Die EZB senkt ihren Leitzins, um den Banken günstige Refinanzierungsmöglichkeiten bieten zu können. Damit verbilligt sich das Geld. Diese Maßnahmen sind erforderlich, um die schwächelnde Konjunktur zu stützen. Die Banken kommen relativ günstig an Geld heran und geben dieses an die Unternehmen weiter. Die Geldversorgung der Wirtschaft wird somit aufrechterhalten.Nicht nur für Unternehmen wird durch die Senkung des Leitzinses frisches Geld günstiger - auch Privatleute können von den fallenden Zinsen profitieren, so zum Beispiel beim Immobilienkauf oder sonstigen Anschaffungen. Konditionen für Immobilienfinanzierungen liegen zwischenzeitlich bei deutlich unter 4,00% für eine Zinsbindungsdauer von zehn Jahren. Es bietet sich hierdurch eine Möglichkeit eine Immobilie fast schon zu Mietpreisen zu erwerben.
Aber nicht nur für Neukäufe ist diese Entwicklung interessant. Immobilienkredite, die nur noch eine kurze Restlaufzeit hinsichtlich ihrer Festzinsbindung aufweisen, können in dieser Situation zu günstigen Konditionen verlängert oder gar abgelöst werden. Gerade für Immobilienfinanzierer, die Ende der 90-er Jahre ihre Konditionen vereinbart haben, ergeben sich enorme Einsparpotenziale. Bei einem Zinsunterschied von beinahe 2,00% lohnt sich eine vorzeitige Ablösung. Eine andere Alternative zur Sicherung der derzeitigen Konditionen für die künftige
Anschlussfinanzierung bieten Forward-Darlehen. Dabei wird bereits heute ein Darlehensvertrag geschlossen, der erst zu einem späteren Zeitpunkt, zum Beispiel erst in drei Jahren, ausbezahlt wird. Im Normalfall werden Forward-Darlehen mit einem Aufschlag auf den Nominalzinssatz angeboten. Dieser Aufschlag ist der Preis, den die Bank für das Risiko verlangt, falls die Zinsen wieder steigen sollten. In der aktuellen Situation ergeben sich trotz dieser Aufschläge immer noch günstige Konditionen.
Manche Finanzierer verzichten gar auf die Aufschläge. Für
Anschlussfinanzierungen ergeben sich dadurch fast schon einmalige Chancen die auslaufenden
Kredite zu Top-Zinssätzen zu verlängern. Interessant ist auch die Tatsache, dass für die Bereitstellung des Forward-Darlehens keine weiteren Kosten anfallen. Dies bedeutet, dass bis zur Auszahlung des Forward-Darlehens keine zusätzlichen Kosten anfallen. Damit sichert man sich risikofrei künftige Anschlussfinanzierungen fast schon zum Schnäppchenpreis. Bis zu der Zeit der Darlehensinanspruchnahme entstehen auch keine zusätzlichen Belastungen, die die Liquiditätssituation einengen könnten. Mit Ablauf der ursprünglichen Zinsbindung beim bestehenden Darlehen wird dieses einfach durch das Forward-Darlehen abgelöst. Hierfür fällt keine Vorfälligkeitsentschädigung an, da zum Ablauf der Festzinsbindung das bestehende Darlehen ganz oder teilweise kostenlos zurückgeführt werden kann.
Wie lange diese Situation hinsichtlich fast schon historischer Tiefzinsen für Immobilienkredite andauert, kann natürlich niemand voraussagen. Fest steht nur, dass mit anziehender Konjunktur die EZB ihren Leitzins wieder erhöhen wird. Sie wird so versuchen dem Finanzsystem wieder Gelder zu entziehen, um damit die sich um Umlauf befindende Geldmenge zu reduzieren. Dieser Schritt wird erforderlich sein, um eine starke inflationäre Entwicklung zu vermeiden. Dies wird auch relativ schnell erfolgen, da die Minimierung der Inflation zu den prioritätsmäßig höchsten Aufgaben der EZB gehört. Die EZB wird versuchen die Inflation auf 2,00% p.a. zu begrenzen.
In welchem Umfang die Erhöhung der Leitzinsen erfolgen wird, vermag heute ebenfalls noch keiner richtig einschätzen zu können. Wenn man die Geschwindigkeit betrachtet, mit der die Zinssenkung in den letzten Monaten erfolgte, kann man davon ausgehen, dass der Zinsanstieg ebenfalls relativ rasch erfolgen könnte. Diejenigen, die mit dem Gedanken spielen ihre
Anschlussfinanzierung zu sichern, sollten sich daher nicht all zu viel Zeit lassen.