeit mangelt es mir also auf keinen Fall!", lacht die junge Frau.

„Doch ohne ,Guanxi' – das ist das chinesische Wort für Beziehungen – läuft in China nichts. Ein gutes Netzwerk ist das A und O." Und mit eben diesem Netzwerk hat sie ihre heutige Stelle gefunden: „In der French Dental Clinic (www.frenchdentalclinic.cn) habe ich als Kieferorthopädin die Hygiene- und Arbeitsbedingungen gefunden, die man als europäischer Arzt voraussetzt." Zudem hat das dreiköpfige europäische Ärzteteam an drei zentralen Punkten in der Metropole Praxisräume zur Verfügung. Das erleichtert den Patienten in der riesigen Stadt den Arztbesuch.

Trotz der neuen Praxis sind die Arbeitsbedingungen in China nicht mit jenen in Deutschland zu vergleichen: Nicht alle Behandlungen, die in Deutschland an der Tagesordnung sind, seien in China erlaubt. Alles müsse zuerst ein aufwändiges Genehmigungsverfahren durchlaufen, so Schifferdecker. „In Deutschland sind Behandlungsmethoden und Materialien üblich, die in China dieses Verfahren noch nicht abgeschlossen haben. Hier kann das mehrere Jahre dauern."

Dennoch will Claudia Schifferdecker weiter in Shanghai praktizieren: „Sicher werden wir eines Tages nach Deutschland zurückkehren, doch bis dahin freue ich mich, wenn ich so vielen Patienten wie möglich mit meiner Arbeit helfen kann."
 
Text: Anja Kohr
 
 
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