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Annahme der Vergangenheit und produktive Gestaltung der Zukunft

Autor: revhoros | Erstellt am: 15.01.2011 | Gelesen: 360
Kategorie: Geschichten & Anekdoten | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Es dürfte eigentlich jedem Klar sein, das unsere Gegenwart und nicht zuletzt unsere Zukunft, von unserem Umgang mit unserer Vergangenheit bestimmt wird.

Rainer Sauer/Autor/Philosoph
Rainer Sauer/Autor/Philosoph
Es ist bestimmt keine seltene Erscheinung, daß wir Annahme mit Selbstaufgabe, mit der Vorstellung in Verbindung bringen, sich zu erge­ben, sich zu beugen, sich vielleicht sogar unterwerfen zu müssen. An­scheinend haben wir den wahren Sinn und die tatsäch­liche Qualität der­selben vergessen. Das Annehmen bedeutet für uns mittlerweile haupt­sächlich, daß wir verloren haben, daß wir gescheitert sind, daß wir ein Stück von uns selbst verlieren. Und dieses Bild, was wir haben, steigert sich bis dahin, daß wir Annahme auf Gefühlsebene als etwas Absolutes erfahren, nämlich den totalen Selbstverlust damit gleichsetzen. Ihre positive Qualität ist uns somit abhanden gekommen, und es fällt uns auch zunehmend schwer, ihre Nützlichkeit für uns kon­struktiv einzusetzen. Mit dem Thema „Annahme der Vergangenheit und produktive Gestaltung der Zukunft" möchte ich die Nützlichkeit der An­nahme sichtbarer machen. Ich möchte als erstes eine raumöff­nende, grundsätzliche Tatsache, eine Behauptung als „Arbeits Grundlage", als Fundament in den Vordergrund stellen, welche wir vermutlich alle un­schwer akzeptieren können:

Annahme bedeutet nicht, die Vergangenheit, die Gegenwart und die ZUKUNFT als absolut und unabänderlich akzeptieren zu müssen. Also auch nicht, sich allem und jedem, ohne selbst Einfluß nehmen zu dürfen, resignierend ergeben zu müssen. Oder bedeutet auch in letzter Konsequenz nicht, dem Schicksal, einer fiktiven Autorität oder dem Ver­gangenen, Gegenwärtigen und Zukünftigen unabänderlich unterworfen zu sein. Annahme bedeutet eher, die Vergangenheit und die Gegenwart als „Ist-Zustand" zu sehen, die Zusammenhänge zwischen den beiden verste­hen zu lernen, um dann mit dieser Information in Freiheit unsere Zukunft gestalten und schöpfen zu lernen. Alle drei als unabänderlich zu akzeptie­ren, kommt einer Opferhaltung, einer Abgabe jeglicher potentieller Selbstverantwortung gleich und gibt somit keinen Raum für Veränderung frei. Sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart jedoch als nicht unmittelbar beeinflußbar, als momentanen „Ist-Zustand" anzuerkennen, läßt uns genügend Spielraum, die in der gemachten Erfahrung gesam­melte Information zu verarbeiten, um bestehende Ursache-Wirkungs-Verbindungen zwischen dem Vergangenen und dem gerade Erlebten aufzufinden. Diese neuerworbene Information kann ich nun dahingehend verwerten, indem ich meine bisherige Handlungsweise dementsprechend verändere. So erreiche ich, daß im Zukünftigen nicht wieder dasselbe eintrifft wie es gerade in der Gegenwart geschah, daß also eine neue von mir gestaltete und auch gewollte Zukunft ermöglicht wird. Annahme bedeutet hier also, daß ich Vergangenheit und Gegenwart als zwei feste stabile Größen akzeptiere, an denen ich nicht versuche, in direkter Weise herumzumanipulieren. Den „Ist-Zustand" demnach als gegeben, als nicht in diesem Moment veränderlich anzuerkennen, um in einer Art Versöh­nung mit ihm zu sein. Um letztendlich in diesem eher friedvolleren Zu­stand den nötigen Einblick,Überblick und Durchblick zu erhalten, den es bedarf, wenn wir produktiv und wachstumsförderlich auf unsere Zukunft einwirken wollen.

Falls wir uns nun in dieser Nutzbarkeit der Annahme befinden, also im Frieden mit dem Ist Zustand sind und in darauf weiterhin folgen­den Schritten konstruktiven Einfluß auf unsere zukünftige Lebensqualität gewinnen, werden wir sodann einem „unglaublichen" Phänomen begeg­nen. Annahme bedeutet nämlich, daß wir den temporären Ist Zustand akzeptieren, also unsere Un Möglichkeit zugeben, das Gegenwärtige direkt und sofort zu verändern. Etwas anzunehmen heißt aber wiederum nicht, daß dieser Zustand ewiglich bestehen muß und bleibt und bedeutet nicht einmal, daß dieser wie in unserer alltäglich materialistischen Sicht­weise erscheinend tatsächlich stabil ist. Nehmen wir nämlich aus unserer gewonnenen Einsicht, welche wir uns durch vergangene und gegenwär­tige Erfahrung aneignen, konstruktiven Einfluß auf unsere Zukunft, hat dies auch unmittelbare Auswirkung auf die Vergangenheit. Dies mag in der Theorie für manch einen Menschen ziemlich schwer zu akzeptieren sein, ist aber doch sogar in unserem praktischen Erleben eine alltägliche und normale Erfahrung.

Einen sehr gut nachvollziehbaren Bezug zur Realität zeigt das Bei­spiel unserer Beziehungs Strukturen und die Verwandlung, die wir in Richtung Vergangenheit und Zukunft ein manches Mal erleben (falls wir einer echten und somit wahrhaftigen Veränderung beiwohnen). Wenn wir eine vielleicht schwierige oder sogar zerrüttete Beziehung zu unseren Eltern oder auch alten Freunden, Bekannten oder ehemaligen Partnern haben; oder wenn wir mit anderen Worten Beziehungen haben, die auf vergangene gemeinsame schmerzliche Erfahrung begründet distanziert sind, und wir nicht direkten Einfluß auf Veränderung nehmen können; und wenn wir dann auf unserem Weg der Selbst Entwicklung einen we­sentlichen Schritt machen in der Beziehung zu uns selbst und vielleicht sogar zu anderen Menschen, welche jetzt zu den vorher bereits erwähnten keine relevante Verbindung haben; wenn wir also tatsächlich und in spür­barer Weise unsere Art verändern, Beziehung zu führen und in Beziehung zu sein und somit wahren Einfluß auf das Zukünftige nehmen, hat dies auch gleichsam Auswirkung auf unsere Beziehungen der Vergangenheit und des Gegenwärtigen. Wir erleben also „plötzlich" eine wirklich echte und unbestreitbare positive Veränderung in der Beziehung zu unseren Eltern, ehemaligen Partnern, also in der Beziehung zu Menschen, bei denen wir keinen direkten Einfluß nahmen und ja schließlich auch nicht nehmen konnten.

Falls wir den Zusammenhang, also die Verbindung zwischen Ur­sache und Wirkung hier nicht nachvollziehen können, sind wir natürlich in diesem Falle nur erstaunt, daß diese Wandlung ohne ersichtlichen Grund eingetreten ist, und wir nehmen dies vielleicht sogar als eine Selbstverständlichkeit hin. Wir können in diesem Moment schwerlich erkennen, daß unsere „echte" Veränderung wirklich Auswirkung in alle Himmelsrichtungen hat und somit auch auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nehmen wir also gegenwärtig Einfluß auf einen Anteil unserer Persönlichkeit, hat dies direkten Einfluß auf alle anderen Anteile bzw. auf unsere Ganzheit als solches. Unsere Bewegung in der Gegen­wart ist demnach auch Bewegung in der Vergangenheit und Zukunft. Wir können uns nämlich in der friedlichen Atmosphäre der Annahme willent­lich in jede Richtung bewegen, wohin wir auch entscheiden, gehen zu wollen, und dies hat direkte und indirekteAuswirkung auf Zeit und Raum, Auswirkung auf unser ganzes Leben an sich. Also verändert z. B die Verwandlung der Beziehung zu mir selbst oder auch die Beziehung zu einem bestimmten Menschen, zu einer spezifischen Thematik, eben ulti­mativ und unbedingt, gleichzeitig auch jede andere bestehende Bezie­hung. Da die Kräfte, welche auf einen scheinbar isolierten Teil wirken, eben auch immer parallel aufs letztendlich einheitliche Ganze einwirken.

 
 
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